Verschmelzung soll jährliche Einsparungen von 150 Mill. DM bringen
Walter Bau-Aktionäre billigen Übernahme von Dywidag

Im Vorfeld hatten Aktionäre und DWS gegen die Übernahmebedingungen protestiert, stimmten aber mehrheitlich heute doch zu. Ignaz Walter räumte ein, die Fusion der zweitgrößten deutschen Baufirma mit Dywidag zu lange aufgeschoben zu haben

Reuters AUGSBURG. Die Aktionäre des Baukonzerns Walter Bau-AG haben den Weg zur Übernahme des Münchener Schwesterunternehmens Dyckerhoff & Widmann AG (Dywidag) endgültig frei gemacht. Aufsichtsratschef und Mehrheitsaktionär Ignaz Walter räumte auf der Hauptversammlung am Freitag ein, die Fusion der zweitgrößten deutschen Baufirma mit Dywidag zu lange aufgeschoben zu haben. Zwei Jahre lang habe er nur aus sozialen Gründen gezögert, die beiden Gesellschaften zu verschmelzen. Unternehmerisch sei es falsch gewesen, sagte der Bauunternehmer und Firmengründer in Augsburg. "Aber es ist noch nicht zu spät." Walter deutete an, die wirtschaftliche Situation von Dywidag sei tatsächlich schlechter als bekannt. Im kommenden Jahr wolle das neue Unternehmen schwarze Zahlen schreiben.

Ignaz Walter widersprach den Vorwürfen von Kleinaktionären, wonach sich Walter Bau auf Kosten von Dywidag sanieren wolle. "Operativ ist die Walter Bau keinesfalls schlechter", sagte er. Ähnliche Anschuldigungen habe es auch bei der vorherigen Fusion mit der Heilit + Woerner AG gegeben. "Genau umgekehrt war es", betonte Walter. Im Nachhinein hätten sich bei H+W größere Probleme im Schlüsselfertigbau gezeigt. Auch bei Dywidag werde man "die Wahrheit bald sehen", sagte der Aufsichtsratschef. Die Walter Bau-Aktionäre stimmten mit 99,7 Prozent dem Verschmelzungsvertrag und der notwendigen Kapitalerhöhung zu. Die Dywidag-Aktionäre hatten trotz heftiger Kritik bereits vor einer Woche mit 97,5 Prozent grünes Licht für die Verschmelzung gegeben.

Rückgang der Bauleistung um mehr als 4%

Vom nächsten Jahr an erwartet Walter Bau durch die Übernahme jährliche Einsparungen von 150 Millionen DM. Im Zuge der Fusion sollen 1600 Stellen wegfallen. Noch im April hatte Ignaz Walter die Kosteneffekte auf rund 250 Millionen DM beziffert, die Zahl aber später zurückgenommen. Für das Jahr 2000 hatte Walter Bau nach Steuern 64,7 Millionen Euro Verlust, Dywidag ein Minus von 34,4 Millionen Euro ausgewiesen. Aktionärsvertreter waren sich uneins über die Bewertung der Fusion. "Es ist schon sehr spät (...) aber besser spät als nie", sagte Sprecher Peter Friedemann von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Das Umtauschverhältnis sei zwar ungünstig für die Dywidag- Aktionäre, die Verschmelzung aber richtig. "Wir stehen vor einem Scherbenhaufen", resümierte Helmut Vollert von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Ohne Dywidag und die im vergangenen Jahr übernommene Heilit + Woerner stünde Walter Bau kurz vor dem "Offenbarungseid". Ignaz Walter und seine Familie halten derzeit 76,0 Prozent der stimmberechtigten Walter Bau-Anteile, im Streubesitz liegen 13,4 Prozent. Nach der Fusion verwässert die Beteiligung der Familie auf 63,9 Prozent, der Stuttgarter Dywidag-Großaktionär Ed. Züblin AG hält dann 13,4 Prozent.

Der Einbruch im Auslandsgeschäft um fast ein Viertel habe in den fünf Monaten bis Mai zu einem Rückgang der Bauleistung von Walter Bau um 4,3 Prozent auf 894 Millionen Euro geführt, sagte der scheidende Vorstandschef Ralf Porzig. Er sagte, positivere Prognosen für die deutsche Bauwirtschaft seien in sich zusammen gebrochen. Daher ließen sich die mit der Verschmelzung erhofften operativen Ertragsverbesserungen nicht voll realisieren. Walter, der auch dem Dywidag-Aufsichtsrat vorsitzt, hatte zuletzt von einem "leichten Fehlbetrag" bei Walter Bau gesprochen. Ohne Dywidag rechne der Augsburger Konzern für das laufende Jahr mit 2,5 Milliarden Euro Bauleistung, sagte Porzig. Ende Mai lagen seinen Angaben zufolge Aufträge über 2,09 Milliarden Euro vor, sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Einbußen im Ausland ließen sich aber im weiteren Jahresverlauf zum Teil wett machen, sagte Porzig. Zunächst wolle sich der Baukonzern aber im Ausland deutlich weniger engagieren.

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