Versicherer müssen kleineren Teil begleichen
15 Milliarden Euro Flut-Schaden in Europa

Nach Hochrechnungen von Investmentbanken wie Merrill Lynch oder Pictet sind die finanziellen Folgen der Flutschäden in Europa für die Versicherungswirtschaft überschaubar. Die Analysten von Merrill Lynch rechnen mit Gesamtschäden von 15 Mrd. Euro.

ali/ew DÜSSELDORF. Davon seien 20 % oder noch weniger versichert - womit der von den Versicherern zu zahlende Schaden rund drei Mrd. Euro betragen dürfte. "Davon werden zwei Drittel die internationalen Rückversicherer tragen", schreiben die Analysten in einer Studie.

Ausgehend von dieser Schätzung des versicherten Gesamtschadens haben die Analysten die Belastung für die einzelnen Gesellschaften anhand ihrer Marktanteile errechnet. Danach beläuft sich die Schadenlast vor Steuern etwa bei der Münchener Rück auf 217 Mill. Euro, bei der Allianz auf 149 Mill. Euro.

"Die Flutschäden sind ein weiterer Grund dafür, dass das Jahr 2002 im Hinblick auf Gewinne ein verlorenes Jahr sein wird", schreiben die Experten von Merrill Lynch. Anlass für große Kursbewegungen bei den großen Gesellschaften sehen sie auf Grund der Folgen der Flutkatastrophe derzeit aber noch nicht.

Nach Angaben der Analysten der Schweizer Bank Pictet hat der Rückversicherer Converium gemeldet, er rechne mit einer Schadenbelastung von maximal zehn Mill. Euro. Beim Rückversicherer Partner Re seien es 100 Mill. Euro. Auch die Pictet-Experten erwarten auf Basis der derzeitigen Datenlage, "dass die Schadenansprüche signifikant, aber nicht katastrophal" für die Versicherer sein werden.

Ein Unsicherheitsfaktor bei der Feststellung der Gesamtschadenshöhe bleibt, dass zu den eigentlichen Sachschäden durch das Hochwasser womöglich noch erhebliche Umweltbelastungen durch Giftstoffe kommen. Ein Sprecher des tschechischen Chemiewerks Spolana in Neratovice nahe Prag hatte kürzlich eingeräumt, durch die Hochwasserkatastrophe könnte "eine bestimmte Menge" Quecksilber und Dioxin in die Elbe gelangt sein. Nach Angaben des sächsischen Umweltministeriums vom Dienstag sind solche Stoffe bisher im Elbwasser jedoch nicht nachweisbar. Auch die Werte für andere giftige Stoffe und Pflanzenschutzmittel hätten sich nicht erhöht, teilte die Landesregierung mit. Gleichzeitig sei die Belastung durch ausgelaufenes Mineralöl bereits wieder gesunken.

Die Umweltorganisation "Aktionskonferenz Nordsee" bekräftigte dagegen ihre Besorgnis. Nach ihrer Einschätzung schwimmt ein "Giftcocktail" auf Elbmündung und Nordseeküste zu. Die Flutkatastrophe habe aus zahlreichen Unternehmen Chemikalien ausgewaschen, die das Grundwasser und die Gewässer stromabwärts bedrohten, meldete die Organisation in Bremen.

Der Scheitel der Jahrhundertflut wälzte sich gestern weiter Richtung Nordsee durch Sachsen-Anhalt. Tausende Helfer versuchten überall im Land, aufgeweichte Deiche zu sichern oder weggebrochene Schutzwälle zu reparieren. Seit vergangener Woche wurden Ortschaften mit insgesamt mehr als 60 000 Bewohnern evakuiert. Im Kreis Bitterfeld liefen inzwischen in mehreren Ortschaften die Aufräumarbeiten an. Die Arbeiten zum Schutz der Innenstadt und des Chemieparks gingen weiter.

Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg kam derweil recht glimpflich davon. Bereits in der Nacht zum Dienstag passierte der Scheitel der Flutwelle die Stadt. Der Pegel blieb mit 6,70 Metern rund 20 Zentimeter unter den Prognosen, berichtete Innenminister Klaus Jeziorsky (CDU). Aus einem in der Nacht gebrochenen Deich am Umflutkanal, der Teile der Elbe um die Stadt herumführt, bedrohte das Wasser jedoch noch einige östliche Vororte.

In Niedersachsen sprach Landesumweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) bereits vor Eintreffen der Flutwelle von Hochwasserwerten, die es seit Jahrhunderten nicht gegeben habe. Er erwarte jedoch nicht, dass Deichkronen überströmt würden. Donnerstag und Freitag werde der Höhepunkt erwartet. In Niedersachsen werde die Flut maximal 30 000 Menschen betreffen. Auch Schleswig-Holstein hat sich laut Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) inzwischen auf die Welle vorbereitet.

Quelle: Handelsblatt

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