Verpflichtung zur Geheimhaltung
Quiz-Shows bescheren Fragen-Erfindern Hochkonjunktur

ap HAMBURG. Quizfragen-Erfinder haben derzeit Hochsaison. Für den Fragenautor Günter Schröder mit seinem achtköpfigen Team ist es ein lukratives Geschäft. Er entwickelt für die RTL-Sendung `Wer wird Millionär?" mit Günther Jauch das spannende Wissensrepertoire. Jede Woche müssen mehr als 100 neue Fragen in die 1.000 Aufgaben umfassende Datenbank eingespeist werden, erklärt er. Denn so viel gehen auch jede Woche 'raus aus dem Pool.



Für Schröder und seine Mitarbeiter gilt strengste Geheimhaltung. Damit auch wirklich kein Mitspieler von den heiß begehrten Antworten vor den Sendungen erfahre, dürfe sich selbst aus dem Bekanntenkreis der Autoren niemand bewerben, sagt der 37-jährige Soziologe, der in Köln mittlerweile die Firma Mind the Company für die Fragenerfindungen gegründet hat.



Witztauglichkeit der Alternativ-Antworten



40 Themen gibt es für das Quiz zu bestücken: Von Architektur oder Geographie bis zu Literatur oder Religion reicht das Spektrum; Aktuelles ist aus der Welt der Promis oder Politik gefragt. Das Handwerkszeug sind laut Schröder Hilfsmittel wie Zitate- oder Film-Lexikon, Brockhaus oder Internet.



Der Schliff entstehe jedoch durch den Austausch der Autoren innerhalb der Redaktion. Dann werde die Witztauglichkeit der Alternativ-Antworten getestet. Den Gag müsse schließlich jeder verstehen, erklärt Schröder. Das sei harte Arbeit, denn neben dem Gespür für Komik müsse alles auch doppelt und dreifach auf Richtigkeit abgeklopft werden.



Einmal war dem Autorenteam dennoch eine Ungenauigkeit unterlaufen. `Eine formale Unschärfe bei der Frage nach der deutschen Kapitulation", sagt Schröder. `Wir fragten danach, wer die Kapitulation unterschrieben habe. Die richtige Antwort wären darauf drei Offiziere gewesen. Gemeint war jedoch, wer die Kapitulation veranlasst hatte, und das war Karl Dönitz gewesen." Die Raterin kannte jedoch keinen der Namen, und so war seine Redaktion noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.



Mit lässigen Plaudereien zum Quotenkönig



Günther Jauch hat sich mittlerweile im Revival der Ratesendungen zum Quotenkönig entwickelt. Mit seiner simpel gestrickten, geradezu altmodischen Sendung lockt er drei Mal in der Woche durchschnittlich zehn Millionen Zuschauer vor die Bildschirme, was einem Marktanteil von 30 Prozent entspricht, berichtet RTL. Die lässigen Plaudereien des 44-Jährigen zwischen den Fragen schaffen Verbundenheit des Zuschauers mit dem Kandidaten, dem er erst gut zurät, um ihn dann wieder gnadenlos zu verunsichern oder umgekehrt. Das steigert die Spannung.



Eigentlich könnte er sich als Moderator unterfordert fühlen, da er lediglich die richtige Antwort aus vier Möglichkeiten zu geben hat. Doch das streitet Jauch vehement ab. `Mir macht die Arbeit Spaß", beteuert er grinsend. Außerdem freue ihn, was Kopfschütteln verursache. Er schätze auch die unterschiedlichen Kandidaten aus `Gottes großem Zoo".



Und Jauch, der früher ein paar Jahre Jura studiert hatte und ohne Abschluss die Universität verließ, zeigt auch Herz für Leute ohne Abitur. Weil der Fragenkomplex von Tele-Tubbies bis hin zu Beethoven reiche, hätte jeder eine Chance zu gewinnen. `Menschen mit abgeschlossenem Studium und Abitur kommen in der Regel nicht so weit", meint er. `Offenbar spezialisieren sich die Gebildeten frühzeitig und haben daher einen nicht so großen Horizont." Solche Sätze kommen an, das weiß auch Jauch und fügt hinzu, bei ihm sei ein Taxifahrer schon bis zur 125.000-Mark-Frage gekommen.



Nicht nur die deutsche Nation mausert sich immer mehr zum Volk der Ratefüchse. Das Konzept der Quizsendung aus dem Hause Endemol wird mittlerweile in 28 Ländern gesendet. RTL-Unterhaltungschef Matthias Alberti kündigte für April 2001 noch eine weitere Quiz-Show an, bei der es um zehn Millionen Mark geht.

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