Versicherungskonzern setzt nach gescheiterter Fusion auf eigenes Wachstum
HDI will mit Talanx bis 2005 an die Börse

Talanx soll durch konzerninterne Neuordnung und internationales Wachstum aus eigener Kraft so gestärkt sein, dass sie unmittelbar in den Deutschen Aktienindex (Dax) aufgenommen werden könne.

rtr HANNOVER. Der hannoversche Versicherungskonzern HDI konzentriert sich nach der gescheiterten Fusion mit der HUK Coburg auf eigenständiges Wachstum. Im Mittelpunkt der Expansionspläne stehe nun der geplante Börsengang der bisherigen Zwischenholding Talanx AG, der für 2004/2005 avisiert sei, sagte Konzernchef Wolf-Dieter Baumgartl am Mittwochabend in Hannover. Bis dahin solle Talanx durch konzerninterne Neuordnung und internationales Wachstum aus eigener Kraft so gestärkt sein, dass sie unmittelbar in den Deutschen Aktienindex (Dax) aufgenommen werden könne. Im Geschäftsjahr 2000 ist der HDI den Angaben zufolge erneut stärker als der Markt gewachsen. Nach vorläufigen Berechnungen werden die gebuchten Bruttoprämien in unkonsolidiert um 15,3 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro steigen.

Der HDI-Konzern wird in den kommenden Jahren den Großteil seines Geschäfts in der bisherigen Zwischenholding Talanx AG konzentrieren, sagte Baumgartl. Neben dem gesamten Privatkundengeschäft in einer neuen HDI Privatversicherungs AG solle Ende 2001 auch die Rückversicherung HDI Re Irland unter die Talanx gestellt werden. Alle wesentlichen Geschäftsfelder bis auf das traditionelle Stammgeschäft des HDI mit Industriekunden würden dort gebündelt. "Der HDI-Konzern wird dann Talanx-Konzern heißen", sagte Baumgartl. Wenn 2004 oder 2005 im ersten Schritt 25 Prozent an die Börse gebracht würden, soll die Talanx ein Gewinnpotenzial von 300 Millionen Euro pro Jahr haben.

Das Geschäft der bislang wichtigsten Talanx-Tocher Hannover Rückversicherungs-AG werde bis zum Börsengang statt der heutigen 60 Prozent nur noch 20 Prozent der Erträge liefern, sagte Baumgartl. "Die Talanx wird dann bestens aufgestellt sein." Bereits für 2001 erwartet der HDI wieder einen überdurchschnittlich wachsenden Ertrag. Die Pläne sehen vor, dass die Bruttoprämien um 16,4 Prozent auf 16,1 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis um 17,7 Prozent auf 436 Millionen Euro steigen.

Klar sei, dass nach den ersten 25 Prozent möglicherweise weitere Anteile der Talanx an die Börse gegeben würden, aber nur bis zu 49,9 Prozent, sagte Baumgartl. Der HDI bleibe "auf Dauer" Mehrheitseigner. Ebenso bleibe die Talanx Mehrheitseigner ihrer Töchter. "Ich kann mir aber vorstellen, dass auch andere Töchter der Talanx an die Börse gehen, aber immer mit weniger als 50 Prozent", sagte Baumgartl.

Die Expansion im Auslandsgeschäft, das beim HDI inzwischen mehr als 50 Prozent ausmacht, soll vor allem von dem noch jungen Lebensversicherungsgeschäft getragen werden. Binnen drei Jahren will der HDI in 15 Ländern Lebensversicherungen vermarkten. Nach dem Start mit Töchtern der HDI-Marke Aspecta von Luxemburg und Liechtenstein aus in mehreren EU-Ländern gebe es auch Pläne für Asien und Amerika, sagte Vorstandsmitglied Norbert Winter. Die Lebensversicherungen, die in diesem Jahr erstmals ein Prämienvolumen von mehr als einer Milliarde Euro erreichen, sollen jährlich um 30 bis 40 Prozent zulegen.

Die Muttergesellschaft Haftpflichtverband der Deutschen Industrie VaG soll sich künftig im wesentlichen auf ihr traditionelles Industriekundengeschäft konzentrieren. Es soll mittelfristig auch ohne die Erträge der Talanx verlustfrei arbeiten.

Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit des HDI werde in diesem Jahr um knapp acht Prozent auf 344 Millionen Euro steigen, der Jahresüberschuss um fast 68 Prozent auf 267 Millionen Euro, hieß es weiter. Das im Vergleich zu den Prämieneinnahmen schwächere Wachstum beim Ergebnis sei dennoch bemerkenswert, da die drei zyklischen Geschäftsfelder Schadenunfall-, Auto-, und Industrieversicherung in diesem Jahr ihren Tiefpunkt erreicht hätten. Einziger Sanierungsfall seien die Schadenversicherungen im Ausland mit Verlusten von 30 Millionen Euro, unter anderem in Folge eines Verbotes für Prämienerhöhungen bei Autoversicherungen in Italien.

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