Versicherer sollen in Stress-Tests die Tragfähigkeit ihrer Garantien prüfen
Mathematiker besorgt um Sicherheit der Lebensversicherung

Nach zwei schwierigen Jahren für Kapitalanleger, schlagen die Versicherungsmathematiker Alarm. Sie fordern einheitliche Anlage-Tests für Lebensversicherer.

rl DÜSSELDORF. Versicherungsaufsicht und Analysten begrüßen die Vorschläge gegenüber Handelsblatt. Analysten sind von angelsächsischen Versicherern ohnehin eine ausführlichere Berichterstattung über Kapitalmarktrisiken gewohnt. Bereits im vergangenen Jahr hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) den Mitgliedern ähnliche Stresstests nahe gelegt.

Lebensversicherer legen jedes Jahr über 100 Mrd. Euro neu an. Die anhaltende Niedrigzinsphase bei gleichzeitig schwachen Börsen macht ihnen zu schaffen. Aktuare (verantwortliche Mathematiker) haben dafür zu sorgen, dass die Gesellschaften die ihren Kunden gegebenen Garantien einhalten können. Lebensversicherer garantieren zurzeit 3,25 % auf das Sparguthaben.

Auf ihrer gestrigen Tagung in Weimar hat die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) nun mit deutlichen Worten auf die für Lebensversicherer ungünstige Situation hingewiesen. Viele Versicherer hätten voriges Jahr ihre Überschussbeteiligungen reduzieren müssen. Die Reservepolster seien deutlich abgeschmolzen.

Daher haben die Mathematiker in Weimar einheitliche Kriterien für "Stresstests" vorgestellt. Diese sehen die Simulation eines Börsencrashs von 35 % innerhalb eines Jahres vor, bei einem gleichzeitigen Zinsanstieg um 2 %-Punkte. Wenn der Versicherer unter diesen Stress-Bedingungen nicht mehr in der Lage sein sollte, seinen Verpflichtungen nachzukommen, müssten umgehend Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Diese könnten laut Reiner Will von der Ratingagentur Assekurata folgende Konsequenzen haben: "Die Tests werden dazu führen, dass alle Versicherer ihre Aktienpositionen zurückführen müssen."

Für große Versicherer sind Stress-Tests nichts Neues, aber mittlere und kleinere dürften sie noch nicht einsetzen. Gerling arbeitet bereits seit 1998 mit solchen Tests. "Eine solche Kontrolle ist aus Steuerungsgründen unbedingt erforderlich", sagt Günther Hartmann, für die Bilanzierung der Gerling-Lebensversicherer verantwortlich.

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