Veröffentlichung der Urlaubsfotos erneut bedauert - Kritik am Verteidigungsminister hält an
Scharping will Rechtmäßigkeit seiner Flüge belegen

Verteidigungsminister Rudolf Scharping will auf der Sondersitzung des zuständigen Parlamentsausschusses am Montag die Rechtmäßigkeit aller seiner Flüge mit Maschinen der Bundeswehr nachweisen. In Interviews mit "Bild am Sonntag" und "Welt am Sonntag" bedauerte Scharping zugleich das Zusammentreffen der Veröffentlichung von Urlaubsfotos mit den Vorbereitungen für den Mazedonien-Einsatz deutscher Soldaten.

ap BERLIN. Auch am Wochenende stand Scharping weiter im Kreuzfeuer der Kritik. "Nicht nur die dienstlichen Flüge mit der Flugbereitschaft, sondern auch die privat bezahlten Flüge mit dienstlichen Anteilen sind belegt", sagte Scharping. Die Rechtmäßigkeit der Flüge stehe "für uns alle außer Zweifel". Mit der Nutzung der Flugbereitschaft gehe er so zurückhaltend wie möglich um. Auch gehe es nur vordergründig um die Flüge. Es gebe Leute, die meinten, dies sei eine Gelegenheit, ihn loszuwerden.

Die Veröffentlichung der Urlaubsfotos nannte der Minister einen Fehler. Das hätte er gerne den Familien der Soldaten und seiner Partei erspart. Während Bundeskanzler Gerhard Schröder und SPD-Generalsekretär Franz Müntefering Scharping am Wochenende erneut das Vertrauen aussprachen, ging der bündnisgrüne Koalitionspartner vorsichtig auf Distanz. Der Grünen-Haushaltspolitiker Oswald Metzger forderte Scharping im Nachrichtenmagazin "Focus" auf, seine Flüge am Montag "gut zu erklären". Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel wurde von den Magazin mit dem Satz zitiert: "Ein Rückzug aufs Formale reicht nicht, es gibt auch eine moralische Verantwortung."

Chronologie: Turbulenzen um Scharping

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch nannte Scharping in einem Interview nach Angaben des Senders auf Grund seines Gesamtverhaltens politisch einen toten Mann. FDP-Chef Guido Westerwelle drängte Schröder, Scharping unbedingt zu entlassen. Anderenfalls werde die FDP alle parlamentarischen Möglichkeiten ergreifen. Auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber schloss sich in "Focus" den Rücktrittsforderungen von Union und FDP an.

Der verteidigungspolitische CDU/CSU-Sprecher Paul Breuer sagte der "Bild am Sonntag", Scharping solle "nicht glauben, dass er mit Alibi-Terminen davon ablenken kann, was mit dem Ziel Frankfurt verbunden war". Die Opposition stützt ihren Verdacht, dass Scharping die Flugbereitschaft auch privat genutzt haben könnte, auf den Umstand, dass seine Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati in der Main-Metropole wohnt. Allerdings fliegt Scharping den Frankfurter Flughafen auch an, um in seinen Wahlkreis und Heimatort Lahnstein zu reisen, was ihm als Minister mit der Gefährdungsstufe eins zusteht.

Hintergrund: Die Richtlinien für den Einsatz der Flugbereitschaft

Schröder hatte am Freitagabend erklärt, Scharping werde die Anschuldigungen entkräften. Damit sei die Debatte beendet. Müntefering bekräftigte im Deutschlandradio, Scharping habe das Vertrauen der SPD. Scharpings Noch-Ehefrau Jutta - beide leben seit gut einem Jahr getrennt - äußerte sich verletzt über die Affäre. Der Spott, der über ihren Mann ausgegossen werde, tue auch ihr und ihren drei Töchtern weh, sagte sie in einem Interview der Zeitung "Welt am Sonntag". In der Frage der Flüge stellte sie sich allerdings voll hinter Scharping: "Mein Mann ist und war immer ein ehrlicher und absolut korrekter Mensch."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%