Verringerung der Verluste
Lycos Europe stellt Ziele in Frage

Das Internet-Portal Lycos Europe hat trotz einer deutlichen Verringerung seiner Verluste im dritten Quartal das Ziel, im vierten Quartal operativ schwarze Zahlen zu schreiben, in Frage gestellt.

Reuters FRANKFURT. Zwar sei grundsätzlich das vierte Quartal das beste vom Jahr, "weil dann die stärksten Werbeumsätze für das Weihnachtsgeschäft anfallen", sagte Lycos-Europe-Chef Christoph Mohn in einem Reuters-Interview am Mittwoch. Allerdings könne das derzeit schlechte gesamtwirtschaftliche Klima das Erreichen der Gewinnziele behindern. Zudem sei ein Vertrag zwischen Lycos und Großaktionär Bertelsmann ausgelaufen, der Lycos sieben Millionen Euro Werbeumsätze pro Quartal garantierte. Lycos sei nun auf der Suche nach Partnern, um den Ausfall wettzumachen. Dabei seien bereits Verträge unterzeichnet worden. Die Lycos-Europe-Aktie gab am Neuen Markt deutlich nach.

Fürs erste werde das Unternehmen aber den Plan weiter verfolgen, im vierten Quartal die Gewinnzone beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zu erreichen, hieß es weiter. "Wir gehen davon aus, dass wir durch eine Reihe von größeren Verträgen, die wir abgeschlossen haben, noch in diesem Jahr rund vier Millionen Euro auffangen werden können", sagte Mohn zur der ausgelaufenen Exklusivvereinbarung mit Bertelsmann. Lycos verhandle nun mit mehreren Bertelsmann-Gesellschaften und habe bereits einen Vertrag mit dem Online-Buchhändler Amazon abgeschlossen, bei dem Lycos Umsätze in Form von Anmeldegebühren und Umsatzprovisionen generieren werde.

Nach einer zuletzt deutlichen Reduzierung der Kosten und trotz des Einbruchs bei den Werbeerlösen sieht Mohn Lycos gut aufgestellt für die Zukunft. "Wir wollen das konsolidierte Kerngeschäft weiter optimieren und uns im nächsten Jahr auf ein Umsatzwachstum konzentrieren", sagte er, ohne Prognosen zu nennen. Für die kommenden Jahre sei sogar mit wieder deutlich steigenden Werbeeinnahmen zu rechnen. "In diesem Jahr haben wir einen Werbeumsatz im Internet von ungefähr 800 Millionen in Europa. Firmen wie (das Marktforschungsinstitut) Forrester sagen rund fünf Milliarden Euro im Jahre 2007 voraus." Mohn rechne derzeit nicht mit Anteilsveränderungen seitens der Großaktionäre Bertelsmann und Terra Lycos, die mit 18 beziehungsweise knapp 30 Prozent an Lycos Europe beteiligt sind.

Im dritten Quartal verbesserte Lycos das Ebitda um 42 Prozent auf minus 15,7 Millionen Euro. Der Fehlbetrag verringerte sich um 21 Prozent auf 30,4 Millionen Euro. Dabei sei der Umsatz allerdings auf Grund des anhaltend schwachen Werbemarkts im Vergleich zum Vorjahresquartal um 17 Prozent auf 27,2 Millionen Euro zurückgegangen, hieß es.

In den ersten neun Monaten verminderte sich der Fehlbetrag um 80 Prozent auf 177,5 Millionen Euro von 880,6 Millionen im gleichen Zeitraum 2001. Der Fehlbetrag sei dabei durch Akquisitionsaufwendungen in Höhe von 10,3 Millionen Euro beeinträchtigt worden. In den ersten neun Monaten hätten sich die Umsätze von Lycos Europe auf 89,3 Millionen Euro belaufen, ein Minus von 22 Prozent. Zum 30. September 2002 beliefen sich die liquiden Mittel des Unternehmens auf 246,3 Millionen Euro. Die Aktien von Lycos Europe fielen in einem schwachen Gesamtmarkt um mehr als elf Prozent auf 0,31 Euro.

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