Veröffentlichung von Quartalsberichten verweigert
Porsche setzt seinen Platz im MDax aufs Spiel

Der Sportwagenkonzern Porsche lässt es auf einen Machtkampf mit der Deutschen Börse ankommen. Der Autobauer weigert sich, vierteljährlich über den Geschäftsverlauf zu berichten. Lenkt Porsche nicht ein, droht der Verweis aus dem MDax, dem Index der 70 wichtigsten Nebenwerte.

mm FRANKFURT/M. Porsche stellt sich stur: "Wir haben bereits mehrfach gesagt, dass wir auch in Zukunft keine Quartalsberichte vorlegen wollen", betont Unternehmenssprecher Manfred Ayasse. Damit geht der Autobauer auf Konfrontationskurs zur Deutschen Börse. Denn deren Regeln schreiben ab dem ersten Quartal dieses Jahres eine vierteljährliche Berichterstattung für alle Unternehmen in den Auswahlindizes vor. Bislang galt diese Verpflichtung lediglich für den Neuen Markt und die Kleinwerte im Smax. Jetzt sind auch die 30 Dax- sowie die 70 größten Nebenwerte gefordert. Porsche zählt mit einer Marktkapitalisierung von rund 3 Mrd. zu den schwersten Titeln im MDax.

"Unternehmen, die sich grundsätzlich weigern, Quartalsberichte zu liefern, werden wir aus den Auswahlindizes herausnehmen", warnt Börsenvorstand Christoph Lammersdorf. Wenn es um Übergangsfristen oder Verzögerungen gehe, werde die Börse die Situation der einzelnen Unternehmen prüfen. Derzeit verhandle Porsche mit der Börse, sagte Ayasse im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Frage, ob der Autobauer, wenn es hart auf hart kommt, nicht doch nachgeben werde, lasse sich derzeit nicht beantworten. "Wir werden dann neu nachdenken", meint Ayasse. Fondsmanager Gerald Rössel von der Investmentgesellschaft Invesco glaubt nicht, "dass es sich Porsche leisten kann, aus dem MDax zu fallen".

Zwar orientierten sich nur wenige Fonds direkt am Nebenwerte-Index, aber immerhin sei der MDax das Sprungbrett für den Aufstieg in den Dax. Kerstan von Schlotheim von der Fondsgesellschaft Adig sieht das ähnlich: "Auch die Mitgliedschaft im MDax ist wichtig". Porsche müsse sich ohnehin besser auf die Bedürfnisse der Anleger einstellen. "Dazu gehört auch mehr Transparenz". Ein Verweis aus dem MDax sei zwar kein Grund Porsche-Aktien jetzt zu verkaufen, könnte aber ein Hindernis für weitere Zukäufe sein. Nach einem Tief im Januar bei 2 590 legte die Sportwagenaktie wieder bis auf 3 430 zu. An den fundamentalen Qualitäten des Autobauers ändere der Streit mit der Börse nichts, betont Rössel. "Das Unternehmen glänzt durch gute Zahlen". "Porsche ist fundamental eine Perle", bestätigt von Schlotheim.

Bislang berichtet Porsche (Geschäftsjahr 31.7.) halbjährlich. Das nächste Quartalsergebnis wäre also für den Zeitraum Februar bis April fällig. Ayasse nennt zwei Gründe für die Ablehnung der Berichtsregel: Zum einen sei das Automobilgeschäft ausgesprochen zyklisch. Je kürzer die Berichtszeiträume, desto größer die Gefahr, dass die Investoren falsche Schlüsse aus den Zahlen zögen. Zum anderen werde das Börsengeschehen immer hektischer. Nach Ansicht von Porsche "ist das eine ungute Entwicklung auch für die privaten Anleger."

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