Versicherungen drücken Börse
Kommentar: Baisse

Ein Ende des Abschwungs an den Aktienmärkten, der nun schon über zwei Jahre dauert, ist nicht in Sicht.

Im Gegenteil: Eine gefährliche Spirale kommt in Gang, bei der die eigentlichen Triebfedern für die Börse, nämlich Konjunktur- und Unternehmensdaten, kaum noch eine Rolle spielen. Die Baisse ist immer weniger den schlechten Nachrichten zuzuschreiben. Sie wird in erster Linie von den Versicherungen genährt. Aus Panik, aber auch aus Vorsicht reduzieren sie ihre Aktienbestände.

Vergeblich haben Investoren darauf spekuliert, dass der Abschwung mit dem Crash im September beendet war. Weil sich die Geschichte schon so häufig in der Weise wiederholte, dass Tiefstände nach einer ausgeprägten Talfahrt mindestens einmal getestet werden, verkaufen Investoren jetzt ihre Aktien. Die Prophezeiung erfüllt sich selbst. Das allein ist schon schmerzlich genug, aber immerhin überschaubar. Schließlich sind die September-Tiefs nicht mehr weit entfernt. Schwerer wiegt ein Domino-Effekt: Je tiefer die Kurse rutschen, desto mehr Investoren verkaufen in Erwartung noch tieferer Kurse. Vor allem Versicherungen, die in den vergangenen Jahren ihre Aktienbestände angesichts der gigantischen Hausse in den neunziger Jahren drastisch hochgefahren haben, fühlen sich nun gezwungen, diese wieder zurückzufahren. Denn sie wollen ihren Kunden nicht zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres sagen müssen, Ertragszusagen nicht einhalten zu können. Millionen Briefe vom Herbst sind noch in schlechter Erinnerung. Das Dilemma ist, dass gerade die aus ihrer Sicht verantwortungsbewusst handelnden Assekuranzen mit ihren Verkäufen einen Großteil zum neuerlichen Crash auf Raten beitragen. Die Versicherungen selbst gefährden die Überschussbeteiligungen ihrer Kunden.

Einen Ausweg aus der Spirale wird der Privatanleger nicht weisen können. Seine Mittel reichen nicht, um dem Verkaufsdruck der Versicherungen entgegenzuwirken. Die Hoffnung ruht auf den großen Investmentfonds. Sie sind Dreh- und Angelpunkt für eine breit angelegte Kurswende. Ihre Zuflüsse sinken derzeit zwar rapide - wer will es den Anlegern nach dem zweijährigen Desaster verdenken? Doch dass es überhaupt noch Zuflüsse gibt, weckt nach zwei Jahren Börsendesaster Hoffnung. Fast alle Fonds sitzen auf historisch hohen Barbeständen, die angelegt werden wollen. Anleger erwarten zu Recht, dass ihre Aktiengelder langfristig in Firmenanteile fließen und allenfalls kurzfristig in Geldmarktfonds geparkt werden.

Noch fehlt den Börsen der Kick für die Wende nach oben. Aufmunternde Worte einzelner Konzernchefs, dass sich die Aussichten im zweiten Halbjahr vielleicht bessern, reichen nicht aus. Dafür sind die Erwartungen zu oft enttäuscht worden und ist die Kraft der Spekulanten, die auf niedrigere Kurse spekulieren, stärker: Shortseller haben die September-Tiefs ins Visier genommen. Allein bessere Unternehmenserträge können die Wende bringen. Seitdem fast alle Frühindikatoren in Euro-Land und den USA seit Monaten einen neuen Aufschwung signalisieren, ist die Saat ausgebracht. Allein der Dünger, nämlich steigende Firmengewinne, fehlt noch. Erst mit ihm werden die Aktienkurse wieder gedeihen.

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