Verschuldung der Privathaushalte nimmt zu
Inkasso-Verband rechnet 2003 mit Rekord-Pleitewelle

Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) rechnet im kommenden Jahr mit einer Pleitewelle in noch nie dagewesener Höhe. "Bei Firmenpleiten ist zu erwarten, dass sich die Zahl noch deutlich erhöht", sagte BDIU-Chef Dieter Plambeck mit Blick auf 2003 am Donnerstag in Berlin.

Reuters BERLIN. In diesem Jahr erwartet der Verband mit 41 500 Pleiten einen vorläufigen Höchststand. Im Vorjahr mussten 32 000 Betriebe Insolvenz anmelden. Den volkswirtschaftlichen Gesamtschaden bezifferte Plambeck auf 50 Mrd. Euro. Auch die Verschuldung der Privathaushalte nimmt laut BDIU zu. Der Verband fordert eine breite gesellschaftliche Kampagne zur Verbesserung der Zahlungsmoral.

"So schlimm war es noch nie", stellte Plambeck fest. 650 000 Arbeitsplätze würden in diesem Jahr direkt oder indirekt durch Insolvenzen verloren gehen. Vor allem kleine und mittlere Betriebe müssten aufgeben. Besonders betroffene Branchen seien das Handwerk und der Bau. Mehr als zwei Drittel der Inkassofirmen gaben in einer Umfrage des Verbands an, dass sich die Zahlungsmoral in den letzten Monaten verschlechtert hat. Dies sei einer der Hauptursachen für die finanzielle Schieflage vieler Betriebe. Zwischen Ost und West gibt es in diesem Punkt kaum mehr Unterschiede. "Bei der Zahlungsmoral sind wir längst ein Volk", erläuterte Plambeck.

Als wichtigste Gründe, Rechnungen nicht zu begleichen, sieht der BDIU die schlechte Auftragslage vieler Firmen. Die schwache Eigenkapitaldecke der Unternehmen sowie die bewusste Verschleppung von Zahlungen würden ebenfalls häufig als Ursache genannt.

Auch die Lage der Privathaushalte verschärft sich type="person" value="? Plambeck, Dieter">Plambeck zufolge weiter. Über zwei Mill. Haushalt könnten als überschuldet angesehen werden, schätzt der Experte. Der Durchschnittshaushalt stehe derzeit mit 40 000 Euro in der Kreide. "Viele Schuldner sind gerade einmal volljährig, konsumieren aber wie nach zwanzigjährigem Berufsleben", kritisiert der BDIU-Chef. Die Zahl der Insolvenzen von Verbrauchern und ehemaligen Selbstständigen werde sich 2002 auf 30 000 verdoppeln. 800 000 Offenbarungseide, 6,1 % mehr als im Vorjahr, würden von den Gerichten registriert.

Der Verband fordert die Einsetzung eines "runden Tisches", um der sinkenden Zahlungsmoral zu begegnen. Vorschläge dazu haben die Inkasso-Firmen erarbeitet. So müssten unter anderem die Verzugszinsen angehoben und das Thema Schulden und Geld in die Lehrpläne der Schulen integriert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%