Verpackungsverordnung bringt mittelständische Brauer unter Druck
Carlsberg will Brau und Brunnen nicht

Der dänische Brauereikonzern Carlsberg Breweries will die Dortmunder Brau und Brunnen nicht übernehmen. Carlsberg-Chef Nils S. Andersen sagte gegenüber dem Handelsblatt am Rande des Deutschen Brauertages in Hamburg, dass dazu die finanzielle Situation des Dortmunder Getränkeherstellers "viel zu schwierig" sei.

HAMBURG. Carlsberg, mit einem Ausstoß von 76 Mill. Hektolitern Bier der fünftgrößte Braukonzern der Welt, bleibe aber weiter auf Expansionskurs, sagte Andersen. Zuletzt hatten die Dänen (Marken: Carlsberg, Tuborg, Hannen Alt) Brauereien in Wachstumsmärkten wie China und Kasachstan übernommen.

Als Kriterien für eine Übernahme nannte der Carlsberg-Chef eine Umsatzrendite von 8 % beziehungsweise eine Kapitalrendite von 12 bis 15 % bei einem möglichen Übernahmekandidaten. Davon ist Brau und Brunnen jedoch noch weit entfernt. Brau-und-Brunnen-Chef Michael Hollmann ist mit seinen Restrukturierungsmaßnahmen in dem ehemals stark angeschlagenen Unternehmen zwar weit fortgeschritten, rechnet aber erst 2004 mit dem Erreichen der Gewinnzone.

Die Münchener Hypo-Vereinsbank, mit einem Anteil von 55 % Hauptaktionär bei Brau und Brunnen, sucht seit kurzem einen Käufer für ihre Beteiligung. Nach der Absage von Carlsberg gelten nun die britische Scottish & Newcastle oder der Braugigant SAB Miller als Wunschpartner Hollmanns.

Von dem Ausscheiden von Carlsberg aus dem Bieterkreis zeigte sich Hollmann gegenüber dem Handelsblatt unbeeindruckt. "Das ist kein Problem. Wir arbeiten weiter an einem Verkauf", sagte er. Interesse an der Dortmunder Braugruppe (Marken: Jever, Brinkhoff's, Berliner Pilsner) hatte zuvor auch schon der Oetker-Konzern geäußert.

"Die Dose ist tot, es lebe die Billig-Mehrwegflasche", mit diesen Worten kommentierte Richard Weber, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, auf dem Brauertag die Verabschiedung der neuen Verpackungsverordnung. Für den Mittelstand sei dies "der Super-Gau" sagte Weber, der auch Chef der saarländischen Karlsberg Brauerei ist.

Seit der Einführung des Einweg-Pfands zu Jahresbeginn ist der Bierabsatz in Deutschland um über 6 % eingebrochen, nach Schätzungen des Brauerbundes wird der Bierausstoß bis zum Jahresende um 10 Mill. Hektoliter, auf unter 100 Mill. Hektoliter zurückgehen.

Die Verlagerung von Einweg- zu Mehrweggebinden konnte den fast kompletten Wegfall des Dosenbierkonsums nicht kompensieren. Von der Verlagerung haben in erster Linie die Produzenten von Billigbieren wie die bayerische Oettinger Brauerei profitiert.

Auch die Billig-Marken der großen deutschen Braukonzerne verzeichnen Umsatzsprünge. Die Marken Wicküler und Sternburg der Brau und Brunnen legten beim Absatz seit Jahresbeginn um jeweils mehr als 30 % zu. Die mittelständischen Brauereien, die sich auf Kampfpreise nicht einlassen können, fühlen sich erheblich bedroht.

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