Verschmelzung von HEW und Veag auf neue Holding
Stromriese Vattenfall Europe legt den Schalter um

In diesen Tagen fällt der Startschuss für die neue Kraft im deutschen Strommarkt: Die Fusion von Hamburgischer Electricitäts AG, -Werke Bewag, Veag und Laubag bekommt ein gesellschaftsrechtliches Dach. Aggressive Expansion müssen die Platzhirsche Eon und RWE aber nicht fürchten. Zunächst wird die Integration im Blickpunkt stehen.

DÜSSELDORF. Mehrere Monate dauerte die Vorbereitung, jetzt steht die neue Struktur: Mit der Vattenfall Europe AG geht in diesen Tagen Deutschlands drittgrößter Stromanbieter offiziell an den Start. Heute wird die Hauptversammlung der Hamburgischen Electricitäts AG-Werke (HEW) der Verschmelzung zustimmen, morgen ist der ostdeutsche Braunkohleverstromer Veag an der Reihe. Anschließend wird das Unternehmen ins Handelsregister eingetragen. Der Braunkohleförderer Laubag ist bereits als Tochter eingegliedert. Der Berliner Versorger Bewag folgt aus rechtlichen Gründen erst Anfang kommenden Jahres.

Damit endet die seit Jahren andauernde Neuordung der deutschen Energiebranche, die mit den Fusionen von Veba und Viag und RWE und VEW angestoßen worden war. Das Kartellamt hatte von den Branchenriesen verlangt, sich von den Beteiligungen an Veag, Laubag und Bewag zu trennen, um Raum für eine neue Kraft am Energiemarkt schaffen.

Mit einem jährlichen Stromabsatz von rund 81 Mrd. Kilowattstunden (KWh) reiht sich Vattenfall Europe zwar deutlich hinter RWE und Eon ein, aber noch vor der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW). Für 2002 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von rund 7,2 Mrd. Euro.

Für den Endkunden wird sich auf den ersten Blick wenig ändern. "Die beiden Marken HEW und Bewag bleiben erhalten", erklärte ein Vattenfall-Sprecher. Mit der HEW und Bewag verfügt das neue Unternehmen über zwei große Versorger für die Ballungsräume Hamburg und Berlin. Beim ostdeutschen Braunkohleverstromer Veag, der Regionalversorger bedient, werde dagegen die Marke "Vattenfall" genutzt.

Auch wenn HEW und Bewag nach außen hin selbstständig blieben, gegliedert werde der neue Konzern "entlang der Wertschöpfungskette", erläuterte der Sprecher. Von der Rohstoff-Förderung im Laubag-Tagebau, über die Stromerzeugung in den Kraftwerken von Veag, HEW und Bewag, den Stromhandel, die Übertragungsnetze, den Vetrieb und das Verteilernetz bekomme jede Einheit ein gemeinsames Management. Die Holding wird der 53-jährige ehemalige Leiter der bayerischen Staatskanzlei Klaus Rauscher führen.

Der schwedische Vattenfall-Konzern ist durch die jüngsten Zukäufe zur Nummer fünf unter den europäischen Stromkonzernen aufgestiegen. 60 % seines Umsatzes wird er 2002 in Deutschland erwirtschaften. Die massive Expansion ließ aber die Verschuldung kräftig steigen. Nicht ohne Konsequenzen für die deutsche Tochter: Zum Schuldenabbau soll die Mitarbeiterzahl von 18 000 reduziert werden.

Vattenfall hat nach jüngsten Äußerungen von Konzernchef Rauscher bereits Expansionspläne. Im Stromgeschäft will er über Partnerschaften mit Stadtwerken die Zahl der Kunden ausbauen. Bislang erreicht Vattenfall über HEW und Bewag drei Millionen Tarifkunden. Auch für den Gasmarkt, in dem Vattenfall Europe bislang kaum eine Rolle spielt, hat Rauscher Zukäufe signalisiert. Im Blick hat er die Beteiligungen, die Eon bei einer Ruhrgas-Übernahme abstoßen muss.

Für eine allzu aggressive Expansion dürfte dem Unternehmen nach Einschätzung von Analysten jedoch die Finanzkraft fehlen. Der Mutterkonzern werde wegen der hohen Verschuldung zunächst Wert auf den Ertrag legen, weniger auf Expansion, mutmaßt Rainer Münch von der DZ Bank. Vattenfall Europe müsse sich zunächst auf die Integration konzentrieren und werde versuchen, die Marktposition in den Stammgebieten auszubauen. "Vattenfall Europe ist natürlich ein wichtiger Player", sagte Münch: "Einen Preiskampf wird das Unternehmen aber sicher nicht vom Zaun brechen."

Auch Matthias Heck von Sal. Oppenheim erwartet keinen zusätzlichen Wettbewerbsdruck. "Vattenfall Europe wird kein aggressiver Wettbewerber sein", sagte der Analyst. Das Unternehmen werde sich zunächst auf Integration und Kostensenkung konzentrieren. "Die Integration ist eine Riesen-Herausforderung und wird den Konzern eine ganze Zeit beschäftigen."

Bewag und HEW bezeichnet Heck aber als "sehr gesunde Unternehmen" mit guten Kundenbeziehungen. Die Veag verfügt nach seiner Einschätzung über einen der modernsten Kraftwerkparks in Deutschland. Der neue Konzern sei aber eine "gewöhnungsbedürftige Mischung", die man sich am "Reißbrett so bestimmt nicht ausgedacht hätte", sagt Rainer Münch.

Quelle: Handelsblatt

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