Verschmelzung mit Kirch Media stößt bei Analysten auf Skepsis
Fusionspläne drücken Pro-Sieben-Aktie

Die geplante Fusion von Pro Sieben Sat 1 und Kirch Media hat bei den Anlegern Entsetzen ausgelöst. Analysten kritisierten die mangelnde Transparenz. Die Pro-Sieben-Aktie fiel um über 20 Prozent.

cbu/hps/lip DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Der Medienunternehmer Leo Kirch hat die Pro-Sieben-Aktionäre mit einem Überraschungscoup in Aufregung versetzt. Der Aktienkurs der Pro Sieben Sat 1 Media AG fiel gestern zeitweise um 22 %, nachdem aus Unternehmenskreisen bekannt geworden war, dass Kirch das Unternehmen mit der Kirch Media GmbH & Co KGaA verschmelzen will. In der Kirch Media hat die Kirch-Gruppe die Bereiche Lizenzhandel, Filmproduktion und Sportrechte gebündelt. An Pro Sieben Sat 1 hält Kirch zurzeit 52,5 %.

Mit der Fusion, die im zweiten Halbjahr 2002 vollzogen werden soll, würde der größte börsennotierte Medienkonzern in Deutschland mit etwa sieben Mrd. DM Umsatz entstehen. Ursprünglich hatte Kirch angekündigt, die Kirch Media separat an die Börse zu bringen. Wer den neuen Konzern führen wird, ist offen. Es soll aber in jedem Fall ein Kirch-Manager sein. Chancen werden Pro-Sieben-Chef Urs Rohner eingeräumt.

Die Kirch-Pläne stießen bei Analysten auf Ablehnung. Sie kritisierten die mangelnde Transparenz der Kirch Media mit ihrem weit verzweigten Beteiligungsnetz. Die US-Investmentbank Merrill Lynch stufte daher gestern die Aktie von Pro Sieben Sat 1 herab. Erst vor wenigen Tagen hatte das auch die Düsseldorfer WGZ-Bank getan.

"Die mangelnde Transparenz des Unternehmens stützt nicht gerade das Vertrauen der Investoren", sagte auch WGZ-Analyst Erik Heinrich. "Die Fusion der beiden Unternehmen sehen wir überwiegend problematisch", urteilte HSBC-Analyst Markus Wallner. Schwierig sei vor allem die Bewertung der Kirch Media für die Fusion. Positiv sehen die Branchenexperten, dass der neue Konzern nicht mehr so stark von der Werbekonjunktur abhängen würde wie jetzt Pro Sieben Sat 1.

Analysten rechnen damit, dass sich Leo Kirch über eine Kapitalerhöhung neue Milliarden an der Börse beschaffen könnte. "Es geht darum, Geld zu besorgen, und zwar möglichst schnell", sagte WGZ-Analyst Heinrich. In Bankenkreisen hieß es dagegen, es sei zunächst keine Kapitalerhöhung geplant.

Kirch kämpft derzeit an vielen Fronten: Pro Sieben Sat 1 leidet unter dem flauen Werbemarkt, der Verkauf der weltweiten Fußball-WM-Rechte läuft schleppend, und der Filmrechtehandel ist längst nicht mehr so lukrativ wie früher.

Mit der Fusion könnte möglicherweise auch der Axel Springer Verlag bei Pro Sieben Sat 1 aussteigen, der dort mit 11,5 % beteiligt ist. Für den Springer-Anteil soll ein Kaufpreis von 1,5 bis 1,8 Mrd. DM vereinbart sein. In Branchenkreisen verdichten sich allerdings die Hinweise, dass Kirch darüber mit Springer neu verhandeln will. Aktuell ist der Springer-Anteil an der Pro Sieben Sat 1 Media AG an der Börse nämlich kaum mehr 500 Mill. DM wert.

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