Verpackungen für Arzneimittel sollen fälschungssicher gemacht werden
Mittelständische Konkurrenten forschen gemeinsam

Die Familienunternehmen prägen die Herstellung von Faltschachteln für die pharmazeutische Industrie. Im Verbund will man die Wettbewerbsposition behaupten und ausbauen.

DÜSSELDORF. Während viele Mittelständler über den wachsenden Wettbewerb klagen, gibt sich Jürgen Theis ganz gelassen: "Ohne Konkurrenten ist das Leben viel schwerer", sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Artur Theis GmbH & Co KG, Wuppertal, "denn vieles ist alleine nicht durchsetzbar."

Die Aussage ist geprägt durch die Besonderheiten der Branche, in der Theis tätig ist. Das Familienunternehmen stellt ausschließlich Faltschachteln für die pharmazeutische Industrie her. Die wichtigsten Wettbewerber sind die Carl Edelmann GmbH & Co KG, Heidenheim, und die August Faller KG, Waldkirch.

Die drei Unternehmen haben nach Theis? Schätzung etwa einen Marktanteil zwischen 70 und 75 % im Inland. Ihre Großkunden sind die deutschen, aber auch ausländische Pharmakonzerne, wobei Edelmann und Theis vor allem die forschenden Hersteller beliefern, Faller stärker die Generika-Produzenten. Während sich Theis aber ganz auf Pharma spezialisiert hat, fertigen Edelmann und Faller auch Faltschachteln für die Kosmetik- sowie die Konsumgüterindustrie.

Kooperationsmodell mit der Ruhr Bochum-Universität

Nach dem Grundsatz "Einigkeit bewirkt mehr als Alleingänge" arbeiten die drei Unternehmen eng in der "Forschungsgemeinschaft Kartonagenverpackung" zusammen. Ein Vierter im Bunde, die A. Landerer GmbH & Co KG, Neckarsulm, schied aus, als die französische Firma Antajon, Montelimar, bei Landerer einstieg.

Basis der vom Kartellamt genehmigten Forschungsgemeinschaft Kartonverpackung war ein gemeinsam mit der Ruhr Bochum-Universität geschaffenes "virtuelles Entwicklungszentrum". Zwischen 1996 und 1999 wurde, wie die Ruhr-Uni formuliert, "ein auf Dauer angelegtes Kooperationsmodell gemeinsamer Entwicklungsprojekte von Wettbewerbern" entwickelt. Das Ziel der Kooperation war und ist, "gemeinsame Branchenstandards zu entwickeln, um so im Verbund die Wettbewerbsposition zu behaupten". Dr. Herbert Jochum vom Kooperationspartner Faller möchte: "Was wir machen, soll der ganzen Branche zugute kommen."

So gelang es, eine Standardisierung der früher sehr unterschiedlichen Kartons zu erreichen, in denen Faltschachteln in die Verpackungsbetriebe geliefert werden. Dies habe der pharmazeutischen Industrie eine weitere Rationalisierung der Abläufe erleichtert. Eine weitere Standardisierung wurde bei Kennzeichnung von Arzneimittelpackungen in Blindenschrift erreicht.

Theis befürwortet aber nicht nur die horizontale Kooperation zwischen Wettbewerbern, sondern auch vertikale mit Abnehmern und Lieferanten. Im Forschungsforum "Faltschachteln für die pharmazeutische Industrie (FFPI)", unter dem Dach der "Papiertechnischen Stiftung" in München und Heidenau, arbeiten der Kartonhersteller Stora Enso, die Verpackungsmaschinenhersteller Bosch und Uhlmann Pac-Systeme, die Pharmakonzerne Bayer und Hoffmann La Roche und die Faltschachtelhersteller Edelmann und Theis zusammen.

