Veröffentlichung des Friedens-Planes
Kein Ende der Gewalt im nahen Osten

Die Welle der Gewalt ist auch mit der Veröffentlichung des gemeinsamen Nahost-Friedensplans der USA, Russlands, der EU und der Vereinten Nationen nicht abgeebbt.

HB/dpa GAZA/RAMALLAH. Bei massiven Operationen im Gazastreifen und im Westjordanland töteten israelische Soldaten am Donnerstag 15 Palästinenser. Mehr als 60 Palästinenser und mehrere Soldaten wurden zum Teil schwer verletzt. Am Mittwoch, wenige Stunden vor der Übergabe des Friedensplanes an die Konfliktparteien, waren bei einem Selbstmordanschlag in Tel Aviv drei Israelis getötet und 40 weitere Menschen verletzt worden. Ein Attentäter starb bei dem Angriff, ein zweiter konnte fliehen. Beide hatten britische Pässe. Ein großes Polizeiangebot suchte am Freitag weiter nach dem Entkommen, der noch in Israel vermutet wurde.

Die schwersten Zusammenstöße seit Monaten am Donnerstag folgten nur wenige Stunden auf die Veröffentlichung des Friedensplanes, mit dem eine dauerhafte Beendigung des Konflikts innerhalb von drei Jahren erreicht werden soll. Dazu gehört auch die Gründung eines unabhängigen Palästinas. US-Präsident George W. Bush appellierte an beide Seiten, guten Willen bei der Verwirklichung des Plans zu zeigen. Der neue Plan wird nach einer am Freitag veröffentlichten Umfrage der israelischen Tageszeitung "Maariv" von 52 % der Israelis befürwortet, 20 % sprachen sich dagegen aus, 28 % zeigten sich unentschlossen.

US-Außenminister Colin Powell sagte am Donnerstag bei einem Besuch in Madrid, für eine neue Nahost-Friedenskonferenz sei die Zeit noch nicht reif. Er erörterte die Lage telefonisch auch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon und dem neuen palästinensischen Regierungschef Mahmud Abbas. UN-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete die israelischen Angriffe in den Palästinensergebieten als Verletzung des internationalen Rechts.

Allein zwölf Palästinenser waren am Donnerstag bei stundenlangen Gefechten zwischen israelischen Truppen und Angehörigen der radikalen Hamas-Organisation in Schadschahija östlich von Gaza gestorben. In dem Dorf Jata bei Hebron im Westjordanland erschossen Soldaten zwei weitere Palästinenser. In Schadschahija hatten die Israelis einen Wohnblock umstellt, in dem sie führende Hamas-Mitglieder vermuteten. Die Bewohner, darunter Frauen und Kinder, weigerten sich jedoch, das Gebäude zu verlassen. Augenzeugen berichteten, Soldaten und militante Palästinenser hätten sich in den engen Gassen des Viertels stundenlang Gefechte geliefert. Unter den getöteten Palästinensern befanden sich auch drei von Israel gesuchten Hamas-Extremisten.

Israelische Truppen drangen am selben Tag auch bei Rafah im äußersten Süden des Gazastreifens auf autonomes Palästinensergebiet vor. Nach Armeeangaben zerstörten sie dort mehrere unbewohnte Häuser und Tunnels, durch die Palästinenser Waffen vom benachbarten Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelt haben sollen.

Die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtete am Freitag, Israel werde, mit Blick auf die Selbstmordattentäter mit britischen Pässen, keine pro-palästinensischen Aktivisten mehr einreisen lassen. Nach Medienberichten kommen die meisten Aktivisten aus Europa und Nordamerika.

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