Veröffentlichung der Geschäftszahlen am Dienstag
Analysten: MobilCom 2000 mit hohem Verlust wegen UMTS

Reuters HAMBURG. Die Kosten für die UMTS-Mobilfunklinzenz dürften den Telekommunikationskonzern MobilCom AG nach Einschätzung von Analysten im vergangenen Jahr deutlich in die Verlustzone gedrückt haben. Die Prognosen von Reuters befragter Branchenexperten reichen von einem Jahresfehlbetrag von 67 Millionen Euro bis 94 Millionen Euro und wurden nach internationalen Bilanzregeln (IAS) errechnet. Neben den UMTS-Kosten dürften auch hohe Aufwendungen zur Gewinnung neuer Mobilfunkkunden die Bilanz belastet haben, hieß es. MobilCom will seine Geschäftszahlen am Dienstag bekanntgeben.

Der Büdelsdorfer Telekommunikationskonzern hatte im vergangenen Sommer zusammen mit France Telecom eine der sechs begehrten Lizenzen für den Mobilfunkstandard der nächsten Generation erworben, mit dem multimediale Anwendungen am Handy möglich werden sollen. Zur Finanzierung der 16,37 Milliarden Mark teuren Lizenz hatte MobilCom bei mehreren Banken Kredite über insgesamt 5,7 Milliarden Euro aufgenommen. Darüber hinaus stehen MobilCom aus der gut 28prozentigen Beteiligung der France Telecom 3,7 Milliarden Euro an Eigenkapital zur Verfügung, so dass zusammen mit den Bankkrediten Gesamtkosten von 9,4 Milliarden Euro für die Lizenz sowie für Anlaufverluste und Kosten beim Aufbau des Mobilfunknetzes finanziert werden.

Spekulationen über angebliche Probleme der UMTS-Finanzierung hatten den Kurs der am Frankfurter Neuen Markt notierten MobilCom-Aktie im vergangenen Herbst auf ein Jahrestief abstürzen lassen. Wegen des von Firmenschef Gerhard Schmid als nicht nachvollziehbar kritisierten Kursverlaufs der Aktie erwägt das einstige Aushängeschhild des Neuen Markts inzwischen den Rückzug von diesem Börsensegment.

Die Kosten zur Finanzierung der UMTS-Lizenz schlagen der Reuters-Umfrage zufolge erstmals im vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres voll zu Buche. Allein für diesen Zeitraum rechnen Analysten mit einem Fehlbetrag von bis zu 60 Millionen Euro, nachdem für die ersten neun Monate ein Verlust nach IAS von gut 30 Millionen Euro ausgewiesen worden war. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sehen die Experten einen gerade noch positiven Wert von 3,91 Millionen Euro nach plus 100,46 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Jahr 2000 dürfte MobilCom ein negatives Ergebnis von 33,1 Millionen Euro ausweisen, nachdem im Vorjahr noch ein positives Ergebnis von 142,3 Millionen Euro erzielt worden war. Für das laufende Geschäftsjahr 2001 rechnen die Analysten sogar mit einem negativen Ebit von 387,4 Millionen Euro.

Peter Wirtz von der West-LB Panmure erwartet, dass die UMTS-Kosten die MobilCom-Bilanz noch stärker belasten werden, wenn die Lizenz ab Anfang 2002 abgeschrieben werde. Wirtz zeigte sich daher skeptisch, ob das Unternehmen wie geplant beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen, und Abschreibung (Ebitda) bereits 2005 wieder in die Gewinnzone zurückkehren werde. Wirtz hält es aber für möglich, dass das Unternehmen wie von Finanzchef Thorsten Grenz prognostiziert 2007 wieder einen Überschuss ausweisen kann.

Wie Wirtz erwarten auch Analysten anderer Banken, dass der Kurs der MobilCom-Aktie noch längere Zeit von Unsicherheiten über die UMTS-Zukunft bestimmt sein wird. Vor der UMTS-Versteigerung habe der Kurs noch von der Fantasie über die Möglichkeiten des neuen Mobilfunkstandards profitiert, sagte Alexander Kachler vom Bankhaus Merck Finck. Das jetzige Kursniveau knapp über 30 Euro enthalte eine erhebliche Risikoprämie wegen der UMTS-Unsicherheiten. Ohne diesen Risikoabschlag wären Kurse von 150 Euro möglich.

"Kein Mensch weiß aber, ob MobilCom dort auch ankommen wird, wohin es steuert", sagte Kachler. Auch sei noch unklar, ob die Zulieferer die nötigen UMTS-Handys rechtzeitig und in ausreichender Zahl liefern könnten. Diese Unsicherheiten drückten den Kurs.

Positiv bewerten die Analysten die Kooperaton mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), mit der MobilCom demnächst Bankdienstleistungen per Handy anbieten will. Dafür haben die beiden Partner ein eigenes Institut gegründet, an dem MobilCom die Mehrheit hält. Merck-Finck-Analyst Kachler sagte, langfristig könnten Zahlungen am Handy die Scheckkarte und Kreditkarten ersetzen. Die Kooperation von Mobilcom und LBBW sei zukunfsweisend, weil die Sparkassen marktführend im Zahlungsverkehr seien, sagte Kachler. Am Freitag notierte die Aktie der Büdelsdorfer mit 3,38 Prozent im Minus bei 30,34 Euro.

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