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Verschnaufpause an der Wall Street

Gegen Mittag hatten es die US-Märkte fast geschafft. Nach einer beeindruckenden 80-Punkte-Rally lag für den Dow Jones die Gewinnerseite in Reichweite – doch dann ging’s wieder bergab. Letztlich schloss das Standard-Barometer mit einem Minus von 78 Punkten oder 0,8 Prozent auf 9898 Punkten.

wsc NEW YORK. Gegen Mittag hatten es die US-Märkte fast geschafft. Nach einer beeindruckenden 80-Punkte-Rally lag für den Dow Jones die Gewinnerseite in Reichweite - doch dann ging?s wieder bergab. Letztlich schloss das Standard-Barometer mit einem Minus von 78 Punkten oder 0,8 Prozent auf 9898 Punkten. Das ist nach der Rally der letzten Tage kein dramatischer Verlust, etwas härter traf es die Nasdaq. Das Tech-Barometer gab 54 Punkte oder 2,8 Prozent nach und ging bei einem Stand von 1880 Punkten aus dem Handel.

War es die Angst vor der "magischen" 10 000-Punkte-Grenze, die die Händler zum Rückzug trieb? - Erst am Morgen hatte Abby Cohen, Investment-Strategin von Goldman Sachs, genau dieser Angst entgegengewirkt. Cohen sieht die jüngsten Kursgewinne am amerikanischen Aktienmarkt gut begründet und gibt den Märkten noch weiteres Potential nach oben. Den Dow Jones Index sieht sie in einer Spanne von 11 300 bis 12 400 Punkten, den S&P 500 Index zwischen 1300 und 1425 Punkten. Nichtsdestotrotz: Den Händlern ging das wohl zu schnell, der Markt nahm eine Verschnaufpause.

Auffallend im Handel dieser Woche: Die zyklischen Aktien, die Papiere der Rohstoff-Förderer und Maschinenbauer, notieren deutlich schwächer als die Konsumwerte. Der Traktor-Fabrikant Deere verzeichnet mit einem Minus von sieben Prozent einen ungewöhnlich starken Einbruch. Der Index der zyklischen Werte gab mehr als ein Prozent nach, während die Konsumsparte gut behauptet aus dem Handel ging.

Auch sonst ein ungewohntes Bild an der Börse. Genau die Sektoren, die seit Tagen zu den größten Verlierern gehörten, legten am Dienstag zu. Allen voran der Ölsektor. Mit dem fallenden Ölpreis und der Weigerung Russlands, sich den Opec-Staaten im Sinne einer Preisstabilisierung anzuschließen, stürzten die Kurse der Förderunternehmen und Plattformbauer in den vergangenen Tagen. Nach wie vor ist keine Einigung in Sicht, doch zumindest Norwegen und Mexiko wollen auf Opec-Kurs fahren. Diese Nachricht pushte den Markt: Der Öl-Sektor legte fünf Prozent zu.

Auch in der Reisebranche gab es Gewinner: Die Kreuzfahrt-Unternehmen Royal Carribbean und P&O Princess Cruises haben ihre Fusion angekündigt. Gemeinsam wären sie der größte Anbieter der Branche. Die Aktien von Royal Carribbean legten acht Prozent zu, P&O Princess Cruises gewann 16 Prozent. Papiere des größten Konkurrenten, Carnival Cruises, standen dagegen unter Druck, die Aktie verliert 1,5 Prozent.

Ein Plus verzeichnete auch der Energiesektor, trotz eines erneuten Einbruchs bei Enron. Mehr als ein Viertel ihres Wertes verlor die Aktie, nachdem das Unternehmen zum zweiten Mal in diesem Monat die Prognosen nach unten korrigiert hat. Wegen der Haftung für eine Tochtergesellschaft könnte das Ergebnis im vierten Quartal um zusätzliche 700 Millionen Dollar belastet werden, die rettende Übernahme durch Dynegy ist damit gefährdet.

Komplett im Minus schloss der Chipsektor. Investoren warteten auf die Bekanntgabe der "Book-to-Bill"-Ratio, des Verhältnisses von Auftragseingang und Auslieferung. Analysten der UBS Warburg rechneten damit, dass für jede Auslieferung über 100 Dollar ein neuer Auftrag über 65 bis 70 Dollar eingeht. Dies würde eine Verbesserung der Lage zeigen, doch ist die Zahl irreführend, da Auslieferungen schneller sinken als Aufträge eingehen. Chiphersteller verlieren im Branchenmittel fünf Prozent, Branchenprimus Intel gibt mehr als drei Prozent nach.

Als einziger Blue Chip notierte Microsoft lange auf grünem Terrain. Der Software-Gigant hat sich nun auch mit den Staaten geeinigt, die den Kartellrechtsstreit vor Gericht weiter führen wollten. Microsoft will sich aus der Klage "freikaufen" - und soziales Engagement zeigen: Der Konzern wird 1,1 Milliarden Dollar zahlen, um 14 000 Schulen in unterpriviligierten Regionen mit Computern und Software auszustatten. Am Nachmittag nutzte der Aktie auch das nicht: Microsoft verlor fast zwei Prozent.

Auch die beiden Hersteller von elektronischen Notizbüchern, Handspring und Palm, fallen. Gerüchte über einen Merger hatten die Papiere beider Unternehmen in zwei Tagen um jeweils mehr als 40 Prozent klettern lassen. Gewinnmitnahmen waren am Dienstag keine Überraschung. Palm und Handspring und Palm verloren vier beziehungsweise acht Prozent.

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