Versicherer profitieren von hohen Prämien
US-Wirtschaft spürt erste Anzeichen einer Belebung

Die US-Wirtschaft hat sich von den Folgen der Terroranschläge am 11. September schneller erholt als erwartet. "Sie ist unglaublich flexibel. Sie schüttelt die Auswirkungen der Terroranschläge ziemlich gut ab", sagt Bruce Steinberg, Chefökonom der Investmentbank Merrill Lynch.

NEW YORK. Am härtesten wurden die Fluggesellschaften von den Terroranschlägen getroffen. Sie mussten nicht nur ihre Maschinen in der ersten Woche am Boden lassen, ihre Flugzeuge sind auch heute noch längst nicht so ausgelastet wie früher.

Gemessen an den ersten Wochen nach dem 11. September ist die Auslastung aber wieder gestiegen. Die Airlines nehmen auch wieder den Flugbetrieb auf Strecken auf, die vorübergehend still gelegt worden waren. Auch die Preise für die zweite Klasse ziehen wieder an. Außerdem haben die meisten großen Fluggesellschaften den Reisebüros die Gebühren für Ticketbuchungen gestrichen, um die Kosten zu senken. Nach Berechnung von Analysten wurden dadurch bis zu 1 Mrd. $ gespart.

Sam Buttrick, Analyst von UBS Warburg, warnt jedoch vor zu viel Optimismus. Statt "besser" sollte man die Lage bei den Fluggesellschaften als "weniger schlecht" bezeichnen. Die Airlines sind immer noch weit entfernt davon, in die schwarzen Zahlen zurückzukehren. Neben den Kosten für höhere Sicherheitsmaßnahmen machen ihnen auch die Versicherungskosten zu schaffen. Noch übernimmt die Regierung die Kosten für die Versicherung gegen Kriegs- und Terror-Risiken, da die Versicherungen die bisherigen Verträge nach dem 11. September aufgekündigt hatten. Das geht aber nur noch bis Sommer. Deshalb arbeiten die Airlines derzeit an einer Branchen-eigenen Dachversicherung gegen Kriegs- und Terrorrisiken, die deutlich weniger kosten wird als die privaten Angebote.

Die Versicherungen, die durch die Terroranschläge schätzungsweise 50 Mrd. $ verloren haben, konnten sich dagegen erstaunlich schnell erholen. Sie haben ihre Prämien nach dem 11. September deutlich erhöht. Die höheren Gewinn haben sogar neue Unternehmen auf den Markt gelockt. Seit September sind mindestens sechs neue Haftpflichtversicherungen gegründet worden. Mehr als 20 Mrd. $ an frischem Kapital ist in die Branche geflossen. Ronald Frank, Versicherungs-Analyst bei Salomon Smith Barney berichtet, dass sich verschiedene Versicherungschefs über die Geschäftsaussichten ihrer Branche optimistisch geäußert hätten.

Der Einzelhandel hat sich ebenfalls schnell erholt: Zwar war den Amerikanern zunächst nicht nach Shopping zumute. Doch wenige Wochen später strömten sie wieder in die Malls. Dem Verbraucher ist es zu verdanken, dass die US-Wirtschaft nicht in eine noch tiefere Rezession abgerutscht ist, zumal sie sich bereits vor den Anschlägen in einer Krise befand.

Vor allem Discount-Ketten wie Wal-Mart aus Bentonwille/Arkansas konnten profitieren. Der größte Handelskonzern der Welt avancierte 2001 zum umsatzstärksten Unternehmen. Die Autobranche half sich mit Sonderangeboten über die Konsumschwäche hinweg.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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