Versicherer rechnen nicht mit Preiserhöhungen
Teure Unfälle verderben Kfz-Geschäft

Nach einem verlustreichen Jahr 2002 rechnen Experten damit, dass auch dieses Jahr der Kraftfahrt-Versichererungsmarkt rote Zahlen schreiben wird. Während im viel kleineren Geschäft mit Industriekunden die Sanierung im vollen Gange ist, erwarten Versicherer aber im wichtigen Kfz-Geschäft keine Preiserhöhungen.

DÜSSELDORF. Im hart umkämpften Markt für Kraftfahrzeug-Policen wird es nach Ansicht von Top-Managern der Versicherungswirtschaft in diesem Jahr keine breit angelegten Preiserhöhungen geben - und das, obwohl die Branche im vergangenen Jahr rund 700 Mill. Euro Verlust eingefahren hat. "Ich rechne mit einem Prämienwachstum im Markt von rund zwei Prozent in diesem Jahr. Davon entfällt aber ungefähr die Hälfte auf das Bestandswachstum durch neu versicherte Fahrzeuge", sagt Rolf-Peter Hoenen, Vorstandsvorsitzender Huk-Coburg, einem der großen Autoversicherer (siehe Tabelle). "Die Branche braucht schon mindestens ein Prämienplus von zwei bis drei Prozent, um allein die steigenden Schadenaufwendungen durch Inflationsrate und Preiserhöhungen bei Reparaturkosten zu kompensieren", sagt Klaus Hoffmann, Vorstand der VHV. Da er aber mit einer rückläufiger Schadenhäufigkeit rechnet, sollte damit die Branche nach seiner Erwartung 2003 schwarze Zahlen im Versicherungsgeschäft erreichen; sprich, ohne Quersubventionierung durch Kapitalerträge. Achim Bosch, Kraftfahrt-Experte beim Rückversicherer General Cologne Re, ist da skeptischer: "Nach einer Combined-Ratio von 101,5 Prozent im vergangenen Jahr rechne ich für den Markt netto mit einem leichten Anwachsen auf 102 Prozent in diesem Jahr." Die Combined Ratio drückt das Verhältnis von Schäden plus Kosten zu den eingenommen Prämien aus.

Das Geschäft mit Voll-, Teilkasko und Haftpflichtpolicen für Kraftfahrzeuge zählt zu den wichtigsten Sparten der Versicherungswirtschaft. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nahmen die Versicherer im K-Geschäft vergangenes Jahr 21,9 Mrd. Euro ein, das sind 43 Prozent des gesamten Prämien aus der Sparte Schaden/Unfall. Nach einem Prämienwachstum im Markt von knapp fünf Prozent im Jahr 2001, schwächte sich das Wachstum 2002 im K-Geschäft schon wieder ab - dabei stiegen die Schadensummen in der Kasko-Versicherung an, so dass die Sparte unter dem Strich rote Zahlen schrieb.

Vergleicht man die Situation mit der Industrieversicherung, so fällt auf: Das K-Geschäft ist wesentlich größer und für die Versicherungswirtschaft wichtiger. Dennoch ist bislang kein durchgreifender Sanierungstrend zu erkennen - was die Versicherungskunden natürlich freuen wird. "Die Verluste aus der Kfz-Versicherung sind in der Summe deutlich niedriger als in der Industrieversicherung, daher ist der Sanierungsdruck nicht so hoch", erklärt General Cologne Re Experte Bosch.

Zudem ist der Massen-Markt Kfz-Versicherung deutlich wettbewerbsintensiver. Denn das Geschäft mit Auto-Kasko- und Haftpflicht-Policen gilt immer noch als das Türöffner-Geschäft: Während Vermittler ihren Kunden normalerweise die Policen mühsam andienen müssen, kommt dagegen im K-Geschäft der Kunde von alleine zum Versicherer. Daher drängen die Vertriebstruppen ihre Versicherern zu preiswerten Auto-Tarifen. Das Kalkül: Ist der Kunde erst einmal gewonnen, lässt sich der Kontakt auch für den Verkauf anderer Versicherungsprodukte nutzen. "Diese behaupteten Cross-Selling-Vorteile konnte mir bislang noch niemand schlüssig in Euro und Cent nachweisen", meint dagegen Experte Bosch.

Macht der Gesamtmarkt mit Kfz-Policen auch Verluste, so ist die Situation in den einzelnen Häusern sehr unterschiedlich: Huk-Chef Hoenen verweist darauf, dass sein Haus im K-Geschäft schwarze Zahlen schreibt; "nur im Haftpflicht-Geschäft hat es wegen der Anhebung der Schwankungsreserve ein leichtes Minus gegeben", sagt er.

Ein Rückfall in die Unsitten der späten 90er Jahre, als die Branche mit immer neuen Rabatten auf Kundenfang ging, befürchtet aber kein Experte. Solch eine Verkomplizierung der Tarife würde der Außendienst auch nicht mehr mitmachen", meint Klaus Hoffmann von der type="unknownISIN" value="VHV Allgemeine Versicherung AG">VHV. Angesichts der Magerkost von den Kapitalmärkten rechnet Huk-Chef Hoenen damit, dass auch im Kfz-Versicherungsgeschäft künftig stärker die Versicherungstechnik im Fokus stehen wird.

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