Versicherungswerte verlieren stark
Europa-Börsen proben neue Tiefststände

Die europäischen Standardwerte haben am Dienstag deutlich in der Verlustzone geschlossen. Die Indices der wichtigsten Börsen gerieten in die Nähe der Tiefststände, die sie letztmals vor über fünf Jahren markiert hatten. Eine technisch bedingte Erholung im Vormittagsgeschäft habe sich im Tagesverlauf tot gelaufen, sagten Händler.

Reuters FRANKFURT/M. Der DJ Stoxx50-Index notierte gegen zwei Prozent tiefer auf 2450 Punkten. An der Spitze der Verliererliste stand einmal mehr die Versicherer. Die anhaltenden Sorgen der Anleger über die finanzielle Verfassung und Solvabilität grosser europäischer Assekuranzen und deren mögliche Verwicklung in die WorldCom-Pleite sorgten für Kursrückgänge von fünf bis zehn Prozent. Der Stoxx Index der Versicherungen gab rund 5,5 Prozent nach. Prudential sackten um acht Prozent ab. Aegon, die am Vortag mit einer Gewinnwarnung den Sektor auf Talfahrt geschickt hatte, brachen um weitere elf Prozent ein. Axa ermässigten sich um über sieben Prozent. Gemieden wurden auch Banken- und Finanzwerte sowie Technologiepapiere. Kräftig Federn lassen mussten Nokia und Ericsson, die über acht und sieben Prozent verloren.

LONDON - Die Londoner Aktienbörse verlor im Schlepptau nachgebender Kurse an der Wall Street ein Prozent und schloss zum dritten Mal in Folge auf einen neuen Sechsjahre-Tiefststand. Der FTSE100-Index stand auf 3858,0 Zählern. Die Liste der Verlierer führten einmal mehr Versicherer und Bankenwerte an, die am Vormittag zunächst noch die Kurstreiber nach oben gewesen waren. Prudential bauten die Vortagesverluste weiter aus und schlossen mit minus acht Prozent. Banken seien von Befürchtungen über deren Belastung im Zusammenhang mit dem WorldCom-Debakel unter Druck gestanden. Barclays büssten beinahe vier, Lloyds über drei und Royal Bank of Scotland 1,3 Prozent ein.

ZÜRICH - Die Schweizer Börse schloss nach einem äusserst volatilen Handelsverlauf erneut schwächer. Dabei kamen auch hier die Finanzwerte unter die Räder. Der Blue Chip-Index SMI verlor 1,5 Prozent auf 4628,6 Punkte. Die Marktteilnehmer seien völlig orientierungslos, hiess es am Markt. Eine Bodenbildung habe nicht stattgefunden. Zurich lagen 5,7 Prozent, Rentenanstalt 8,5 Prozent, Swiss Re 3,8 Prozent und Baloise 3,7 Prozent im Minus. Schwergewicht Novartis erwiesen sich mit plus 0,6 Prozent als Marktstütze. Die Aktien profitierten von dem Aktienrückkaufprogramm über vier Milliarden sfr sowie von verschiedenen Hochstufungen.

PARIS - An der Pariser Börse büsste der CAC 40-Index, belastet von starken Einbussen bei Axa 2,5 Prozent auf 3070,2 Punkte ein und lag damit nur unwesentlich oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 3000 Punkten. Axa brachen um 7,5 Prozent ein. Unter Druck standen auch Technologiewerte. Alcatel verloren 3,4 Prozent, Cap Gemini rund 2,6 Prozent. Die Titel des Indexschwergewichts France Telecom ermässigten sich um 4,5 Prozent. Einziger Lichtblick waren Schneider Electric, die über fünf Prozent kletterten. Händler verwiesen dabei auf ein in Aussicht gestellte Verbesserung der operative Marge im ersten Semester 2002 sowie auf fortgeschrittene Gespräche über die Übernahme der Geschäftseinheit Legrand durch ein Investorenkonsortium.

FRANKFURT - Belastet von kräftigen Kursverlusten der Banken und Versicherer notierte der Deutsche Aktienindex (Dax) um 4,2 Prozent schwächer bei 3539 Punkten und lag damit unter dem Tagestief vom 21. September 2001 von 3539,18 Punkten gefallen. Im Fokus der Anleger standen HypoVereinsbank, die um rund elf Prozent einbrachen. Händlern zufolge wurde der Wert von Informationen aus Finanzkreisen belastet, wonach die Bank bei der Bekanntgabe ihrer Geschäftszahlen für das zweite Quartal am Donnerstag einen operativen Verlust ausweisen werde.

BENELUX - Die Aktienmärkte Belgiens und der Niederlande folgten dem negativen Trend der übrigen Märkte und schlossen tief in der Verlustzone. Der Amsterdamer AEX-Index büsste 3,5 Prozent auf 330,7 Zähler ein, während der Bel20-Index kanpp drei Prozent auf 2042,4 Punkte verlor. Die Abwärtstendenz sei von Fortis ausgegangen. Der niederländisch-belgische Finanzdienstleister hatte am Dienstagvormittag eine Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr ausgegeben und dies mit der anhaltenden Schwäche der Finanzmärkte begründet. Fortis sackten in Amsterdam um 8,7 Prozent ab. In Belgien brachen Fortis gar um beinahe zehn Prozent ein.

MAILAND - An der Börse Mailand büsste der Mib30-Index 1,4 Prozent auf 23.790 Zähler ein. Dies stellt den tiefsten Schlussstand seit Ende 1997 dar. Banca Nazionale del Lavoro fielen 4,3 Prozent. Unicredito verloren vier Prozent. Im Vergleich mit den arg gebeutelten europäischen Konkurrenten schnitten die italienischen Versicherern noch vergleichsweise gut ab. Generali verloren 2,5 Prozent, RAS schlossen 1,6 Prozent im Minus.

MADRID - An der Madrider Börse schloss der Ibex 35-Index 1,5 Prozent tiefer bei 6158,6 Zählern. Grösste Verlierer waren die Titel des Stromversorgers Endesa, die nach Händlereinschätzung unter der Vorlage von insgesamt enttäuschend ausgefallenen Zahlen litten und 2,4 Prozent einbüssten. Als Belastung erwiesen sich auch die Papiere des Indexschwergewichtes BBVA, die 1,8 Prozent nachgaben.

SKANDINAVIEN - Kräftige Einbussen erlitten die skandinavischen Börsen. Der Stoxx Nordic Index sackte 4,6 Prozent auf rund 223,1 Zähler ab. Als Belastung erwiesen sich einmal mehr Nokia, die um rund neun Prozent absackten. Ericsson ermässigten sich um 7,5 Prozent. Wieder weit vorn auf der Verliererliste waren die Titel des Herstellers von Medikamenten für Diabetiker, Novo Nordisk, zu finden. Novo Nordisk verloren über sieben Prozent. Am Vortag war der Wert um 14 Prozent eingebrochen, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, die Produktion eines Medikaments eingestellt zu haben.

WIEN - An der Wiener Börse verlor der ATX-Index zwei Prozent auf 1168,2 Punkte. Erste Bank bauten die Vortagesverluste weiter aus und brachen um 6,6 Prozent ein. Unter anhaltendem Verkaufsdruck standen auch Telekom Austria, die 2,3 Prozent nachgaben.

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