Versicherer soll eigene Produkte bevorzugt vermarkten
Metalltarifparteien streiten mit Allianz

Bei dem mit viel Vorschusslorbeeren bedachten Versorgungswerk Metall-Rente hängt der Haussegen schief.

BERLIN. Die IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall werfen der Allianz als Betreiber der Metall-Rente vor, ihre eigenen Produkte bevorzugt zu verkaufen. Die beiden Tarifparteien hatten im Herbst vergangenen Jahres gemeinsam das Versorgungswerk gegründet, um den 3,6 Mill. Beschäftigen der Metallindustrie eine Riester-geförderte Betriebsrente anbieten zu können. Optimistisch rechneten sie mit 400 000 Vertragsabschlüssen bereits im ersten Jahr. Die Allianz ist als Konsortialführer für Verwaltung und Vertrieb der Metall-Rente zuständig.

Doch jetzt knirscht es im Gebälk. Für Ärger sorgt unter anderem eine Produktinformation der Versicherung für ihren eigenen Vertrieb. In dem Foliensatz für die Präsentation bei Unternehmen, "nur zur internen Verwendung - darf nicht an Dritte weitergegeben werden", kommen die Produkte der Metall-Rente systematisch schlechter weg als die des Münchener Versicherers. So wird die Pensionskasse der Metall-Rente bei einem Renditevergleich in den Vertriebsunterlagen deutlich schlechter dargestellt als die Pensionskasse der Allianz. Dabei wird jedoch nur die Überschussbeteiligung betrachtet. Das Ergebnis ist da kein Wunder. Denn weil die Allianz-Pensionskasse wesentlich älter ist, kann sie zunächst auf höhere Rücklagen zurückgreifen.

Doch selbst Allianz-Leben-Sprecher Christoph John bekennt, dass dieser Vorteil nur in den ersten Jahren besteht. Bei der garantierten Mindestleistung hingegen, wichtig vor allem in Zeiten schwacher Aktienmärkte, ist die Metall-Pensionskasse schon heute besser. Die anderen Produkte der Metall-Rente, die laut Karch eine höhere Rendite haben als das entsprechende Allianz-Angebot, wurden in den Vergleich erst gar nicht einbezogen. Auch ist die Rede davon, dass nur die Mitarbeiter von Unternehmen, die Mitglied im Metallarbeitgeberverband sind, bei der Metall-Rente versichert werden können. "Das ist schlicht falsch", widerspricht Karch. Ein Umstand, den auch die Allianz einräumt. "Da ist intern wohl noch nicht alles geklärt", vermutet Gesamtmetall-Geschäftsführer Hans Werner Busch genervt.

Doch die Metall-Rente ist kein Einzelfall. Schon als Konsortialführer der Altersvorsorge für die chemische Industrie habe die Allianz vor allem ihre eigenen Produkte verkauft, berichtet der Rentenexperte der Chemiegewerkschaft BCE, Gottlieb Förster. Die Chemietarifparteien hätten ihren neuen Pensionsfonds deshalb an die Hypo-Vereinsbank als Konsortialführer vergeben.

"Verstoß gegen Zusammenarbeit"

In der IG Metall wird das Verhalten der Allianz als Verstoß gegen die Kultur der Zusammenarbeit angesehen. Nur dank der Hilfe von Gewerkschaft und Arbeitgeberverband habe die Versicherung ein Angebot entwickeln können, das allen Anforderungen des Tarifvertrags zur betrieblichen Altersversorgung entspricht. Das ist ein riesiger Wettbewerbsvorteil. Der Tarifvertrag schreibt nämlich vor, dass alle Metallunternehmen ihren Beschäftigten eine Betriebsrente anbieten müssen.

Für die Allianz ist es jedoch lohnender, ihre eigenen Produkte zu verkaufen. Dann nämlich ist sie allein für die Anlage der Beitragseinnahmen zuständig, während sie diese bei der Metall-Rente mit ihren Konsortialpartnern Victoria, BHW und WestLB teilen muss. Sprecher John indes bestreitet, dass der Versicherer seine eigenen Produkte bevorzugt. "Es gibt diese Gerüchte, aber sie entbehren jeder Realität", sagte er auf Anfrage.

Die Metalltarifparteien bleiben skeptisch und fürchten, dass ihr Prestigeprodukt Metall-Rente im harten Wettbewerb um die Riester-geförderte Altersvorsorge den Kürzeren ziehen könnte. Denn einen vertraglichen Exklusivitätsanspruch gegenüber der Allianz haben sie nicht. Ihnen bliebe nur als letzter Ausweg, einen anderen Konsortialführer für ihr Versorgungswerk zu suchen. "Das ist die Ultima Ratio", sagt Karch. "doch die ist bisher kein Thema".

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