Veröffentlichung des Nebenkostenerlasses vertagt
Besteuerung geschlossener Fonds bleibt unklar

Die Anbieter geschlossener Fonds hatten fest damit gerechnet, noch in diesem Monat Klarheit über die künftige Besteuerung ihrer Beteiligungsmodelle zu erlangen.

rrl DÜSSELDORF. Ein Erlass sollte regeln, ob Nebenkosten, die durch die Konzeption und den Vertrieb ihrer Kommandit-Beteiligungen entstehen, aktivierungspflichtig werden oder nicht und wann eine Übergangsregelung ausläuft. Wie das Handelsblatt aus Kreisen der Filmfonds-Anbieter und der Finanzverwaltung nahe stehenden Personen erfuhr, wird dieser Neben- kosten-Erlass nicht mehr in diesem Jahr veröffentlicht. Die Abteilungsleiter der Finanzministerien des Bundes und der Länder wollen erneut über den Entwurf beraten lassen. Vom Ausgang der Beratung ist eine Branche betroffen, die im vergangenen Jahr rund 7,3 Mrd. Euro Eigenkapital zur Investition in deutsche Immobilien, Schiffe, Filme und Windkraftanlagen einwarb.

Der Erlassentwurf, der einen Erlass vom 24.10.01 (Az.: IV C 3 - S 2253a - 15/01) ergänzt, sieht vor, dass die Nebenkosten im Falle dieser Fonds aktivierungspflichtig würden, also als Vermögensposten auf der Aktivseite in die Bilanz eingestellt würden. Sie wären dann zusammen mit dem Wirtschaftsgut des Fonds abzuschreiben, was die steuermindernden Anfangsverluste kappen würde. Dabei würde der Nachteil gegenüber der alten Regelung, die den sofortigen Abzug des größten Teils der Nebenkosten als Werbungskosten gewährt, um so größer, je länger die Abschreibungsdauer des Fondsobjektes währt. Von Medienfonds abgesehen, wäre deshalb der Nachteil für Deutschland- Immobilienfonds am größten.

Viele Fondsinitiatoren hatte sich schon mit der Regelung im Erlassentwurf abgefunden und auf die darin vorgesehene verlängerte Übergangsregelung gesetzt, die den Anlegern noch die vorteilhaftere alte Regelung verspricht, wenn mit dem Fondsvertrieb vor dem 1.9.02 begonnen wurde und die Anleger bis zum Jahresende 2003 dem Fonds beitreten. Diese Übergangsregelung soll nach Informationen des Handelsblatts nun separat erlassen werden.

Filmfonds-Anbieter, auf deren Produkte der Erlass-Entwurf ebenfalls angewendet werden sollte, hoffen, die bisher geplante Regelung in den weiteren Verhandlungen verhindern zu können. Ihr Argument: Ein Filmfonds, der die Vorgaben des Medienerlasses vom 23.02.01 (Az.: IV A 6 S - 2241 - 8/01) erfüllt, macht den Anleger zum Filmhersteller. Ein Film ist ein immaterielles Wirtschaftsgut, das nicht aktiviert werden darf. Wenn die Herstellungskosten des Films nicht aktiviert werden dürfen, können auch die Nebenkosten nicht aktiviert werden.

Demgegenüber geht der Erlassentwurf davon aus, dass der Kommanditist eines Filmfonds wie bei allen anderen geschlossenen Fonds steuerlich betrachtet nicht Hersteller, sondern Erwerber ist. Die Begründung: Der Fonds-Zeichner hat keinen unternehmerischen Einfluss, weil bereits vor seinem Beitritt die Investitionsentscheidung getroffen und die Verträge über die diversen Dienstleistungen geschlossen worden sind. Er erwirbt nur ein Anlagemodell.

Der Verband Deutscher Medienfonds geht nicht von einem separaten Erlass einer Übergangsregelung aus. Deshalb meint Christof Schmidt, Steuerberater bei PWC- Veltins und Beiratsmitglied des Verbandes, dass bis zur Veröffentlichung eines überarbeiteten Neben- kosten-Erlasses allein der Medienerlass maßgeblich ist. Er räumt ein: "Eine Unsicherheit ist für den Anleger nicht von der Hand zu weisen."

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