Theis sieht den Wettbewerb nicht gefährdet

Theis hält diese Kooperation "für zukunftsweisend, da sie vom üblichen Kunden-Lieferanten-Verhältnis losgelöst ist". Bei der FFPI träfen sich regelmäßig Entscheidungsträger, um "Forschungsarbeit und Wissen zu koordinieren". Neuentwicklungen in einem Bereich hätten immer auch Auswirkungen in den anderen Bereichen. Neue Verpackungsmaschinen stellen möglicherweise neue Anforderungen an Kartons und Schachteln, neue Faltschachteln an die Verpackungsmaschinen. Wenn man damit erst auf den Messen konfrontiert werde, gebe es meist Geld und Zeit verschlingende Verzögerungen bei der notwendigen Anpassung.

So erfolgreich Theis die Kooperationen beurteilt, den Wettbewerb behindern sie nicht, betont er. Im Vertrieb, so sehen es auch die Wettbewerber, seien die mittelständischen Faltschachtelhersteller harte Konkurrenten, die international mit unterschiedlichen Partnern zusammenarbeiten. Deswegen fürchtet man bei der Forschungskooperation keine Schwierigkeiten, weder mit dem deutschen noch mit dem europäischen Kartellamt. Außerdem werde trotz aller Kooperation auch noch individuell geforscht. Bei Theis liegt ein Schwerpunkt zum einen auf neuen Maschinen, die rationeller arbeiten. Eine habe man bereits im Zweigwerk in Irland installiert. Sie ermögliche, da verschiedene Arbeitsvorgänge in einem zusammengefasst seien, eine erhebliche Rationalisierung der Fertigung. Zunächst will man die Früchte der Arbeit alleine ernten. Auf die Dauer sei es aber durchaus möglich, dass man die neue Technik auch dem einen oder anderen Wettbewerber zugänglich mache.

Ein anderes wichtiges Thema ist die Herstellung möglichst fälschungssicherer Arzneimittelverpackungen. Ein Problem für die Pharmakonzerne sei die Gefahr der Fälschung von Arzneimitteln. Während früher der Vertrieb vom Pharmahersteller über den Großhändler zur Apotheke eine geschlossene Kette darstellte, sei die Kette durch die Öffnung der Grenzen für Re-Importe aufgebrochen worden. Dadurch bestehe die Möglichkeit, Fälschungen in den Vertrieb zu bringen, was bei Medikamenten mit hoher Handelsspanne - beispielsweise dem Potenzmittel Viagra - in einigen Ländern schon der Fall sei.

Wenn die Pharmaindustrie nicht mit allen Mitteln versuche, Fälschungen zu verhindern, drohe ihr vor allem in den USA die Produkthaftung auch für Schäden, die durch gefälschte Arzneimittel verursacht würden.

Sicherheitsmerkmale für Arzneimittel

Theis geht davon aus, dass Arzneimittel künftig Aufdrucke mit ähnlichen Sicherheitsmerkmalen bekommen wie Geldscheine, sowohl offensichtliche wie auch versteckte. Eine Vielzahl von Sicherheitskennzeichnungen mache das Nachmachen zumindest so teuer, dass es sich für Massenprodukte - und nur diese würden gefälscht - nicht mehr lohne.

Dank der Lizenz eines österreichischen Unternehmens ist man sich in Wuppertal sicher, in der Entwicklung sehr weit vorn zu sein. Zudem sichere die Lizenz den Markt ab. Theis schließt aber nicht aus, dass auf dem Gebiet der Fälschungssicherheit künftig auch gemeinsam mit Wettbewerbern geforscht wird. Allerdings könne man auch dann in einer Gemeinschaftsforschung nicht alle Sicherheitsdetails offen legen. Das verbiete der Lizenzvertrag.

Obwohl seine eigene und auch die gemeinsame Forschung, an der er teilnimmt, ohne staatliche Unterstützung auskommen, macht sich Theis für die Förderung der mittelständischen Forschung stark. Deshalb ist er auch im Kuratorium der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) engagiert. "Die AiF hat es geschafft, Förderprogramme auszulegen und zu kontrollieren, so dass ein Vielfaches an Steuerrückfluss dessen erreicht wird, was der Staat hineingibt."

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