Versicherungsaufsicht rügt Rentenanstalt
"Rentenanstalt hat Kundeninteressen gefährdet"

Die Rentenanstalt/Swiss Life hat nach Ansicht der Schweizer Versicherungsaufsicht die Interessen der Versicherten durch ihre Investmentgesellschaft Long Term Strategy (LTS) gefährdet und geschädigt.

Reuters BERN. Das Konzept der LTS sei juristisch gesehen grundsätzlich rechtskonform gewesen, allerdings nur bei strenger Kontrolle und Ausschluss jeder Interessenskonflikte, hiess es in dem am Montag vorgelegte Untersuchungsbericht des Bundesamts für Privatversicherungen (BPV) zu den jüngsten Vorkommnissen bei dem angeschlagenen Schweizer Lebensversicherer. Die Kontrolle der LTS sei klar ungenügend gewesen, so das BPV.

Die Rentenanstalt hielt in einer Stellungnahme fest, dass das BPV in seinem Bericht bestätigt habe, dass es sich bei der LTS um eine rechtskonforme Investmentgesellschaft handelte. Ein von der Swiss Life in Auftrag gegebenes Gutachten komme zudem zum Schluss, dass der zuständige Verwaltungsrats-Ausschuss seiner Aufsichtspflicht nachgekommen sei, widersprach die Gesellschaft dem Bericht des BPV.

Das BPV hatte im Spätherbst 2002 wegen LTS und zwei von der Rentenanstalt eingeräumten schwerwiegenden Buchungsfehlern in den Halbjahresabschlüssen 2001 und 2002 eine Untersuchung eingeleitet. An der LTS konnten sich die Top-Manager des Versicherers mit eigenem Geld beteiligen und zum Teil Millionengewinne einstreichen. Wegen der LTS läuft auch eine Strafuntersuchung der Zürcher Justiz.

Laut BPV war die Kontrolle der LTS bei weitem ungenügend. "Das Verhalten mehrerer Mitglieder der Konzernleitung und des Ausschusses des Verwaltungsrates der Rentenanstalt bot deshalb während der Geschäftstätigkeit der LTS nicht die notwendige Gewähr für eine einwandfreie Geschäftsführung im Sinne der Aufsichtsgesetzgebung," hiess es im Untersuchungsbericht.

Die Interessen der Versicherten waren nach Ansicht des Amtes gefährdet, weil vor und während der Dauer der Beteiligung von Mitgliedern der Swiss Life-Konzernleitung an der LTS die Rentenanstalt erhebliche Verlustrisiken übernahm. Diese Top-Manager erzielte zu Lasten der Swiss Life Vermögensvorteile, so das BPV. Glückliche Umstände hätten schliesslich bewirkt, dass die LTS einen Gewinn für die Versicherten erzielte, der allerdings ohne die den Konzernleitungsmitgliedern gewährten Vorteile grösser ausgefallen wären.

Das BPV verfügte weiter, dass Rentenanstalt die Gelder im Umfang der - allerdings marginalen - Schädigung von seinen Ex-Managern zurückfordern und dazu alle rechtlichen Mittel ausschöpfen muss. Die Rentenanstalt führte dazu an, dass laut einem Rechtsgutachten für die Geltendmachung zivilrechtlicher Ansprüche gegenüber den ehemaligen Mitgliedern der Konzernleitung, die an der LTS beteiligt waren, keine rechtliche Grundlage besteht. Swiss Life will die Verfügung des BPV prüfen und die allfällig gegebenen Rechtsmittel ausschöpfen.

Laut dem BPV dürften zudem Aufsichtsratsmitglieder, die dem nach Ansicht der Behörde vor allem verantwortlichen Verwaltungsrats-Ausschuss für die LTS angehörten, nicht mehr in den Swiss Life-Verwaltungsrat gewählt werden. Dies hat allerdings symbolischen Charakter, weil der Versicherer Mitte März einen radikalen Umbau dieses Gremiums angekündigt hat und im neuen Verwaltungsrat nur mehr zwei alte Mitglieder, die nicht um LTS-Ausschuss waren, vertreten werden sein.

Die derzeit noch amtierenden Verwaltungsräte des LTS-Ausschusses - Präsident Andres Leuenberger, Rino Rossi und Ulrich Oppikofer - hielten in einer gemeinsamen Stellungnahme fest, dass sie den Entscheid des BPV betreffend die Aufsichtspflicht nicht akzeptieren können und dass sie Schritte dagegen prüfen wollten. Hinsichtlich der Buchungsfehler kam das BPV in seinem Bericht zum Schluss, dass diesen keine Absicht und keine Vertuschungsversuche zu Grunde lagen. Allerdings sprach der Bericht von einer "deutlichen Vernachlässigung der administrativen und technischen Aspekte während mehrerer Jahre bis zum Sommer 2002".

Wegen der Buchungsfehler revidierte Swiss Life das Halbjahresergebnis 2002 auf einen Verlust von 578 Mill. Franken hinauf von zuvor 389 Mill. Franken Fehlbetrag. 2001 resultierte deswegen ein Nettoverlust von 115 Mill. Franken statt der im Abschluss ausgewiesenen 124 Mill. Franken Gewinn. Für das gesamte Jahr 2002 hat Swiss Life einen Rekordverlust von rund 1,7 Mrd. Franken angekündigt. In diesem Jahr strebt das Unternehmen die Rückkehr in die Gewinnzone an. Der Abschluss 2002 wird am Dienstag veröffentlicht.

Swiss Life wechselte im Vorjahr zwei mal den Konzernleiter aus; seit Anfang November amtierte der von der Credit Suisse kommende Rolf Dörig als CEO. Zudem soll bei der Hauptversammlung am 27. Mai Bruno Gehrig, derzeit noch Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank, neuer Verwaltungsratspräsident werden.

An der 2,6 % festeren Börse stiegen die Swiss Life-Aktien bis kurz vor Handelsschluss um 13,2 % auf 64,50 Franken. Der DJ StoxxInsurance-Index notierte 6,2 % fester. Rentenanstalt haben in diesem Jahr rund die Hälfte an Wert verloren nach über 80 % Minus 2002.

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