Vermutlich Notstandsregierung
Erhöhte Alarmbereitschaft in Israel

Ungeachtet der Friedensbemühungen auf dem Nahost- Krisengipfel von Scharm el Scheich hat Israel aus Furcht vor Terroranschlägen Polizei und Militär in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

dpa Tel Aviv. Eine eigens eingerichtete Einsatzzentrale soll Hinweisen auf mögliche Anschläge arabischer Terroristen nachgehen, wie die israelische Zeitung «Haaretz» am Montag berichtete. Aus den Palästinensergebieten wurden neue Ausschreitungen gemeldet.

Angesichts der gespannten Lage wurde eine so genannte nationale Notstandsregierung in Israel immer wahrscheinlicher. Ein Sprecher von Ministerpräsident Ehud Barak sagte der BBC, er gehe davon aus, dass eine solche Regierung unabhängig vom Ausgang des Treffens in Scharm el Scheich eingerichtet werde. Deshalb werde Barak auf dem Gipfel auch Verhandlungen über die künftige Entwicklung des Friedensprozesses ablehnen, wie vom rechtsgerichteten Oppositionsführer Ariel Scharon gefordert. Mit der «Notstandsregierung» will Barak die Nahostkrise überbrücken.

Im Westjordanland und im Gazastreifen kam es am Montag zu neuen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten. In Hebron schossen israelische Soldaten auf Demonstranten, die Steine und Flaschen warfen. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben mindestens 14 Palästinenser verletzt. In Gaza demonstrierten 3 000 Anhänger radikaler Gruppen gegen die Teilnahme Jassir Arafats am Krisengipfel in Ägypten.

Rund um den Tempelberg in der Altstadt Jerusalems erhöhte die israelische Polizei am Montag die Sicherheitsvorkehrungen. Mehrere tausend Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Vor der Klagemauer versammelten sich am jüdischen Feiertag «Sukkot» rund 10 000 Gläubige ohne größere Zwischenfälle zum Gebet. Mitglieder der rechten jüdischen Gruppierung «Getreue des Tempelbergs» erhielten keinen Zutritt zum Tempelberg, wo sie einen «Grundstein» für einen neuen jüdischen Tempel legen wollten. Dies hätte nach Einschätzung der Polizei zu neuen Zusammenstößen geführt.

Der Streit um den Tempelberg, den die Moslems Haram El Scharif" (Edles Heiligtum) nennen, lähmt seit Monaten den Friedensprozess im Nahen Osten. Der Besuch des rechtsgerichteten israelischen Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem Tempelberg hatte vor zweieinhalb Wochen die jüngste Gewaltwelle ausgelöst. Mehr als 100 Menschen kamen seither ums Leben.

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