Veröffentlichung Ende Juni geplant
Bayern offenbar Spitze im Pisa-Ländervergleich

Von der Union regierte Bundesländer haben nach Presseberichten im Ländervergleich der Pisa-Bildungsstudie am besten abgeschnitten, allen voran Bayern.

Reuters BERLIN. Während führende Unions-Politiker dies als Bestätigung für bessere Bildungspolitik der Union werteten, warnten Bundesregierung, Gewerkschaft und Arbeitgeber davor, die Ergebnisse für parteipolitischen Streit und Wahlkampf auszuschlachten.

Unter Berufung auf eine erste unter den Bildungsministern kursierende Rangliste berichteten die Magazine "Der Spiegel" und "Fokus" am Wochenende, Bayern und Baden-Württemberg belegten die ersten beiden Plätze. Auf Rang drei folge Rheinland-Pfalz, das von einer SPD/FDP-Koalition regiert wird. Am Tabellenende lägen das Saarland, Sachsen-Anhalt, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Die Stadtstaaten Hamburg und Berlin haben an dem Ländervergleich nicht teilgenommen.

Veröffentlichung am 27. Juni

Von der Kultusministerkonferenz war keine ausführliche Stellungnahme zu bekommen. Sie erklärte lediglich, die Meldungen über die angeblichen Ergebnisse der Studie seien ein erneuter Versuch, eine Rangfolge unter den Ländern zu erfinden.

Die Pisa-Länderstudie soll am 27. Juni veröffentlicht werden. Sie ist der zweite Teil des von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Auftrag gegebenen internationalen Bildungsvergleichs, bei dem Deutschland schlecht abgeschnitten hatte. Getestet wurden Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften in 32 Ländern. Die Ergebnisse der deutschen Schüler lagen in allen Bereichen deutlich unter dem OECD-Durchschnitt. Der Leistungsunterschied zwischen starken und schwachen Schülern ist der Studie zufolge in Deutschland am größten.

Sowohl die Bundesregierung als auch die in Umfragen für die Bundestagswahl im September führende Union haben besonders nach Bekanntwerden des ersten Teils der Pisa-Studie die Bildungspolitik zu einem Schwerpunkt ihrer Politik erklärt.

Stoiber: Besser Bildungspolitik der Union

Der bayerische Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) wertete das Ergebnis der Pisa-Studie im "Focus" als eine Bestätigung besserer Bildungspolitik der Union. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel nannte das Resultat in der Zeitung "Welt am Sonntag" einen Beleg dafür, dass die SPD-Bildungspolitik auf der ganzen Linie versagt habe.

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte der Zeitung, wer jetzt mit dem Finger auf andere zeige, habe nicht begriffen, wie ernst die Lage sei. Deutschland brauche eine nationale Anstrengung, um die Krise gemeinsam zu lösen.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnten davor, die Ergebnisse für parteipolitisches Gezänk und Wahlkampf auf dem Rücken der Kinder zu verwenden. "Schuldzuweisungen und Wahlkampfgetöse helfen jetzt niemandem", erklärte Hundt am Sonntag in Berlin. "Wir müssen uns an den international und national Besten orientieren."

Die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange erklärte, es sei wenig verwunderlich, dass Bundesländer mit unterdurchschnittlichen Arbeitslosen- und Sozialhilfequoten auch gute Schulleistungen erzielten. Für parteipolitische Eitelkeiten gebe es keinen Grund. Zum einen seien die jetzt zu erwartenden Daten nicht gewichtet, so dass ein fairer Ländervergleich erst bei der Detailauswertung im November möglich sei. Zum anderen liege das deutsche Schulsystem im internationalen Vergleich nach wie vor auf einem miserablen Platz im unteren Drittel.

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