Versicherer hat kein strategisches Interesse an der Commerzbank
Münchener Rück erhöht die Preise

Die Münchener Rück, weltweit größter Rückversicherer, erwartet nach dem Katastrophenjahr 2001 wieder steigende Gewinne. Bei den Kunden konnten zuletzt deutlich höhere Preise durchgesetzt werden.

cbu MÜNCHEN. Die Münchener Rück will ihre Beteiligung an der Commerzbank in absehbarer Zeit nicht aufstocken. "Die Commerzbank-Beteiligung ist für uns keine strategische Beteiligung", sagte Konzernchef Hans-Jürgen Schinzler gestern in München. Die Münchener Rück sei zwar ein "interessierter Beobachter", werde die Dinge aber nicht gestalten, betonte Schinzler, der sich damit erstmals öffentlich zur Commerzbank-Beteiligung äußerte. Die viertgrößte Bank in Deutschland gilt bei Experten als zu klein, um mittelfristig alleine überleben zu können.

Die Münchener Rück hatte Mitte Januar mit der Mitteilung für Aufsehen gesorgt, sie halte 10,4 % an der Commerzbank. Damit ist der Versicherungskonzern jetzt einer der größten Aktionäre der angeschlagenen Bank. Sofort kamen Spekulationen auf, die Commerzbank solle unter das Dach der Hypo-Vereinsbank (HVB). An der HVB ist die Rück mit 25,7 % beteiligt, beide Konzerne arbeiten an einer Allfinanzpartnerschaft. "Das müssen die beiden allein entscheiden. Aber ich könnte mir vorstellen, dass beide derzeit etwas Wichtigeres zu tun haben," sagte Schinzler zu den Spekulationen.

HVB-Chef Albrecht Schmidt hatte eine Übernahme des Frankfurter Konkurrenten bereits abgelehnt. Die Münchner Großbank musste zuletzt einen Gewinneinbruch verkraften und hat mit einem deutlichen Verfall der eigenen Aktie zu kämpfen. Schinzler stärkte Schmidt aber demonstrativ den Rücken. Die Strategie der HVB sei nach wie vor richtig, sagte der Rück-Chef. Schinzler betonte jedoch, er erwarte mittelfristig einen besseren Kurs. Eine Übernahme der Mehrheit an der HVB - darüber wird immer wieder spekuliert - komme nicht in Frage.

Rückversicherungsgeschäft stimmt freundlich

Optimistisch zeigte sich Schinzler mit Blick auf die Entwicklung im Rückversicherungsgeschäft. In den jüngsten Verhandlungen mit den Erstversicherern seien deutlich höhere Preise durchgesetzt worden, im Schnitt um etwa 17 %. "Die Erneuerungsrunde ist gut gelaufen. Das war auch bitter nötig", sagte Schinzler. Zuletzt haben die großen Versicherer im Geschäft mit Industriekunden, insbesondere in der Feuerversicherung und bei Betriebsunterbrechungen, hohe Verluste gemacht. Dazu kam der Anschlag auf das World Trade Center, den größten Schaden in der Versicherungsgeschichte.

Die Münchener Rück hat die Situation genutzt, um das Geschäft neu aufzustellen. Etwa ein Fünftel des unrentablen Geschäfts sei aufgeben worden, teilte Rück-Vorstand Michael Heyd mit. Dies sei aber durch das Preiswachstum im restlichen Geschäft überkompensiert worden. "Die Sanierung unseres Geschäft ist noch nicht beendet", fügte Heyd aber an. Auch in den Verhandlungen für das Jahr 2003 müssten weitere Preiserhöhungen durchgesetzt werden. Zudem werde das gesamte Geschäft genau unter die Lupe genommen. Die kombinierte Kosten-Schaden-Quote soll im laufenden Jahr auf gut 100 % gedrückt werden, hieß es.

"Es ist sicherlich schlimmer gekommen, als wir gedacht haben", sagte Schinzler. So musste die Rück angesichts des Terroranschlags sowie weiterer Katastrophen einen Gewinnrückgang in 2001 hinnehmen. Die vorläufigen Zahlen werden am 22. März vorgestellt, das Ergebnis wird voraussichtlich positiv bleiben. Damit hat der Konzern besser abgeschnitten als die Konkurrenz. Swiss Re, härtester Konkurrent der Münchener, meldete für 2001 den ersten Verlust seit 100 Jahren.

In diesem Jahr will die Münchener Rück trotz der negativen Entwicklung an den Kapitalmärkten wieder an das Rekordjahr 2000 anknüpfen, sagte Schinzler. Damals wurde ein Jahresüberschuss von 1,75 Mrd. Euro ausgewiesen. Dazu kommt in 2002 noch ein Sonderertrag von 700 bis 800 Mill. Euro aus der Bereinigung der Beteiligungen mit dem Allianz-Konzern.

Zur Erstversicherungstochter Ergo, in Deutschland hinter der Allianz die Nummer Zwei, sagte Schinzler, hier seien weiter Zukäufe im europäischen Ausland geplant. Es seien schon eine ganze Reihe von Möglichkeiten geprüft worden. "Wir halten weiter die Augen auf", sagte Schinzler. Erst jüngst hatte die Rück auch ihren Anteil an der Nürnberger Versicherung auf knapp 20 % aufgestockt. Eine Verschmelzung der Nürnberger mit der Ergo stehe aber nicht an. "Die Nürnberger geht ihren eigenen Weg", so Schinzler.



Die Aktie der Münchener Rück lag am Mittwoch zeitweise im Plus. Ein Großteil der Analysten empfiehlt das Papier.

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