Verschanzte El-Kaida-Kämpfer getötet: US-Truppen erstürmen afghanisches Krankenhaus

Verschanzte El-Kaida-Kämpfer getötet
US-Truppen erstürmen afghanisches Krankenhaus

Die US-Soldaten lieferten sich gemeinsam mit afghanischen Kämpfern Gefechte mit den Radikal-Islamisten, die "bis zum letzten Augenblick" kämpften.

rtr KANDAHAR. Bei der Erstürmung eines Krankenhauses in Kandahar durch amerikanische und afghanische Truppen sind am Montag nach offiziellen Angaben sechs dort verschanzte El-Kaida-Kämpfer getötet worden. Fünf afghanische Sicherheitskräfte seien verletzt worden, einer von ihnen schwer, sagte ein Sprecher des Gouverneurs der Stadt. Der Chef der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai, traf unterdessen zu einem Besuch in den USA ein. In einer Rede in Washington rief er afghanischstämmige Amerikaner dazu auf, in ihre Heimat zurückzukehren und beim Wiederaufbau des Landes zu helfen.

"Sechs Araber sind tot. Wir hatten ihnen ein Ultimatum gestellt. Sie wollten nicht sprechen, sie wollten nicht verhandeln. Sie kämpften bis zum letzten Augenblick", sagte der Sprecher in Kandahar. "Der Einsatz ist vorbei." Ein Sprecher der US-Streitkräfte sagte, die afghanischen Sicherheitskräfte hätten den Sturm angeführt. "Unsere Rolle war strikt auf Beratung und Unterstützung beschränkt", sagte er. "Sie haben unglaubliche Arbeit geleistet. Es war ein rein afghanischer Einsatz." Die Ausbildung der Afghanen habe vor einer Woche begonnen.

Vor Tagesanbruch waren Schüsse und Explosionen aus dem Krankenhaus zu hören gewesen. US-Scharfschützen gingen vor dem Gebäude in Stellung, während afghanische Sicherheitskräfte die umliegenden Straßen absperrten und auf Simse des Gebäudes stiegen. Rauch stieg aus den Fenstern und von dem Gelände auf. Die verschanzten Kämpfer gehören zu einer Gruppe von ursprünglich 19 verletzten Männern, die vor dem Fall der ehemaligen Taliban-Hochburg am 7. Dezember eingeliefert worden waren. Zwei Mitglieder der Gruppe waren gefangen genommen worden, einer starb bei einem Fluchtversuch, die übrigen entkamen. Die verbliebenen sechs Kämpfer hatten damit gedroht, sich in die Luft zu sprengen.

Bei einer Rede am Sonntag in der Georgetown Universität in Washington sagte Karsai: "Kommt zurück in Euer Land und wir werden Euch willkommen heißen." Er bot den Afghanen mit Pässen anderer Länder die doppelte Staatsbürgerschaft an, damit sie leichter am Wiederaufbau des Landes teilnehmen könnten.

Am Montag sollte Karsai US-Präsident George W. Bush treffen. Es wurde erwartet, dass er um mehr Geld als die bislang zugesagten 300 Mill. Dollar (349 Mill. ?) bitten würde. Aus Regierungskreisen in Kabul verlautete, Karsai werde sich voraussichtlich auch für eine Fortsetzung des US-Militäreinsatzes bis zum Sieg über alle verbliebenen El-Kaida-Kämpfer einsetzen. Weitere Treffen waren mit Vize-Präsident Dick Cheney, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Außenminister Colin Powell geplant.

Karsai hatte der Zeitschrift "Newsweek" seinen Besuch als überwiegend symbolisch beschrieben. "Ich reise in die USA, um in New York Blumen an den Zwillingstürmen (des World Trade Center) zu legen und dem amerikanischen Volk zu sagen, dass wir ungeheueres Mitgefühl mit ihm haben", sagte er.

Die US-Regierung macht die El-Kaida-Gruppe des moslemischen Extremisten Osama bin Laden für die Anschläge vom 11. September verantwortlich. Die damals in Afghanistan regierenden radikal- islamischen Taliban hatten ihnen Gastrecht gewährt. Die USA hatten mit der Unterstützung von afghanischen Taliban-Gegnern und zahlreicher anderer Staaten die Taliban gestürzt. Nach Jahren des Krieges soll Karsais Übergangsregierung Afghanistan den Weg für eine stabile Demokratie ebnen. Das Schicksal Bin Ladens ist unbekannt.

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