Verschärfung der Lage für die zivile Luftfahrtindustrie
EADS rechnet mit zwei Krisenjahren für Airbus

Anders als sein Konkurrent Boeing hofft der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern, ohne Kündigungen auszukommen. Dafür muss Airbus jährlich aber mindestens 280 Flugzeuge bauen.

HB MÜNCHEN. Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS rechnet erst 2003 mit einem Tiefpunkt bei der Auslieferung von zivilen Flugzeugen. "Das zweite Jahr wird schwieriger als das erste Jahr der Krise", sagte EADS-Vorstandschef Rainer Hertich. Das sei auch bei der letzten Krise, Anfang der 90er Jahre, so gewesen. Keiner könne vorhersagen, wann sich die Luftfahrtindustrie nach den US-Anschlägen wieder erholt.

Im Jahr 2003 plant der Konzern nur noch die Auslieferung von 280 Flugzeugen, ebenso viele wie sein US-Konkurrent Boeing plant. Beide Konzerne teilen sich den Weltmarkt für Verkehrsflugzeuge. 2002 will EADS nur noch 300 statt geplanter 400 Flugzeuge bauen. In diesem Jahr sind es noch 320 Stück.

Hertrich begründete seine vorsichtige Planung mit der geringeren Nachfrage. Weil die Airlines viele Maschinen still gelegt hätten, bräuchten sie neue Maschinen erst später als geplant. Viele Airlines verhandelten bereits über die Verschiebung von Lieferungen. Storniert habe noch keine Airline.

Trotzdem soll der Umsatz in diesem Jahr um 20 % und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 15 % wachsen. Bis 2004 soll die operative Umsatzrendite auf 10 % wachsen.

Dafür will Hertrich im kommenden Jahr drastisch die Kosten senken. Allein Airbus soll 600 Mill. Euro einsparen - vor allem die Grundlagenforschung soll zu Gunsten der Entwicklung des Großraumflugzeugs A 380 zurück gefahren werden. Für die Entwicklung sind 2001 rund 1 Mrd. Euro eingeplant.

Als weitere Maßnahmen hat EADS den geplanten Ausbau der Kapazitäten eingefroren und einen Einstellungsstopp verhängt. In einigen Fällen solle auch Kurzarbeit angeordnet werden. Im Gegensatz zu Boeing will Hertrich aber ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. "Erst wenn wir weniger als 280 Flugzeuge ausliefern, müssen wir unsere Kapazitäten anpassen", sagte Hertrich.

Airbus hofft, mit dem dicken Auftragspolster von 1600 Besellungen glimpflicher als der US-Konkurrent Boeing durch die Krise zu kommen. Die Produktion von Airbus sei wesentlich schlanker als die von Boeing: EADS fertige 300 Maschinen mit 45 000 Beschäftigten, während Boeing für 288 Maschinen 52 000 Beschäftigte benötige.

Kompensation durch das Rüstungsgeschäft

Zu einer Halbierung des Auftragseingangs im gesamten zivilen Markt im kommenden Jahr werde es nicht kommen. Entsprechende Marktprognosen von Martin Howes, dem technischen Marketingleiters der Airbus, bestätigte Hertrich nicht: "Die Zahlen sind nicht autorisiert. Unsere Berechnungen sind noch nicht abgeschlossen", sagte er. Erst im Januar werde sich der Konzern konkret dazu äußern.

Kompensation für den Ausfall im zivilen Markt erhofft sich EADS durch das Rüstungsgeschäft. In fünf bis zehn Jahren soll der Umsatzanteil von derzeit 20 % auf bis zu 30 % steigen.

Dieses Ziel soll durch den Ausbau des Exports in Länder mit starken Rüstungsetats gelingen: Italien, Spanien, USA und Singapur. Außerdem durch die Auslieferung des Kampfhubschraubers Tiger und des Eurofighters. Zudem erhofft sich Hertrich besseren Zugang zum US-Markt durch Kooperationen mit US-Firmen. "Wir haben einige Projekte, die sich im ersten Halbjahr 2002 entscheiden könnten", erklärte Hertrich.

Die EADS-Aktie legte gestern um rund 4 % auf 14 Euro zu. In der Vorwoche hatten Analysten von Credit Suisse First Boston ihre Gewinnprognosen für EADS angesichts der schwachen Marktentwicklung bei Airbus für die beiden kommenden Jahre um jeweils rund 20 % gesenkt.

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