Versäumnisse schaffen Grundlage für Schadenersatzforderungen
Der nächste Schritt: Die Managementwarnung

Im nächsten Schritt übermittelt Revisor Wendt eine unübersehbare Managementwarnung. Diese durften die angeschriebenen Vorstandsmitglieder der BGB und der Aufsichtsrat der IBG nicht übergehen.

FRANKFURT/M. Er verweist darauf, dass die erstmals per 31.12.1997 gebildeten Einzelrückstellungen nur die Abweichungen beim Erstvermietungszeitpunkt berücksichtigen. "Damit ist eine Quantifizierung des langfristigen Risikos aus den Generalmietverträgen und Mietgarantien nicht verbunden".

Revisionsbericht fast resignierend

Zweifel an der Bilanzierungspraxis der IBG und der diese testierenden BDO sind dem Revisionsbericht direkt zu entnehmen. Es wird darauf verwiesen, dass die Fides Treuhandgesellschaft unter Verweis auf die Stellungnahme des Wohnungswirtschaftlichen Fachausschusse IDW feststellt, dass die von der IBG-Gruppe erzielten Erträge aus gewährten Mietgarantien über die Laufzeit abzugrenzen seien. Nur weil diese Feststellung von der BDO mit Schreiben vom 19. 01. 1998 explizit zurückgewiesen wurde, stellt der interne Revisor seine Bedenken zurück. Er weist allerdings darauf hin, dass diese Bilanzierungsweise auch aus steuerlicher Sicht den Interessen der IBG zuwiderläuft, und dass weiterhin Unstimmigkeiten bei der Berechnung der Pauschalrückstellungen bestehen. Es klingt fast schon resignierend, wenn die interne Revision in Bezug auf die im Widerspruch zur Fides Begutachtung stehende Bilanzierungsempfehlung der BDO anmerkt: "Vor diesem Hintergrund verzichten wir insoweit auf eine eigene Bewertung".

Hätte die BDO 1997 die Warnungen und die Aufforderung zur Testatsverweigerung des Wirtschaftsprüfers Walther ernst genommen, hätte sie möglicherweise das Schicksal von Walther geteilt und ein attraktives langjähriges Mandat verloren. Dem Land Berlin wäre durch die risikogerechte Prüfungstätigkeit der BDO aber ein wesentlich geringerer Schaden entstanden. Bei der BDO ist nicht nur die Testierung einer falschen Bilanzierung zu beanstanden, sondern die generelle Vernachlässigung eines existenziellen Risikos der IBG. Die BDO wusste, dass es eine vernichtendere und deutlichere Sprache in Wirtschaftsprüfergutachten nicht gibt, wenn Walter 1997 in seiner Zusammenfassung feststellt: "Die IBG ist durch Mietgarantien über 25 Jahre und die angebotenen Andienungsrechte so hohe wirtschaftliche Risiken eingegangen, die sie aus heutiger Sicht vielleicht nicht aus eigener Kraft bewältigen kann".

Versäumnisse schaffen Grundlage für Schadenersatzforderungen

Dieses Urteil mag sprachlich holprig ausgefallen sein, es gibt inhaltlich aber unmissverständlich die wahre Situation der IBG wieder. Das Geschäftsmodell der IBG war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn es war in der Manier eines Spielers auf die Annahme einer optimistischen Marktentwicklung ausgerichtet. Die BDO konnte nicht übersehen und wurde darauf hingewiesen, dass die IBG unvertretbar hohe Risiken anhäufte, während ihre Fondsgesellschafter aufgrund von Mietgarantien weitgehend von Risiken freigestellt wurden.

Insbesondere die Summe der offensichtlichen Versäumnisse der BDO verschafft heute dem Land Berlin gute Argumente für Schadensersatzforderungen gegen die BDO. Bereits die interne Revision kritisierte mehrfach organisatorische Mängel in der Gestaltung des Risikocontrolling. Walther machte sich in seinem mutigen Sondergutachten mit seinen Ausführungen zu den Controlling Problemen bei IBG und BDO in besonderem Maß unbeliebt. Er bezeichnete die Produktkalkulation als "inhaltlich und formal ungenügend" und verlangte eine konzeptionelle Überarbeitung, damit die entstandenen Prospektabweichungen und Fehler lückenlos erfasst werden können.

Kritik an "Informationsmonopolen"

Der Gutachter monierte, dass es in der IBG bei der Produktkalkulation "Informationsmonopole" gab. Die Vertragsdatenverwaltung der IBG befand sich nach Walther ebenfalls in einem den dv-technischen Möglichkeiten nicht gerecht werdenden Zustand. Dabei entsprach der Informationsfluss und die Dokumentation der Mietvertragsdaten nicht den betrieblichen Notwendigkeiten. Spätestens die Ausführungen über das Risikomanagement verdeutlichen das krasse Versagen der BDO. Sie verfügte durch ihre mehrjährige Prüfertätigkeit über viel intimere Einblicke in die Geschäftsführung der IBG als der Sonderprüfer, dem man die Missachtung der desolaten Zustände im Risikomanagement am ehesten noch als Fahrlässigkeit hätte auslegen können.

weiter unter: Der letzte Schritt: Unklarheiten und Versäumnisse

Quelle: Handelsblatt

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