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Verschwundener Irak-Sprengstoff jetzt vor UN-Sicherheitsrat

New York (dpa)- Der spektakuläre Fall des im Irak tonnenweise verschwundenen Sprengstoffs liegt jetzt dem Weltsicherheitsrat in New York vor. Derweil spielt Washington die Entdeckung eine Woche vor der Präsidentenwahl herunter.

New York (dpa)- Der spektakuläre Fall des im Irak tonnenweise verschwundenen Sprengstoffs liegt jetzt dem Weltsicherheitsrat in New York vor. Derweil spielt Washington die Entdeckung eine Woche vor der Präsidentenwahl herunter.

Der Direktor der Internationalen Atomenergie-Organisation (Iaeo) in Wien, Mohammed el Baradei, hatte das Gremium am Montagabend schriftlich informiert, dass er am 10. Oktober von Bagdad über den Verlust in Kenntnis gesetzt worden war. Wann sich der Rat als oberstes Organ für Sicherheit und Frieden in aller Welt mit dem Thema befasst, war am Dienstag noch nicht bekannt.

In dem beigefügten Schreiben des irakischen Ministers für Forschung und Technologie, Mohammed Abbas, heißt es, die zum Teil noch mit UN-Siegel verwahrten 350 Tonnen Sprengstoff, die nach Angaben der irakischen Regierung vom Militärstützpunkt Al-Kakaa verschwunden sind, seien "nach dem 9. April" verschwunden, dem Tag, an dem die Koalitionstruppen unter US-Kommando Bagdad erobert hatten. Abbas macht die USA indirekt wegen ihrer "mangelnder Aufsicht" für den Verlust verantwortlich.

"Mehr als 243 000 Tonnen Munition wurden (seit dem Einmarsch) zerstört, weitere 163 000 Tonnen sind gesichert - damit wird das alles in den richtigen Zusammenhang gestellt", sagte US-Regierungssprecher Scott Mcclellan am Montagabend.

Die "New York Times" kommentierte am Dienstag, dass "die Rebellen oder wer sonst noch Zugang zu dem entwendeten Material hat, jetzt über ausreichend Sprengstoff für zehntausende Bomben verfügen". Die US-Regierung habe schon wenigstens sechs Monate von dem Verlust gewusst und die Atomenergiebehörde deshalb gehindert, die Anlage in Al-Kakaa zu besichtigen.

Die US-Streitkräfte hätten nach dem Einmarsch in Bagdad zahlreiche Prioritäten gehabt, verteidigte sich Mcclellan. Er nannte die Sicherung der Ölfelder, der Ministerien und den Beginn des Wiederaufbaus. Erst auf hartnäckige Rückfragen räumte er schließlich ein, dass das Material vermutlich verschwand, als die USA noch für die Fundstellen verantwortlich waren. Der Sprengstoff kann unter anderem dazu benutzt werden, Atombomben zur Explosion zu bringen.

UN-Sprecher Fred Eckhard erinnerte daran, dass El Baradei mehrfach Sorge über den Verbleib der Waffen und Waffenmaterialien aus dem Irak geäußert hatte. Erst vor einem Monat warnte er den Sicherheitsrat, dass Satellitenfotos den "weiträumigen und systematischen Abbau" jener Anlage zeigten, in denen der Irak einst Atomwaffen zu produzieren versucht hatte.

Vor dem Einmarsch der Koalitionstruppen im Irak hatten Waffeninspekteure der Vereinten Nationen diese Gebäude bewacht. Auch in dieser Zeit verschwand Sprengstoff, allerdings nur ein Bruchteil der jetzt vermissten Menge. Der Irak begründete das fehlende Material damals mit der Verwendung in seiner Zementindustrie.

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