Versicherer kritisieren die „pi“-Noten
Streit um S&P-Ratings entbrannt

In der Debatte um die Sicherheit von Lebensversicherungs-Unternehmen ist ein Streit um die Qualität von Ratings entbrannt. Die Vorstands-Vorsitzenden der Gesellschaften Hannoversche Leben und Neue Leben kritisierten gegenüber dem Handelsblatt die Verfahrensweise der Rating-Agentur Standard & Poor?s (S&P) bei deren so genannten "pi"-Ratings.

HB DÜSSELDORF. Diese Bewertungen beruhen ausschließlich auf öffentlichen Daten wie Geschäftsberichten. "Diese Ratings basieren auf Datenmaterial aus dem vergangenen Jahr und geben dem Kunden wenig Orientierungshilfe", sagte Eckart von Uckermann, Vorstandsvorsitzender der Hannoverschen Leben. Paul Waterhouse, S&P-Direktor in London, hält die Kritik für ungerechtfertigt.

Es gibt verschiedene Anbieter von Ratings von Lebensversicherern. S&P bietet zwei Varianten: Bei den umfassenden - so genannten interaktiven - Ratings besuchen die Analysten das Unternehmen und machen sich ein Bild von der Finanzkraft des Unternehmens, wobei interne Daten in die Bewertung einfließen. Die "pi"-Ratings beruhen dagegen nur auf öffentlich zugänglichen Daten. Weitere Ratinganbieter sind zum Beispiel Assekurata, Moody?s, Morgen&Morgen und der map-Report.

Bei den "pi"-Ratings von S&P werden die Neue Leben nur mit "BBpi", die Hannoversche nur mit "Bpi" geratet, was laut Definition eine "marginal bis schwache Finanzkraft" bedeutet. Erst vor kurzem hatte S&P die Hannoversche auf "Bpi" herunter gestuft. Auf Grund ihrer Strategie der zeitnahen Realisierung von stillen Reserven habe die Gesellschaft frühzeitig ihre Gewinnbeteiligung senken und damit eine deutliche Schwächung ihrer Marktposition hinnehmen müssen. Die Ratingagentur bemängelt die geringe Kapitalausstattung des Versicherers und die aufgezehrten Reserven.

Dem hält der Vorstandschef des Unternehmens entgegen: "Die Überschussbeteiligung durch Reserven stabil zu halten, funktioniert nur begrenzte Zeit. Auch ohne Reserven können wir in diesem Jahr die in Aussicht gestellte Überschussbeteiligung von fünf Prozent erfüllen und müssen nicht erneut absenken." Selbst ein weiterer Rückgang der Aktienmärkte könne daran nichts mehr ändern, da die Aktienquote nur noch bei rund vier Prozent liege. "Aus Sicht des Kunden ist die Performance wichtig und da liegen wir mit 2,6 Prozent nach Berücksichtung aller stiller Lasten über dem Marktschnitt", führte von Uckermann aus.

Paul Waterhouse erläutert den Ratingansatz seines Hauses: "Die Performance spielt bei unserer Systematik vor allem bei den höheren Stufen wie ?Api? oder ?AApi? eine stärkere Rolle. Bei den Ratings wie ?BBpi? achten wir primär auf die Kapitalausstattung." Überdies sei nicht die gute Performance in einem Jahr entscheidend, sondern die Nachhaltigkeit des Anlageerfolges.Deshalb lege S&P seinen Pi-Ratings immer einen mehrjährigen Zeitraum zugrunde, erklärt Waterhouse.

Peter Hanus, Vorstandschef der Neuen Leben, hält ebenfalls nichts von den S&P Ratings, die nur auf öffentlich zugänglichen Daten beruhen. "Es ist vollkommen unverständlich, warum S&P in diesem Jahr noch Ratings aufrecht erhält, die auf Zahlen des Jahres 2000 beruhen", kritisiert Hanus. Es hätten sich in der Zwischenzeit bei allen Lebensversicherern durch die Kapitalmarktentwicklung "grundlegende Verschiebungen" ergeben, die eine Anpassung notwendig machen. "Jede Orientierung an den 2000er Zahlen muss hier irreführend sein."

Waterhouse räumte ein, dass das Datenmaterial bei den "pi"-Ratings seines Hauses nicht immer up to date sei. Aber auch in die aktuellen Ratings auf Basis der Daten von 2000 seien bereits Schätzungen über die Entwicklung der stillen Reserven eingeflossen. "Wir überarbeiten diese Ratings derzeit auf Basis der 2001er-Daten", erklärte der Ratingexperte. In cirka zwei Monaten sollen diese Arbeiten abgeschlossen werden.
Im Zuge der Krise der Lebensversicherung suchen Kunden vermehrt Orientierung, auch durch Ratings. Die wenigsten werden sich aber mit der jeweiligen Methodik auseinandersetzen.

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