Vernetzte Baustellen sind keine Utopie mehr
Laptop zwischen Kran und Kelle

Modernste Informationstechnologie hat auch die Baubranche erfasst. Die vollständige Integration ausgelagerter Unternehmensteile in die Kommunikationsstrukturen der Unternehmen ist heute schon möglich.

HB DÜSSELDORF. Die "vernetzte" Baustelle ist auch auf dem europäischen und deutschen Baumarkt keine Utopie mehr. Für eine zunehmende Anzahl an Bauvorhaben ist sie bereits eine nicht mehr wegzudenkende Realität, welche die Abläufe und auch das Ergebnis positiv beeinflusst. Mit Hilfe internetbasierter Werkzeuge lassen sich die Kommunikationsprozesse komplexer Projekte effizient gestalten. Die Einbindung von Baustellen in die EDV-Netzwerke der Unternehmen verringert die Anzahl der Medienbrüche bei der Informationsverteilung und sorgt für einen weitestgehend identischen Datenbestand.

Der Begriff "vernetzte Baustelle" bezieht sich auf die Verbindung der Baustellen-Rechner mit anderen Rechner-Netzwerken, und damit auf die Möglichkeit des Datenaustausches, der Kommunikation zwischen den Rechnern.

Bis vor kurzem betraf dies vornehmlich die Netzwerke der eigenen Unternehmung. Zunehmend werden aber, meist von der Seite der Auftraggeber, so genannte Projekt-Server oder virtuelle Projekträume eingerichtet. Hier werden alle notwendigen Pläne, Projektunterlagen und-informationen zum Download zur Verfügung gestellt.

Selbst ein Teil der Projektkommunikation kann, beispielsweise per E-Mail oder Videokonferenz, über diese Server erfolgen. Der Betrieb solcher Projekt-Server wird verstärkt durch so genannte Bauportale angeboten. Die Betreiber dieser Bauportale stellen hierfür in ihren Rechenzentren die geeignete Infrastruktur sowie den notwendigen Speicherplatz zur Verfügung und gewährleisten die Betriebsbereitschaft der Systeme.

Die Zahl der national und international operierenden Bauportale nimmt derzeit stark zu, wobei das Spektrum der angebotenen Leistungen erheblich schwankt.

Neben dem bereits geschilderten Angebot an virtuellen Projekträumen zählen internetbasierte Ausschreibungen, E-Marktplätze für den direkten Handel und Einkauf von Baustoffen und anderen Produkten, Informationsdatenbanken sowie weitere Dienstleistungen, etwa ein Druckservice oder Finanzdienstleistungen, dazu. Die weitere Entwicklung dieser Dienstleistungen und welche Bauportale sich zukünftig am Markt etablieren werden, ist hinsichtlich der bestehenden Dynamik nur schwer abzuschätzen.

Am Institut für Baubetriebslehre der Universität Stuttgart wurden im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit 20 Bauportale untersucht. Mit Sicherheit wird hier in der nächsten Zeit eine Konsolidierung stattfinden. Vorteile der Bauportale sind Ersparnisse in Zeit und Kosten durch die Nutzung der in und über das Internet angebotenen Dienste und Leistungen.

Neben der Aussicht auf die Einsparpotenziale hat vor allem auch die konstante Weiterentwicklung der Informationstechnologie, vor allem die starke Zunahme an Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit der Internetwerkzeuge, einen großen Teil zur Akzeptanz und Integration der angebotenen Hard- und Software beigetragen.

Eine Netzwerkanbindung der Baustelle mit einer im Regelfall ausreichenden Bandbreite lässt sich auf Grund der mittlerweile weit vorangeschrittenen ISDN-Verfügbarkeit mit handelsüblich erhältlicher Hardware leicht und kostengünstig einrichten. Werden größere Bandbreiten benötigt, sollen zum Beispiel eine große Anzahl CAD-Pläne direkt an einen Plotter auf eine Baustelle geschickt werden, so stehen mittlerweile andere Möglichkeiten, etwa DSL (Digital Subscribe Line), zur Verfügung. Auch die Bandbreiten der mobilen Datenübertragung versprechen mit HSCSD (High Speed Circuit Switched Data) und GPRS (General Packet Radio Service) nun eine praktikable Größenordnung. Jedoch sind die Übertragungsdienste der Festnetze auf Grund der noch geringeren Kosten vorzuziehen.

Die vermehrte Entwicklung und zunehmende Funktionalität, der speziell für den Einsatz auf Baustellen bestimmten Hardware und Werkzeuge, haben ein Übriges zu der Verbreitung des EDV-Einsatzes und der Netzwerkanbindung auf Baustellen beigetragen. Als Beispiel sei hier auf die Entwicklung eines mobilen Kommunikationscontainers im Rahmen des europäischen Projektes "MICC" hingewiesen, welches 1999 abgeschlossen wurde. Mit der Entwicklung und Erprobung dieses Baustellencontainers, der ein komplettes Sprach- und Kommunikationszentrum beinhaltet, ist die Grundlage für eine "Plug & Play"-fähige Kommunikationseinheit geschaffen worden, die den Anforderungen an einen flexiblen Baustelleneinsatz genügt.

Die schnelle Verbreitung von so genannten PDA macht auch vor dem Baustelleneinsatz nicht halt. Neben den originären Funktionen der Adress- und Terminverwaltung sowie E-Mail-Funktionen und eingeschränkten Office-Anwendungen werden derzeit auch Programme zur Aufmaßerfassung in Verbindung mit Laser-Distanzmessgeräten angeboten.

Bei aller Euphorie über die zu erwartenden Vorteile bestehen durchaus auch Hemmnisse bei der Vernetzung der Baustellen mit anderen Rechnernetzwerken. Die mangelnde Qualifikation der Mitarbeiter wird hierbei jedoch immer weniger ein Problem sein.

Die hemmenden Faktoren liegen vielmehr in der unzureichenden Organisation des Betriebs und der Informationsflüsse selbst. Daher ist durch eine geeignete Unternehmensorganisation und Werkzeuge dafür zu sorgen, dass die übermittelten Daten und Informationen auch genutzt, auffindbar und sinnvoll archiviert werden

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Auch im Bauprozess ist der Erfolg im Wesentlichen von folgenden Faktoren abhängig: Die richtigen Informationen, Materialien und Arbeitskräfte müssen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Nur steht es mit der Informationsversorgung auf entfernten Baustellen bisher nicht gerade zum Besten - doch durch die Einbindung in ein Unternehmensnetzwerk wird die erforderliche Versorgung, Geschwindigkeit und Flexibilität erreicht.

Prof. Dr.-Ing. Fritz Berner ist Ordinarius am Institut für Baubetriebslehre,Dipl.-Ing. Markus Koch ist Wiss. Mitarbeiter am Institut für Baubetriebslehre, Universität Stuttgart.

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