Versicherungsgeschäft entwickelt sich positiv
Allianz mit Milliarden-Verlust im Bankgeschäft

Die Allianz-Gruppe hat im ersten Halbjahr einen Milliarden-Verlust im Bankgeschäft verbucht, ihre Beitragseinnahmen in der Versicherungssparte aber um mehr als 12 Prozent gesteigert.

Die Risikovorsorge der Tochter Dresdner Bank verdoppelte sich auf 1,051 Mrd. ?. "Wir können mit diesem Ergebnis nicht zufrieden sein", sagte Allianz-Vorstand Helmut Perlet. Die Bedingungen für das Bankgeschäft hätten sich im zweiten Quartal verschärft.

Das Banksegment des größten Finanzkonzerns in Europa wies für die ersten sechs Monate 2002 einen Verlust von 1,058 Mrd. ? aus. Allein im zweiten Quartal verbuchte die Dresdner Bank einen Fehlbetrag von 910 Mill. ?. Der Allianz-Konzern rutschte in diesem Zeitraum mit 356 Mill. ? in die roten Zahlen. Mit einem Wachstum der Beitragseinnahmen um 12,1 % im ersten Halbjahr entwickelte sich das Versicherungsgeschäft aber erfreulich. Eine Prognose für 2002 gab die Allianz erneut nicht.

Die Allianz-Aktien, die seit Jahresanfang rund die Hälfte ihres Wertes verloren haben, fielen heute Nachmittag mehr als vier Prozent auf 124,11 ?. "Die Risikovorsorge ist explodiert", sagte Carsten Zielke von West-LB Panmure. Sie liege ebenso wie der Verlust im Bankgeschäft über seinen Erwartungen. "Der Markt hat heute und in den vergangenen Wochen aber viel zu sehr auf die Dresdner Bank geschaut - der Konzern ist viel mehr als das", sagte Markus Engels, Analyst bei Commerz Asset Managers. Im Geschäft Schaden/Unfall-Versicherungen sei die Allianz besser als die europäischen Wettbewerber positioniert.

Der Allfinanzkonzern hatte bereits vor zwei Wochen die Finanzmärkte mit einer Gewinnwarnung geschockt und Sparmaßnahmen im Bankgeschäft angekündigt. Den für 2002 angestrebten Überschuss von mindestens drei Milliarden Euro könne die Allianz wegen der schwachen Börsen nicht mehr erreichen, bekräftigte Perlet am Mittwoch. Eine neue Prognose für das Geschäftsjahr 2002 könne er nicht geben.

Bankgeschäft schwieriger als erwartet

Das Bankgeschäft entwickle sich angesichts der zunehmenden Zahl von Insolvenzen schwieriger als erwartet, sagte Perlet weiter. Ein hoher Wertberichtigungsbedarf im Kreditportfolio, vor allem in Lateinamerika und im Telekommunikationssektor, habe das Ergebnis der Sparte Corporates and Markets (Firmenkunden- und Investmentbankgeschäft) erheblich belastet. Der Bereich verbuchte im ersten Halbjahr einen Verlust von 738 Mill. ?. Perlet trat aber Spekulationen entgegen, die Sparte stünde bei der Allianz zur Disposition: "Wir betrachten Corporates & Markets als Bestandteil unseres Geschäfts."

Angesichts der weiter schwachen Börsen, unter denen auch die anderen deutschen Großbanken leiden, sei es sehr wahrscheinlich, dass die Dresdner Bank auch zweiten Halbjahr rote Zahlen schreibe, sagte Perlet. Die eingeleiteten Maßnahmen sollten aber ausreichen, um die Dresdner Bank 2003 wieder profitabel zu machen. Erste Erfolge gebe es schon: Der Verwaltungsaufwand fiel im ersten Halbjahr um 13,5 % auf 558 Mill. ?.

Die Allianz hatte im vergangenen Jahr die Dresdner Bank übernommen und ihr Kerngeschäft Versicherungen erweitert. Als Reaktion auf die hohen Verluste hatte die Dresdner Bank vor zwei Wochen den Abbau von weiteren 3000 Stellen angekündigt - zusätzlich zu der bereits geplanten Streichung von rund 8000 Arbeitsplätzen. Insgesamt will die Bank knapp zwei Milliarden Euro einsparen.

Beitragseinnahmen steigen im Versicherungsgeschäft

Das Versicherungsgeschäft entwickelte sich dagegen positiv. Dabei zeigte die Lebens- und Krankenversicherung ein Wachstum von 21,3 % auf 18,9 Mrd. ?, was Sal.-Oppenheim Analyst Michael Haid als "extrem gut" bezeichnete. Dabei war jüngst die Lebensversicherung ins Gerede gekommen, weil einige Versicherer Schwierigkeiten bekommen könnten, den Garantiezins von 3,25 % zu zahlen. "Von einer Vertrauenskrise bei den Lebensversicherern zu sprechen, scheint mir verfehlt", sagte Allianz-Vorstand Perlet dazu.

In der Schaden/Unfall-Versicherung stiegen die Beitragseinnahmen um 5,6 % auf 23,6 Mrd. ?. Die Schaden/Kosten-Quote (Verhältnis des Aufwandes für Schäden und Verwaltung zu den erzielten Einnahmen) fiel auf 102,2 % von 104,4 % im Jahr 2001. Bis 2005 will die Allianz die in der Branche wichtige Quote auf unter 100 % drücken - das heißt, bis dahin sollen die Beitragseinnahmen die Schäden und Verwaltungskosten übersteigen.

Insgesamt rechnet die Allianz in 2002 mit einem Wachstum der Bruttobeitragseinnahmen, das "deutlich" über den bisher prognostizierten vier Prozent liege. Das verwaltete Vermögen ging zum Ende Juni um 6,1 % auf 1,1 Bill. ? zurück. Die Kapitalanlagen für Dritte verringerten sich um 6,9 % auf 577 Mrd. ?.

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