Versicherungswerte belasten die Märkte
Europa-Börsen: Einbruch auf Vierjahrestief

Die europäischen Aktienbörsen haben heute schwere Verluste verzeichnet. Der DJ Stoxx 50- sowie der Eurotop 300-Index der wichtigsten europäischen Aktienwerte notierten auf den tiefsten Schlussständen seit Oktober 1998.

Reuters LONDON/ FRANKFURT. Bei einer im frühen Handel schwächeren Wall Street lasteten vor allem Versicherungswerte auf dem Markt, welche von einer Gewinnwarnung der niederländischen Aegon ins Minus gezogen wurden. Aegon und Zurich Financial brachen über 17 Prozent, Axa und Rentenanstalt je über zehn Prozent und ING gegen neun Prozent ein. Aber auch die übrigen Marktsektoren schlossen ausnahmslos stark im Minus.

Im Fokus der Anleger standen auch Royal Dutch und Unilever, deren Titel aus dem S&P 500-Index fallen. Royal Dutch büssten rund zehn Prozent und Unilever gut fünf Prozent ein. Die Nachricht, wonach der US-Telekomriese WorldCom Gläubigerschutz beantragt hat, verstimmte den Markt bereits zu Beginn der Sitzung, wie Händler erklärten. Unter Druck standen diesbezüglich insbesondere Bankenwerte. Diese seien durch Spekulationen über deren Engagements bei WorldCom belastet worden, sagten Börsianer.

LONDON - Die Londoner Aktienbörse verzeichnete deutliche Kursverluste. Der FTSE 100-Index fiel, belastet von den allermeisten Standardwerten, um 4,95 Prozent auf 3895,5 Zähler und damit auf den tiefsten Schlussstand seit sechs Jahren. Bei den Versicherern sahen Aviva und Prudential nach der Gewinnwarnung der niederländischen Aegon ein Minus von rund zehn und rund acht Prozent. Erdölschwergewicht Shell lastete mit einem Kursverlust von 9,3 Prozent auf dem Index, nachdem die Titel von Partner Royal Dutch aus dem S&P 500-Index entfernt worden waren. Die Titel des Konkurrenten BP gaben 7,9 Prozent ab. Die meisten der übrigen Aktien rutschten ebenfalls deutlich ins Minus. Gemäß Börsianern wurden dabei alleine unter den Londoner Standardwerten am Montag rund 48 Milliarden Pfund vernichtet.

ZÜRICH - Die Schweizer Aktien zeigten sich sehr volatil und sackten zum Schluss auf den tiefsten Stand seit Ende April 1997 ab. Der SMI schloss um 5,56 Prozent tiefer bei 4699,7 Zählern. Die Versicherungstitel kamen wegen der Gewinnwarnung des niederländischen Versicherers Aegon massiv unter Druck. Rentenanstalt sackten zwölf Prozent ab. Zurich brachen gar gegen 17 Prozent ein und Baloise fielen um 15 Prozent. Auch die Aktien der über ihre Tochter Winterthur Versicherung in der Branche tätigen Finanzgruppe CS Group gaben über zehn Prozent nach. Novartis konnten sich nach Veröffentlichung eines guten Halbjahresresultates als einziger Titel dem Abwärtstrend entziehen und schlossen 1,4 Prozent fester. Andere defensive Werte hingegen fielen mit markanten Abgaben auf.

PARIS - Starke Kursverluste der französischen Aktien wurden von der Versichererung Axa angeführt. Der CAC 40-Index stürzte 5,15 Prozent auf 3207 Punkte und damit auf den tiefsten Schlussstand seit rund vier Jahren ab. Die Axa-Titel brachen nach der Gewinnwarnung von Aegon 10,9 Prozent ein. Unter den 40 CAC-Werten schlossen einzig die Titel des Catering-Unternehmens Sodexho mit plus 0,8 Prozent fester. "Ein Maximum von Angst beherrscht den Markt," sagte ein Händler. Die Anleger seien vor den anstehenden Geschäftszahlen von STMicroelectronics , Cap Gemini , France Telecom sowie Alcatel weiter auf der Hut, hieß es.

