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Versicherer als Pannenhelfer - Dienstleistungsangebote umstritten

Fast jeder kennt die kleinen, alltäglichen Missgeschicke, die oft viel Zeit und manchmal auch viel Geld kosten: Die Tür fällt ins Schloss und der Schlüssel liegt in der Wohnung oder die Toilettenspülung streikt plötzlich. Versicherer wie der deutsche Branchenführer Allianz sehen darin neue Marktchancen und bieten Produkte an, die den Kunden neben dem reinen Versicherungsschutz vor allem Dienstleistung bieten sollen. So genannte Assistence-Leistungen liegen im Trend, hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) festgestellt. "Die Versicherer wollen nicht mehr nur als Zahlmeister dastehen, sondern ein inniges Verhältnis mit den Kunden aufbauen", sagt GDV-Sprecher Klaus Brandenstein.

dpa-afx MÜNCHEN. Fast jeder kennt die kleinen, alltäglichen Missgeschicke, die oft viel Zeit und manchmal auch viel Geld kosten: Die Tür fällt ins Schloss und der Schlüssel liegt in der Wohnung oder die Toilettenspülung streikt plötzlich. Versicherer wie der deutsche Branchenführer Allianz sehen darin neue Marktchancen und bieten Produkte an, die den Kunden neben dem reinen Versicherungsschutz vor allem Dienstleistung bieten sollen. So genannte Assistence-Leistungen liegen im Trend, hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) festgestellt. "Die Versicherer wollen nicht mehr nur als Zahlmeister dastehen, sondern ein inniges Verhältnis mit den Kunden aufbauen", sagt GDV-Sprecher Klaus Brandenstein.

Die Allianz hat seit der Einführung ihres Haus- und Wohnungsschutzbriefes im April dieses Jahres rund 33 000 Kunden gewonnen. "Die Planzahlen sind damit deutlich übertroffen worden", sagt eine Unternehmenssprecherin. In rund 700 Fällen sprangen eigens beauftragte Pannenhelfer ein. Am häufigsten gefragt war der Schlüsseldienst, aber auch Klempner, Heizungsmonteure oder Kammerjäger verständigt der Versicherer laut Police bei Bedarf und kümmert sich um die Unterbringung von Kindern oder Haustieren. "Zielgruppe sind momentan vorwiegend Bestandskunden, die eine Hausratversicherung haben", sagt die Sprecherin. Der Schutzbrief könne aber auch als "Einstiegsprodukt" fungieren, um neue Kunden zu gewinnen.

BDV: Kaum Schutz VOR Wirklichen Schadensfällen

Der Bund der Versicherten (BDV) sieht darin einen der Hauptzwecke des Geschäftsmodells: "Das ist für die Allianz ein Türöffner, um andere Produkte zu verkaufen", sagt Thorsten Rudnick vom BDV. Wegen einer geringen Deckungssumme im Schadenfall und zahlreichen Ausschlüssen steht für die Verbraucherschützer fest: "Dieser Versicherungsvertrag ist so überflüssig wie ein Kropf." So könne der Verbraucher Folgeschäden, die beim Öffnen einer Tür durch den Schlüsseldienst entstehen, nicht beim Versicherer geltend machen, sagt Rudnick. Die Begrenzung auf eine Schadensumme von höchstens 300 ? je Fall und 1 000 ? Gesamtleistung pro Jahr bringe dem Kunden zudem kaum Schutz vor wirklichen finanziellen Belastungen. Gegen weitaus größere Risiken seien viele deutsche Verbraucher dagegen nur ungenügend abgesichert, warnt der Experte.

Wettbewerber wollen zunächst einmal abwarten, wie sich das neue Produkt der Allianz entwickelt und dann über einen eigenen Einstieg in dieses Segment entscheiden. "Wenn wir sehen, dass sich das lohnt, werden wir sicher nicht an diesem Markt vorbeigehen", sagte der für das Privatkundengeschäft in der Schaden- und Unfallversicherung zuständige Victoria-Vorstand Frank Sievers.In letzter Zeit habe man aber festgestellt, dass viele Kunden Zusatzleistungen wie Autoschutzbriefe nur verhalten nachfragten oder beim Abschluss einer Autoversicherung ganz abwählten. "Das scheint so ein bisschen eine Aldi-Mentalität zu sein", vermutet Sievers.

Ältere Menschen ALS Zielgruppe

Dennoch arbeitet auch die Victoria, die zu Deutschlands zweitgrößter Versicherungsgruppe Ergo gehört, an der Entwicklung neuer Versicherungsprodukte mit dem Schwerpunkt Dienstleistung. Interessante Zielgruppe sei beispielsweise die wachsende Zahl älterer Menschen. "Für den Seniorenmarkt werden wir künftig sicher neue Produkte basteln", sagt Sievers. Auch andere Unternehmen haben diesen Markt bereits für sich entdeckt. So bietet die Nürnberger Versicherungsgruppe Menschen zwischen 50 und 88 Jahren im Rahmen einer Unfall-Versicherung einen speziellen Schutzbrief in Zusammenarbeit mit dem Malteser Hilfsdienst. Er umfasst beispielsweise einen Menü-Service, Unterstützung bei Behördengängen sowie Besorgungen und Einkäufen. Ähnliche Produkte gibt es auch bei Allianz und dem Volkswohl Bund./cs/DP/zb

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