Versicherungs-Aktien auf Talfahrt
Europa-Börsen erneut im Rückwärtsgang

Die europäischen Börsen haben am Mittwoch bis zum frühen Nachmittag im Sog der schwachen Vorgaben der US-Börsen deutliche Kursverluste hinnehmen müssen. Der DJ-EuroStoxx50-Index verliert gut zwei Prozent. Überdurchschnittlich im Minus liegt der Schweizer SMI-Index.

Reuters FRANKFURT/ LONDON. Unter grossem Abgabedruck standen insbesondere die Sektoren Versicherung, Einzelhandel und Pharma. Die Stimmung am Markt wurde laut Händlern auch von der aufgrund der schlechten Marktverfassung abgesagten Aktienplatzierung des Brauerei-Riesen SAB-Miller belastet.
Die Versicherer sind von zwei Seiten in der Zange. Die schwachen Aktienbörsen lassen, so befürchten Anleger, die in Aktien angelegten Reserven der Gesellschaften dahinschmelzen. Und das in einer Situation, in der im Zusammenhang mit dem 11. September möglicherweise hohe Schadenforderungen auf die Unternehmen zukommen.
Die Einzelhändler wurden von den schwachen Zahlen des französischen Unternehmens Carrefour in Mitleidenschaft gezogen. Abgesehen von Serono, die von einer Unternehmensmeldung profitierten, notierten auch die Pharmawerte im Minus. Der Sektor wurde von Neuigkeiten über eine Untersuchung beim US-Pharmariesen Bristol-Myers Squibb bezüglich angeblich überhöht ausgewiesener Verkäufe in Milliardenhöhe in Mitleidenschaft gezogen.

LONDON - Die Börse London baute ihre anfänglichen Verluste im Zuge neuer Bilanzierungssorgen in den USA aus und tendierte gegen Mittag in die Nähe eines neuen Fünfjahrestiefs. Der FTSE-100-Index fiel 1,8 Prozent auf 4341 Zähler. Schwergewichtige Bankenwerte wie Royal Bank of Scotland oder Barclays drückten nach unten. Abbey National, die am Vortag noch von Spekulationen über ein Übernahmeangebot durch die Bank National Australia profitierten, büssten ebenfalls vier Prozent ein. Die Liste der Verlierer führte nach einer Rückstufung durch Morgan Stanley der Nachrichtenkonzern Reuters mit einem Abschlag von sechs Prozent an. Die Pharmawerte GlaxoSmithKline und AstraZeneca gaben je rund drei Prozent nach.

ZÜRICH - Die Schweizer Aktien gaben auf breiter Front nach. Der SMI sank um 3,2 Prozent auf 5592 Punkte. Die Versicherungen litten europaweit unter Abgaben; dabei führten die Schweizer Titel die Rangliste nach unten an. Schwache Börsen und Befürchtungen betreffend Kapital und Folgen einer nicht überall geglückten Expansionsstrategie belasteten, hiess es. Dazu kämen noch negative Brokerkommentare, die für zusätzlichen Druck sorgten. Zurich fielen zehn Prozent, Rentenanstalt/ Swiss Life sackten 11,5 Prozent ab. Aber auch CS Group fielen mit knapp sechs Prozent kräftig. Serono stiegen gegen den Trend um fast sieben Prozent. Serono ist mit Pfizer für das MS-Medikament Rebif in den USA eine Vertriebskooperation eingegangen.

PARIS - Die Pariser Börse notierte im frühen Handel auf einem neuen Dreijahrestief. Der CAC-40 Index tendierte zuletzt 2,8 Prozent tiefer auf 3552 Punkten. Am deutlichsten rutschten Einzelhändler ab. Carrefour lagen nach einem Rückgang der Verkaufszahlen in der ersten Jahreshälfte sechs Prozent im Minus. Kursabgaben von knapp vier Prozent musste auch Casino hinnehmen. Der Versicherer Axa büsste fünf Prozent ein. Morgan Stanley hatte den Titel zuvor zurückgestuft. Vivendi Universal holten frühe Verluste grösstenteils auf, nachdem ein Verwaltungsratsmitglied sagte, beim Medienkonzern gebe es keine Buchführungsunstimmigkeiten.

BENELUX - An den Benelux-Börsen litten insbesondere die Finanzwerte ABN Amro, ING, Aegon sowie Fortis unter Abgaben. In Amsterdam notierte der AEX-Index 2,4 Prozent tiefer auf 399,8 Punkten, während der Bel20 der Brüsseler Börse 1,8 Prozent auf 2278,8 Zähler verlor. Die am Vortag vom S&P-500-Index entfernten Aktien von Unilever und Royal Dutch bauten die Verluste zwischenzeitlich aus.

MAILAND - Auch die italienischen Aktien notierten im Minus. Der Mib30-Index verlor 1,8 Prozent auf 26.815 Punkte. Die Titel der Bank Intesa-BCI verloren nach der Rückstufung vom Vortag weiter an Terrain und gaben 4,4 Prozent nach. Händler sorgen sich zudem um den bereits lange geplanten Verkauf ihrer Südamerika-Einheit Banque Sudameris an Itau. Schwächer waren auch Vermögensverwalter wie Banca Fideuram, Bipop und Mediolanum.

MADRID - An der Madrider Börse stand der Ibex-35 Index 1,9 Prozent tiefer auf 6731 Zählern. Die drei Index-Schwergewichte Telefonica, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria und Santander Central Hispano lagen allesamt im Minus. Ebenfalls schwächer waren Titel des Bausektors.

SKANDINAVIEN - Die skandinavischen Börsen tendierten angeführt von Nokia leichter. Der Stoxx Nordic Index fiel 2,6 Prozent auf 260 Punkte. Nokia verloren vier Prozent. Das Unternehmen wird am 18. Juli die Resultate für das zweite Quartal vorlegen. Auch Ericsson verloren im Soge der schwachen Technologietitel, notierten jedoch besser als der Gesamtmarkt. Die beiden vor der Fusion stehenden Telekomfirmen Sonera und Telia notierten ebenfalls im Minus.

WIEN - "Der Wiener Markt ist am Donnerstag ein Trauerspiel." So fasste ein Händler kurz und bündig das dahin plätschernde Marktgeschehen zusammen. Der ATX-Index lag 0,1 Prozent im Minus bei 1213 Punkten. Erste Bank gaben nach der Bekanntgabe des Preises für die im Rahmen der Kapitalerhöhung begebenen jungen Aktien mit 69,70 Euro zu Beginn des Handels nach.

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