Verpatzter Börsenstart
Telekom Austria verpatzt den Börsenstart

Als "größter Börsengang der Geschichte" war die Teilprivatisierung der Telekom Austria (TA) angekündigt worden. Mit dieser "Volksaktie" sollten die bisher eher zurückhaltenden Österreicher in Börsenfieber versetzt werden. Schließlich sollte die seit Jahren ohne größere ausländische Beachtung vor sich hindümpelnde Wiener Börse endlich wach geküsst werden. Doch die TA hat ihren Börsenstart am Dienstag gründlich verpatzt.

dpa WIEN. Zunächst war der Ausgabekurs der Telekom Austria Aktien ganz am Ende des Preisbandes von neun bis zwölf Euro festgesetzt worden, um überhaupt Interesse zu wecken. Privaten Frühkäufern war ein Bonus von fünf Prozent eingeräumt worden. Wer sich verpflichtete, seine TA-Anteile wenigstens 18 Monate bis zur nächsten Hauptversammlung zu halten, bekam für jeweils zehn Aktien noch einmal eine Gratisaktie geschenkt. Doch am ersten Handelstag sackte der TA-Kurs bis Dienstagmittag von neun Euro auf enttäuschende 8,37 Euro. Das entsprach einem Rückgang von sieben Prozent.

Auch Österreichs Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der mit den Einnahmen die Staatsschulden abbauen will, zeigte sich enttäuscht. Schließlich musste er sich mit Einnahmen von rund 16 Milliarden Schilling (2,3 Milliarden DM/1,2 Mrd Euro) begnügen. Noch vor kurzem war mit der doppelten Summe gerechnet worden.

Demgegenüber schob der bisherige 75 Prozent-Eigentümer, die staatliche Holding ÖIAG, der Politik den Schwarzen Peter zu. Der Regierungsauftrag zur Privatisierung habe den Börsengang trotz des negativen internationalen Börsenumfelds erzwungen.



Weniger Anteile als ursprünglich geplant wurden an die Börse gebracht

Die ÖIAG hatte wegen des sich abzeichnenden Debakels zuvor schon den Rückwärtsgang eingelegt. Sie brachte nur 25,8 Prozent der TA- Anteile "unters Volk". Ursprünglich waren 28 Prozent geplant. Wegen des niedrigen Ausgabekurses musste die ÖIAG zudem dem bisherigen Minderheitseigentümer, der Telecom Italia, 4,8 Prozent Gratisaktien überlassen. Das war beim Einstieg der Telecom Italia im Jahre 1997 vereinbart worden. Damals hatte der neue Partner 25 Prozent der TA- Aktien übernommen. Nach der neuen Privatisierung kontrolliert der Staat über die ÖIAG noch 44,4 Prozent des Aktienkapitals. Die Telecom Italia hält jetzt 29,8 Prozent, 25,8 Prozent sind im Streubesitz.



Heftige Kritik

Die heimischen Zeitungen gingen mit der Regierung und der ÖIAG scharf ins Gericht. "Privatisieren mit der Brechstange geht meistens ins Auge", schimpften die "Salzburger Nachrichten" und "Die Presse" prangerte die "Vermögensvernichtung: Familiensilber zum Schrottpreis" an. Die ÖIAG-Spitze wollte sich aber auch durch diese "Seitwärtsbewegung" der TA-Aktie nicht entmutigen lassen.

Entscheidend sei der Kurs im nächsten Jahr, wenn die alte Post nach tief greifenden Umstrukturierungen und Personaleinsparungen wieder schwarze Zahlen schreiben soll.

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