FRANKFURT - Der Insolvenzantrag des zweitgrößten US-Telekomkonzerns WorldCom und stark nachgebende Kurse an der Wall Street drückten den Dax vor Handelschluss unter die Marke von 3700 Punkten und damit auf den tiefsten Stand seit September 2001. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor nach starken Schwankungen bis zum Nachmittag 5,45 Prozent auf 3679 Zähler, während der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax50 um 4,8 Prozent auf 516 Punkte fiel. Unter dem WorldCom-Debakel litten vor allem die Aktien der Deutschen Bank, da das Finanzinstitut der größte europäische Kreditgeber des Unternehmens ist. Die Stimmung am Markt sei von starker Nervosität geprägt, sagten Händler. Niemand wisse, wie es weitergehe, daher folge der Dax den Vorgaben der US-Börsen auf dem Fuße. Eine Prognose für den weiteren Kursverlauf sei dementsprechend schwierig. Deutsche Bank verloren über fünf Prozent, und auch HypoVereinsbank verbilligten sich vor der Veröffentlichung ihrer Geschäftszahlen am Donnerstag ebenfalls mehr als fünf Prozent. Rund ein Drittel des gesamten Dax-Verlustes am Montag ging auf das Konto der Banken und Versicherungen.

BENELUX - Die Aktienmärkte Belgiens und der Niederlande folgten dem Tiefgang der übrigen Märkte. Der Amsterdamer AEX-Index fiel 6,92 Prozent auf 342,83 Zähler und der Bel20-Index 4,81 Prozent auf 2104,57 Punkte. Die Aktien des Versicherers Aegon brachen 17,8 Prozent ein und zogen weitere Werte wie ING und Fortis stark nach unten. Aegon hatte seine Ergebnisprognose für 2002 um 30 bis 35 Prozent nach unten reduziert und eine Erhöhung seiner Rückstellungen bekannt gegeben. ABN Amro büßten 8,8 Prozent ein, was Händler mit deren Beteiligung an der insolventen WorldCom begründeten. Royal Dutch büßten 9,8 Prozent und Unilever 6,2 Prozent ein. In Belgien standen die Titel von Dexia im Fokus. Der Wert verlor 6,9 Prozent.

MAILAND - An der Börse Mailand rutschte der Mib30-Index bei breitgestreuten Verlusten deutliche 3,98 Prozent auf 24.127 Zähler und damit auf ein Fünfjahrestief ab. Im Energiesektor fielen die Titel der Schwergewichte Enel und Eni 3,9 Prozent und 6,2 Prozent. Die beiden Konzerne müssen gemäß einem Entwurf der italienschen Regierung ihre Aktivitäten innerhalb von drei Jahren auf unter zehn Prozent Anteil am italienischen Markt senken, hieß es. Bei den Versicherern brachen Generali sechs Prozent, Alleanza 5,5 Prozent und RAS 7,3 Prozent ein.

MADRID - An der Madrider Börse notierte der Ibex 35-Index 2,62 Prozent schwächer bei 6251,9 Zählern. Größter Kursverlierer waren die Titel des Erdölschwergewichts Repsol, die 6,6 Prozent einbüßten. Die schleppende Konjunkturerholung könnte die Nachfrage nach Erdöl beeinträchtigen und damit die Ölpreise drücken, sagten Analysten. Ebenfalls über sechs Prozent gaben die Titel der Hotelkette Sol Media nach.

SKANDINAVIEN - Auch die skandinavischen Börsen mussten große Kurseinbußen hinnehmen. Der Stoxx Nordic Index verlor 4,24 Prozent auf rund 234 Zähler. Oben auf der Verliererliste standen die Titel des Herstellers von Medikamenten für Diabetiker Novo Nordisk, die rund 14 Prozent verloren. Das Unternehmen hatte die Einstellung der Produktion eines Medikaments mitgeteilt. Gegen den Trend schlossen die jüngst gebeutelten Titel von Ericsson mit plus 0,8 Prozent etwas fester. Nokia verloren 4,5 Prozent.

WIEN - An der Wiener Börse verlor der ATX-Index vergleichsweise moderate 0,47 Prozent auf 1191,86 Punkte. "Hoffnung gibt momentan nur die Erste Bank. Vom Chart her schaut sie sehr gut aus, und bei 72 kann man die wieder kaufen", sagte ein Händler. Erste Bank schlossen mit minus 1,5 Prozent bei 73,90 Euro. VA Tech zeigten sich mit plus 2,3 Prozent nach Händlerangaben technisch erholt. Telekom Austria büßten 0,5 Prozent ein.

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