Vernetzung aller Haushaltsgeräte wird großes Thema
Sony spart sich in die schwarzen Zahlen

Gewinn kommt vor Umsatz. Der Kurs der Sony Deutschland GmbH, Köln, der deutschen Tochter des japanischen Unterhaltungsriesen Sony, für die kommenden Geschäftsjahre ist klar, die Marschrichtung gibt die Zentrale in Tokio eindeutig vor: Die konsolidierte operative Gewinnmarge soll weltweit von derzeit unter vier bis 2006 auf 10 % gesteigert werden.

KÖLN. Der Hintergrund: Sony hatte erst kürzlich die Finanzmärkte mit einem unerwartet hohen Quartalsverlust geschockt. Im ersten Quartal 2003 war ein Nettofehlbetrag von umgerechnet rund 800 Mill. Euro angefallen. Jetzt will Sony-Chef Nobuyuki Idei den Konzern drastisch umbauen und Kosten senken. Rund 240 Mill. Euro sollen dafür zunächst einmal investiert werden.

Die Steigerung der Profitabilität stand für Deutschlandchef Leopold Bonengl schon im abgelaufenen Geschäftsjahr im Mittelpunkt: "Wir hätten kein Umsatzminus ausweisen müssen. Aber so manches mögliche Geschäft haben wir einfach nicht gemacht", stellte am Rande der Bilanzpressekonferenz fest. Was nicht zur Erhöhung des Ertrags führte, hatte wenig Chancen.

Die Konsequenz aus Zurückhaltung beim Verkauf und hartem Sparkurs bei den Kosten: Zum Ende des Geschäftsjahres 2002/03 stand beim Handel mit Consumerelektronik und professioneller Studiotechnik ein Umsatzminus von 7,7 % auf gut 1,135 Mrd. Euro in den Büchern. Beim operativen Gewinn gelang aber mit bescheidenen 2,5 Mill. Euro vor Steuern wieder der Sprung in die Gewinnzone nach Minus 13,4 Mill. Euro im Jahr zuvor.

Sorgenkind war der Profibereich. Hier brach der Umsatz um 27,9 % auf 111,9 Mill. Euro weg. Die Medienkrise und die Pleite des Münchener Großkunden Kirch-Gruppe schlug voll durch. TV- und Filmstudios sowie Produzenten zögern mit Neuanschaffungen.

Der Bereich Heimelektronik einschließlich Speichermedien und privat genutzter PC verlor von 1,07 Mrd. auf 1,023 Mrd. Euro. Der Gesamtmarkt konnte dagegen leicht um 1,1 % zulegen. Ein wichtiger Grund dafür war, dass Sony im Boomsektor DVD (Marktzuwachs 95 %) kaum (Sony-2 %) vertreten war. Trotzdem gelang es, mit einem Anteil von über 10 % die Marktführerschaft bei Consumerelektronik in Deutschland zu behaupten.

Im laufenden Jahr soll es bei Sony mit Ertrag und Umsatz aufwärts gehen, wenn auch nur leicht. Bonengl geht davon aus, dass 2003 bei Consumerelektronik die Talsohle durchschritten wird.

Künftiges Wachstum soll aus der Vernetzung der Haushalte kommen. Bereits 2005 will Sony keine Produkte mehr verkaufen, die nicht - innerhalb der Haushalte, aber auch nach außen hin etwa durch Internet und Mobiltelefon - vernetzt werden können. Mit dieser Vision ist Sony nicht alleine. Auch der große Rivale Matsushita (Panasonic) setzt auf das "überall verfügbare Netz", um Unterhaltungs- und Heimelektronik zusammenzuführen. Kann die Industrie diesen Trend beim Verbraucher durchsetzen, winken satte Gewinne. Schließlich hält eine völlig neue Gerätegeneration in den Wohnzimmern Einzug. Selbst Microsoft will sich diesen Markt nicht entgehen lassen. Mit Windows XP Media Edition soll der PC zur Zentrale der Heimunterhaltung werden. Bereits auf der Funkausstellung in Berlin im August will Sony sein neues Home-Server-Konzept auf dem deutschen Markt einführen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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