Versicherer hat Transaktion mit den Reserven der Frankfurter Bank bezahlt
Allianz übernahm Dresdner zum Nulltarif

Die Diskussion um die Allianz und den Kauf der Dresdner Bank reißt nicht ab. Die Bank belastet die Gewinnrechnung des Versicherers, die Allianz-Aktie ging erneut nach unten. Doch neue Berechnungen sollen zeigen, dass die Allianz die Dresdner Bank praktisch zum Nulltarif übernommen hat.

MÜNCHEN. Nach Handelsblatt-Informationen hat die Allianz das operative Geschäft der Dresdner Bank de facto zum Nulltarif übernommen. Die gesamte Übernahme der Frankfurter Großbank im vergangenen Jahr hatte zwar, wie bekannt, ein Volumen von knapp 25 Mrd. Euro. Bezahlt hat die Allianz aber in erster Linie über einen Beteiligungstausch mit der Münchener Rück sowie die Abgabe von Beteiligungen über die Auflage von Wandelanleihen. Damit hat der Konzern stille Reserven in Milliardenhöhe gehoben.

Nach Berechnungen, die auch Analysten vorliegen, beträgt der Preis für die gesamte Dresdner Bank nach Abzug dieser Umschichtungen, die für die Allianz kostenneutral waren, etwa 5,9 Mrd. Euro. Die Banksparte Dresdner Asset Management mit einem verwalteten Vermögen von rund 100 Mrd. Euro, zu dem auch der DIT gehört, wurde dem Allianz-Bereich Vermögensverwaltung zugeschlagen. Der Wert für diesen Bereich wird mit etwa 3 Mrd. Euro angesetzt. Die Immobilienbank-Tochter Deutsche Hyp mit einem Wert von etwa 1,6 Mrd. Euro ging in der Eurohypo auf, die gemeinsame Hypobanken-Tochter der drei großen Frankfurter Banken. Zudem erhielt die Allianz das umfangreiche und milliardenschwere Beteiligungsportfolio der Dresdner Bank. Alleine die Dresdner-Beteiligung an BMW ist etwa 1,3 Mrd. Euro wert. Dazu kommen weitere Unternehmensbeteiligungen. Das Portfolio ist bereits in Allianz-Händen.

Unter dem Strich hat die Allianz damit den Berechnungen zufolge für das operative Bankgeschäft der Dresdner sowie den Bereich Firmenkunden & Märkte, zu dem auch die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) gehört, de facto nichts bezahlt. Zusammen genommen ist Dresdner Asset Management, Deutsche Hypo und das Beteiligungsportfolio schon mehr wert als der Preis von 5,9 Mrd. Euro. Die Transaktion wurde damit in erster Linie durch die stillen Reserven der Bank selbst finanziert.

Die Übernahme der Dresdner Bank wurde vor fast genau einem Jahr abgeschlossen. Seitdem hat die Transaktion Konzernchef Henning Schulte-Noelle große Sorgen bereitet. Die neue Tochter aus Frankfurt belastet die Gewinnrechnung des Versicherers mit hohen Verlusten. Die Allianz-Aktie hat seit der Übernahme fast die Hälfte an Wert eingebüßt. Erst gestern ging das Papier erneut um bis zu fünf Prozent nach unten, nachdem an den Vortagen eine leichte Erholung eingesetzt hatte.

Die Allianz mahnt jetzt bei der Dresdner Bank neue Sparanstrengungen an. Vorstandsvorsitzender Schulte-Noelle und Dresdner-Chef Bernd Fahrholz hatte bereits in der vergangenen Woche weitere Schritte zur Kostensenkung angedeutet. Dieses dürfte angesichts des weiteren tiefen Falls an den Börsen stärker als erwartet ausfallen. Am 14. August will die Allianz Halbjahresergebnisse präsentieren. Die Dresdner Bank dürfte tief ins Minus rutschen. Dabei hat die Bank auch nicht mehr die Möglichkeit, Verluste mit Beteiligungsverkäufen zu kompensieren, wie das im zweiten Quartal die Hypo-Vereinsbank (HVB) und wahrscheinlich die Deutsche Bank tut.

Ob die Übernahme der Dresdner in der Weise heute noch möglich wäre, ist angesichts der schlechten Kapitalmarktsituation zweifelhaft. Insgesamt beträgt der momentane Wertverlust der eingesetzten Allianz-Beteiligungen rund neun Mrd. Euro. So wurden in der Transaktion die Münchener-Rück-Aktien zu 170 % des aktuellen Kurswertes platziert, die HVB-Aktien zu 280 % und die Allianz-Papiere aus dem Besitz der Dresdner Bank zu 200 %.

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