Verpackungs-Produktion
DuoPress senkt Kosten und schont die Umwelt

Drucksysteme werden immer komplexer. Ständig muss die Druckbranche Verfahren finden, die die Kosten reduzieren und die Umwelt schonen. Mit speziellen Konfigurationen wird dies erreicht. Weltweit einmalig ist eine Produktionsstraße in Gelsenkirchen.

 

Druckmaschinen bestehen aus einzelnen Druckwerken oder zusammengefassten Drucktürmen mit mehreren Farbwerken. Mit hoher Geschwindigkeit wird die Papierbahn - oder der einzelne Bogen - von Druckwerk zu Druckwerk geschoben. Dabei muss die Positionierung des Papiers jeweils auf einen hunderstel Millimeter stimmen und natürlich darf es keine Falten geben. Damit nicht genug: Beim rasenden Druck müssen die Farben und Trockenabschnitte so abgestimmt sein, dass die frische Farbe nicht verschmiert.

Diese Vorgaben bewirken, dass die Rüst- und Andruckzeiten bei herkömmlichen Druckmaschinen sehr hoch sind. Es kann bei großen Maschinen eine Stunde dauern, bis alle Druckplatten eingebaut sind. Noch einmal längere Zeit dauert es, bis alle Druckwerke so abgestimmt sind, dass sie ein optimales Ergebnis liefern. Da die kleinsten Druckmaschinen schon schnell eine Millionen-Investition darstellen, sind diese Zeiten vor allem auf der Kostenseite sehr wesentlich.

Das sind nur wenige wichtige Aspekte der Drucker, die früher meist in einer Wolke aus Alkohol- oder Lösungsmittel-Dunst arbeiteten. Auch heute noch werden diese Stoffe eingesetzt, um die Maschinen zu reinigen, aber die Bemühungen gehen dahin, möglichst wasserlösliche Farben zu nutzen.

In der Druckvorstufe (Prepress) und vor allem bei der Drucknachbearbeitung (Postpress) werden meistens unterschiedliche Maschinen eingesetzt und das Papier muss neu ausgerichtet werden, damit es nach dem Drucken etwa gefalzt und geschnitten werden kann. Stets fallen neue Rüstzeiten und vor allem auch Fehldrucke oder-schnitte an. Bei hochwertigen Stoffen stellt auch das Material einen bedeutenden Kostenblock dar.

Mit neuen Maschinenkonfigurationen sollen diese Probleme reduziert werden. Wichtigstes Ziel sind Einsparungen. Aber manche Verfahren lassen sich erst verwirklichen, wenn bestimmte Vorgänge unmittelbar folgen. Ein Beispiel ist das Drucken von Farbe oder Schutzlacke in noch nasse Farbe. Dies bietet besondere Effekte.

Speedmaster CD 102-L-Y-6+LYYLX

Eine solche Spezialmaschine der Heidelberger Druckmaschinen AG wird gerade in Gelsenkirchen aufgebaut und eingefahren. Die Typenbezeichnung: DuoPress - Speedmaster CD 102-L-Y-6+LYYLX. Das Unternehmen Thomas GmbH-Gruppe & Co. KG ist auf Kartonagen spezialisiert. Aber nicht simple - sondern High-End-Verpackungen. Ob Schokolade von Lind oder Cornflackes von Kelloggs - jeder dürfte vermutlich schon einmal eine Packung in der Hand gehabt haben, die von den Thomas-Grafischen-Betrieben veredelt wurde.

Im Sommer wird nun die erste speziell für die Bedürfnisse des Unternehmens entwickelten Anlage arbeiten. Eine weltweit einmalige Konfiguration. Die 35 Meter lange Anlage hat ein Gesamtgewicht von 110 Tonnen und besteht aus 14 großen Maschinenteilen sowie 35 Steuerschränken.

Umweltschonender Druck und Lackveredelung

Die Heidelberger DuoPress trägt ihr Charakteristikum bereits im Namen, vereint sie doch zwei Verfahren: den Flexo- und den Offsetdruck. Sie verfügt damit als erste ihrer Art über ein dem Offsetwerk vorgelagertes Flexowerk. Ein Lack- und ein Trockenwerk befinden sich vor den sechs Druckwerken. Es schließen sich ein weiteres Lackwerk, zwei Trockenwerke sowie ein zusätzliches Lackwerk an.

Das ganze arbeitet ohne lösungsmittelhaltige Farben, wodurch effektvolle Produktionen besonders für die Lebensmittelbranche möglich werden. Um höchste Qualität bei der Herstellung Verpackungen, Etiketten oder Faltschachteln zu erreichen, wurde bislang häufig mit lösungsmittelhaltigen Tiefdruckverfahren gearbeitet. Dem Tiefdruck gleichwertige brillante Ergebnisse lassen sich mittels des hybriden Druckverfahrens jetzt im Flexodruck erzielen. Der entscheidende Unterschied: Es werden einzig umweltfreundliche Farben auf Wasserbasis verwendet.

Jumbo bietet viele Vorteile

Weitere ökologische Vorteile sind: Ein sogenanntes vorgeschaltetes Kamerakelwerk erlaubt die Verwendung minderwertiger Papiere. So kann auf Recyclingpapier wasserbasierendes Deckweiß aufgetragen werden; die dadurch entstehende Oberfläche erreicht nahezu die Neutralität hochwertigen Bilderdruckpapiers.

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Statt metallisierter Papiere - etwa im Etikettendruck - können wasserbasierende Metallur-Lacke verwendet werden, die metallische Effekte identischer Qualität erzeugen.

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Durch die neuartige Inline-Fertigung wird eine Anlauf-Makulatur vermieden - weniger Papierverbrauch.

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Eine elektro-chemische Feuchtwasser-Aufbereitungs- und Recyclinganlage reduziert den Anteil von IsoPropylAlkohol (IPA) an der Gesamtflüssigkeit im ersten Schritt auf bis zu drei Prozent. Später kann der Alkohol ganz eingespart werden.

Die Reinigungssysteme WashStar und EcoClean machen es möglich, das für den Druckprozess benötigte Gemisch aus Wasser und Waschmittel zu über 90 Prozent wiederzuverwerten.

Diese schwergewichtige Neuerung der Heidelberger Druckmaschinen kostet rund sechs Millionen Euro. Ihr soll ein Öko-Siegel vom Bundesministerium für Umwelt verliehen werden. Zur Zeit prüfen die Berliner Experten die Anlage.

"Die DuoPress ist hervorragend zur Herstellung von Farbtonkarten geeignet, auf denen sowohl dekorative Kosmetik als auch edle Autolacke absolut wirklichkeitsnah aussehen. Prädestiniert ist unser "Jumbo", wie wir die Anlage nennen, zudem für Spezialeffekte in hohen Auflagen. Dazu zählen wir beispielsweise Tafeleinschläge für Schokolade und Getränke-Etiketten", erläutert Volker Piel, geschäftsführender Gesellschafter der Thomas-Gruppe.

fox

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