Versicherungsfusion
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Der erste Zusammenschluss seit dem Ausbruch der Krise in der deutschen Versicherungswirtschaft ist perfekt: Die VHV Vereinigte Haftpflichtversicherung und die Hannoversche Lebensversicherung gehen zusammen.

Der erste Zusammenschluss seit dem Ausbruch der Krise in der deutschen Versicherungswirtschaft ist perfekt: Die VHV Vereinigte Haftpflichtversicherung und die Hannoversche Lebensversicherung gehen zusammen. Kommt nun die vielfach prognostizierte Welle von Fusionen oder Übernahmen kleinerer Gesellschaften, welche durch die Börsenkrise in Schwierigkeiten kamen?

Keine Frage, die einst vor Solidität und Finanzreserven strotzende Branche hat in den vergangenen beiden Jahren viele Federn gelassen. Vor allem die Lebensversicherer traf die Börsenbaisse mit voller Wucht. Zu spät in die Börsen investiert, zu spät wieder herausgegangen. Dieser Cocktail war unverträglich für die gesamte Branche; insgesamt summierten sich ihre Verluste an den Kapitalmärkten auf 40 bis 50 Milliarden Euro. Wirklich existenzbedrohend wurde dieser Cocktail jedoch erst in Häusern, wo drastische Managementfehler im Anlage- oder Risikomanagement als Ingredienz hinzukamen: So strauchelte die Familienfürsorge, der kirchliche Versicherer fand mittlerweile Rückendeckung durch die HUK Coburg. Die Hannoversche Leben fusioniert nun mit der VHV. Auf der Verkaufsliste der Versicherungswirtschaft steht außer einer Hand voll Unbekannter auch die Mannheimer Versicherung: Sie wird seit Monaten wie sauer Bier angeboten.

Doch niemand wollte bisher zugreifen. Zwar haben Branchengrößen wie Allianz oder AMB immer wieder Appetit auf Zukäufe signalisiert; zugebissen haben sie aber nicht. Warum auch? Sie sind als kapitalstarke Anbieter die Gewinner der Lebensversicherungskrise. Drastisch haben die Großen, zu denen auch die Ergo-Gruppe zählt, im Neugeschäft zugelegt. In Krisenzeiten setzen die Kunden scheinbar Größe mit Sicherheit gleich. Gerne verzeihen sie diesen Anbietern, dass sie ihre Kundschaft in den fetten Jahren nicht gerade mit Renditen verwöhnt hatten. Hier hatte die Hannoversche Leben eine ganz andere Politik verfolgt, sehr zum Verdruss der Branchengrößen schüttete sie zeitnah hohe Gewinne aus, was ihr jahrelang Spitzenplätze in den Rankings der Finanztester bescherte, sehr zur Freude der Verbraucher. Doch Börsenkrise und Managementfehler brachen ihr das Genick.

Ob Familienfürsorge oder Hannoversche Leben, beide Fällen zeigen, dass sich in der Versicherungswirtschaft aber auch noch in den heutigen schweren Zeiten selbst für ungeliebte Konkurrenten weiße Ritter finden. Schon in der Vergangenheit hatte die Branche bei Schieflagen von ihresgleichen immer diskrete Lösungen gefunden. Denn die Insolvenz eines Konkurrenten würde einen unwiderruflichen Imageschaden für die gesamte Branche bedeuten. Nicht zuletzt deshalb wird es noch weitere Fusionen geben.

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