Verschärfter Wettbewerb der Börsen
Kommentar: Private gefragt

Der Konkurrenzkampf um die Privatanleger verschärft sich. Die Zahl der Handelsplätze steigt rasant. Die Deutsche Börse hat jetzt reagiert und richtet sich noch stärker auf Kleinanleger aus. Sie will die Dienstleistungen für diese Klientel innerhalb des Handelssystems Xetra sowie des maklergestützten Parketthandels ausbauen. Details, wie die vielen guten Ansätze im Einzelnen aussehen, bleibt sie allerdings schuldig. Der größte bisher erkennbare Schritt nach vorne ist das offene Orderbuch, das künftig auch den Kleinen unter den Marktteilnehmern eine bessere Orientierung bei Käufen und Verkäufen von Aktien bietet.



Das Entstehen immer neuer kleiner Börsen kann allerdings nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Kurzfristig ist der Trend zwar nicht aufzuhalten, auf längere Sicht wird es jedoch zu einer Konzentration auf einige wenige Anbieter kommen, wie das etwa in der Luftfahrtindustrie der Fall ist. Nur die Besten und Kapitalstärksten können überleben. Letztlich wird entscheiden, wer bei der Preisqualität und der Schnelligkeit der Auftragsausführung, aber auch bei der Transparenz und vor allem bei der Liquidität führend ist. Denn: Wer beim Kauf und Verkauf die meisten Orders bündeln kann, der wird auf Dauer die besten Kurse stellen und hat im Wettbewerb die Nase vorne. Daran kann auch die Garantie des besten Preises, das so genannte Best-Price-Prinzip, nichts ändern, das viele Handelsplätze anbieten. Es soll gewährleisten, dass der Investor beim Verkauf den höchsten und beim Kauf den niedrigsten Kurs erhält. Der Königsweg wäre es zwar, die verschiedenen Börsen und Handelsplattformen zu vernetzen und die Liquidität zusammenzuführen. Angesichts der Konkurrenzsituation erscheint dies jedoch nicht möglich.



Lachende Dritte im Ringen der verschiedenen Handelsplätze um die Privatanleger sind die Kleinen, die jetzt groß herauskommen. Die vermeintlichen Underdogs des Kapitalmarkts werden inzwischen massiv umworben und profitieren vom steigenden Wettbewerb durch sinkende Gebühren und bessere Preise bei ihren Wertpapiertransaktionen. Das gilt gerade für Deutschland. Durch das steigende Engagement in Aktien haben sich die Privatanleger zu einem tragenden Pfeiler in den Ertragsstrukturen der Handelsplätze entwickelt. Bei der Deutschen Börse ist beispielsweise rund die Hälfte der Einnahmen auf diese Klientel zurückzuführen - Tendenz steigend.



Nur so ist zu erklären, dass es bereits heute eine Vielzahl von Börsen und elektronischen Handelsplattformen gibt, die ihre Dienstleistungen speziell auf die Kleinen ausrichten. So plant etwa der Direktbroker Consors eine Privatanleger-Börse, die allerdings etwas schwer in die Gänge kommt. Ähnliches gilt beispielsweise für Jiway, die als Initiative der schwedischen OM-Gruppen und des Investmenthauses Morgan Stanley Dean Witter auf einen europaweiten Ansatz setzt und mit niedrigen Kosten lockt. Ein Stück vom Kuchen will sich jetzt auch die Frankfurter Kursmakler-Gesellschaft ICF über eine außerbörsliche Handelsplattform sichern. Die Liste der verschiedenen Aktivitäten ließe sich beliebig erweitern.



In der Tat müssen sich die Privatanleger in diesen Zeiten die Mühe machen und zwischen den einzelnen Angeboten vergleichen, um die für sie attraktivste Lösung zu finden. Das größte Einsparpotenzial ist jedoch nicht bei den Börsen, sondern bei den Banken zu finden. Über eine gemeinsame Abwicklung der Wertpapieraufträge könnten hier die Kosten erheblich gesenkt werden. Noch ist es nicht so weit. Auf Dauer führt aber kein Weg daran vorbei. Der Wettbewerb wird es richten.



Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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