Versicherer werfen Ärzten Abrechnungsbetrug vor
Verwaltungskosten der Krankenkassen auf Rekordhöhe

Auf den neuen Rekordstand von 14,3 Mrd. DM sind die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr geklettert. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte am Wochenende in Berlin in Grundzügen einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Die Welt".

ap BERLIN. Die Kassen selbst warfen den Medizinern Abrechnungsbetrug vor. Ärzteorganisationen konterten, die Versicherer wollten nur von ihren hohen Verwaltungskosten ablenken.

Allein im Westen seien die Verwaltungskosten seit 1989 um mehr als 50 % gestiegen, heißt es in der "Welt" unter Berufung auf die Jahresstatistik für gesetzliche Krankenkassen des Ministeriums. Insgesamt lägen diese Kosten im Jahr 2000 um 2,1 % höher als im Vorjahr (14 Mrd. DM).

Der FDP-Gesundheitsexperte Detlef Parr meinte: "Die gesetzlichen Krankenkassen gehen mit Geld ihrer Versicherten verantwortungslos um." Sie hätten in der Vergangenheit immer wieder Kontrollmechanismen bis hin zu Regressforderungen bei den Ausgaben von Ärzten und Krankenhäusern verlangt. "Jetzt haben bei den Kassen selbst anscheinend alle Kontrollmechanismen versagt." Parr forderte eine rasche Reform des Gesundheitswesens.

Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft warfen der Bundesregierung schwere Versäumnisse in der Gesundheitspolitik vor und forderten ebenfalls eine durchgreifende Strukturreform des Gesundheitswesens. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt sagte der "Berliner Zeitung", die verabschiedeten Einzelgesetze seien kein Ersatz für eine echte Reform, sondern "zeugen von hektischem und orientierungslosen Aktionismus". Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, nannte es unverständlich, warum die Regierung eine grundlegende Reform "verschleppt".

Wirtschaft drängt Regierung zu schneller Gesundheitsreform

Zwischen Krankenkassen und Ärzten entbrannte ein heftiger Streit. Ursache ist der Vorwurf des Vorsitzenden der kassenübergreifenden Arbeitsgruppe Abrechnungsbetrug, Gernot Kiefer, immer mehr Mediziner würden betrügen und Schaden in Milliardenhöhe verursachen. Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung wiesen dies zurück und konterten: "Die Krankenkassen zocken bei den Versicherten Milliarden ab für Prachtbauten und Pensionsgehälter."

Kiefer warf den Medizinern vor, sie rechneten regelmäßig oder unregelmäßig unkorrekt ab. Der Innungskrankenkassen-Vorstand bezifferte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" den dadurch entstandenen Schaden auf bis zu 1,5 Mrd. DM pro Jahr, die Zahl der beteiligten Ärzte auf bis zu 20 %. Allein im vergangenen Jahr habe es 17 400 Ermittlungsverfahren gegen 1 600 Beschuldigte gegeben. Das entspreche einem Zuwachs von 30 %. Als Beispiele nannte der Kassenmanager Abrechnung von Leistungen für längst verstorbene Patienten und die Nicht-Weitergabe von Herstellerrabatten.

Die Ärztevertretungen warfen ihrerseits den Kassen vor, sie könnten ihre "exorbitanten Verwaltungskosten von zum Teil über sieben Prozent der Versichertengelder nur noch durch absurdeste Tatsachenbehauptungen versuchen zu kompensieren". Ermittlungsverfahren würden als Urteile gesehen. Die Komplexität der "zentimeterdicken Abrechnungsbibeln" werde "philisterhaft" den Ärzten angelastet.

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