Versicherungs-Konzern will auf dem US-Markt wachsen
Allianz-Aktien werden erstmals an der Wall Street gehandelt

Der Allianz-Konzern hat in Rekordzeit die Aufnahme der Notierung an der New Yorker Börse geschafft. Vorstandschef Henning Schulte-Noelle kündigte jetzt eine weitere Expansion auf dem US-Markt an. Analysten begrüßten einhellig den Schritt nach New York. Die Allianz-Aktie legte heute zu.

cbu/hus MÜNCHEN/NEW YORK. Das Listing an der New York Stock Exchange (Nyse) gebe dem Allianz-Konzern mehr Flexibilität, um die Wachstumspläne umzusetzen, betonte Konzernchef Henning Schulte-Noelle gestern vor der Presse in New York. Der Versicherer, nach Prämien gerechnet der Größte der Welt, erhalte damit eine wertvolle "Akquisitionswährung".

Im vergangenen Jahr hatte die Allianz bereits zwei Vermögensverwalter - Pimco und Nicholas-Applegate - in den USA gegen Barzahlung übernommen. Die Übernahmen hätten gezeigt, dass das Allianz-Modell - das den zugekauften Unternehmen relativ große organisatorische Freiheit sowie deren Marktauftritt lässt - erfolgreich sei. Mit dem Listing solle diese Strategie weiter fortgeführt werden. Es gebe aber noch keine konkreten Projekte in Vorbereitung, sagte Schulte-Noelle. Man wolle vielmehr vorbereitet sein, um mögliche Chancen auch wahr zunehmen.

Schulte-Noelle nannte noch zwei weitere Gründe für das Listing an der Nyse. Zum einen sei New York derzeit der weltweit größte Finanzplatz "Wir müssen einfach hier sein", betonte Schulte-Noelle. Zum anderen soll die US-Notierung die Attraktivität der Allianz-Aktie bei Konzernbeschäftigten in den USA sowie bei US-Investoren erhöhen. Das Mitarbeiter-Aktienprogramm werde auch in den USA eingeführt. Zudem soll die Aktionärsbasis, das Handelsvolumen sowie der Streubesitz durch das US-Listing steigen. Derzeit sind 6 % des Allianz-Aktien in der Hand von amerikanischen Investoren, hieß es.

Lebensversicherungen in USA lukrativer Bereich

Als wahrscheinlich gilt, dass sich die Allianz im lukrativen Bereich Lebensversicherung in den USA verstärken wird. Dort hat der Münchener Konzern noch eine sehr schwache Position. Der Marktanteil liegt bei etwa 1 %. Hier wolle die Allianz langfristig zu den ersten Fünf der Branche gehören, sagte Schulte-Noelle. In der Sachversicherung ist die Allianz mit Firemans Fund aktiv, mit deren Profitabilität der Konzern aber nicht zufrieden sei.

Der Gang an die New Yorker Börse sei ein "logischer, strategischer Schritt", so der Konzernchef. Die USA seien nach Europa bereits der zweitwichtigste Markt für die Allianz. Die Beitragseinnahmen lagen hier 1999 bei 6,45 Mrd. Euro mit 11 000 Beschäftigten. "Ich glaube, die Allianz befindet sich erst am Beginn einer außergewöhnlichen Entwicklung", meinte der sonst sehr zurück haltende Schulte-Noelle.

Die US-Börsenaufsicht SEC hatte am Dienstag grünes Licht für das Allianz-Listing gegeben. Am morgigen Freitag wird der Handel an der Nyse mit so genannten ADS (American Depositary Shares) offiziell unter dem Kürzel AZ aufgenommen. Ursprünglich hatte die Allianz immer mitgeteilt, bis Ende 2001 an die New Yorker Börse zu gehen. Das die Verhandlungen mit der SEC, die rund ein Jahr gedauert haben, so schnell abgeschlossen werden konnten, gilt als das Verdienst von Helmut Perlet, im Vorstand zuständig für Controlling und Steuern. Er hatte persönlich seit Sommer die schwierigen Verhandlungen geführt. Ein Diskussionspunkt war dabei die Bewertung des umfassenden Anteilsbesitzes der Allianz, insbesondere an Dresdner Bank und Münchener Rück. Zudem ging es um Rücklagen für künftige Schäden und deren Berechnung, berichtete Perlet. Der Münchener Konzern bilanziert bereits seit dem vergangenen Jahr nach den internationalen IAS-Standards. Die Allianz habe der SEC keine Zugeständnisse machen müssen.

Die Allianz-Aktie legte heute an der deutschen Börse als Reaktion auf das US-Listing zu. Das Papier verbesserte sich zwischenzeitlich um mehr als 1 % auf knapp 406 Euro. Analysten begrüßten den Gang nach New York. "Das ist ein strategisch wichtiger Schritt," meinte Norbert Barth von der BHF-Bank. Viele Analysten rechnen jetzt mittelfristig mit Akquisitionen in den USA. Erfreut zeigten sich Analysten über die Geschwindigkeit, mit der das Listing umgesetzt wurde. "Das ist die eigentliche Überraschung", hieß es. Dies könnte Vorbildcharakter für die Deutsche Bank, die Mitte 2001 nach New York will, oder für die Münchener Rück haben.

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