Versorgeraktien mit Kurspotenzial
Übernahmen machen RWE und Eon interessant

Die beiden Konzerne Eon und RWE touren derzeit um den Globus, um neue Beteiligungen zu sammeln. Mit ihren Expansionen stärken sie ihre Kerngeschäftsfelder. Aus Analystensicht bieten Versorgeraktien derzeit Potenzial für Kurssteigerungen.

FRANKFURT/M. Versorgeraktien geraten bei steigendem Konjunkturoptimismus als so genannte defensive Titel schnell ins Hintertreffen. So auch derzeit. Zu Unrecht, sagen Analysten. Denn durch zahlreiche Fusionen und Übernahmen haben RWE und Eon gezeigt, dass sie alles andere als langweilig sind. Im Gegenteil: Sie gehen auf Einkaufstour, um ihre Kerngeschäftsfelder Strom, Gas und Wasser zu stärken. Randaktivitäten stehen hingegen auf den Verkaufslisten der Energieriesen.

"In den Versorgerunternehmen steckt mehr drin, als ihre Kurse derzeit widerspiegeln", ist sich daher Astrid Borgs, zuständige Analystin bei WestLB Panmure sicher. "Explosionsartige Bewegungen sind wegen des defensiven Charakters dieser Aktien aber nicht zu erwarten", fügte Analyst Matthias Heck von Sal. Oppenheim hinzu. Dabei haben sich RWE und Eon seit Mitte 2000 schon besser entwickelt als der Dax. Im europäischen Vergleich schnitten Versorgeraktien ebenfalls besser als die europäischen Indizes Stoxx oder MSCI Europe ab. Heck sieht denn auch die deutschen Versorger RWE und Eon als "Outperformer", sprich als Aktien, die sich besser als der Marktdurchschnitt entwickeln. Auch nach Angaben des Börseninformationsdienstes Bloomberg überwiegen für beide Versorger die Kaufempfehlungen.

Dabei ist RWE im Vergleich zu Eon schon etwas weiter bei der Stärkung seiner Kernkompetenzen: Die Essener haben nach jüngsten Zahlen bereits 85 % ihres Betriebsergebnisses in den vier Kerngeschäftsfeldern Strom, Gas, Wasser und Entsorgung erwirtschaftet. Dazu trugen auch die zuletzt übernommene britische Wassergesellschaft Thames Water, der tschechische Gasversorger Transgas und der britische Strom- und Gasversorger Innogy bei, die nun integriert werden sollen. 2002 soll der Beitrag der Kerngeschäftsfelder bei 90 % liegen.

Eon setzt hingegen erstmal nur auf die Bereiche Strom und Gas. Bislang trugen sie lediglich 55 % zum Betriebsergebnis bei. Eon hat bereits die schwedische Sydkraft gekauft. Die Übernahme von Powergen soll bis Mai von der amerikanischen Börsenaufsicht genehmigt werden. Mit einer Entscheidung zur Ruhrgas-Übernahme wird bis Mitte Juli gerechnet.

Kartell- und Wachstumsgrenzen

Der Konzernumbau bei RWE und Eon erfolgt allerdings nicht ganz aus freien Stücken. Die Versorger in Deutschland stoßen inzwischen an Kartell- und Wachstumsgrenzen. Zudem drängt sie die wachsende Konkurrenz auf dem heimischen Markt durch die französische EdF, die russische Gazprom oder die schwedische Vattenfall zu Aktivitäten außerhalb Deutschlands.

Trennen will sich RWE bis 2003 nach eigenen Angaben von Hochtief und Heidelberger Druck. Eon dürfte bis Ende 2002 Stinnes veräußern. Für den geplanten Verkauf von Degussa und der Immobilientochter Viterra gibt es noch keinen genauen Termin.

Bevor diese Industriebeteiligungen tatsächlich veräußert werden, lastet auf den beiden deutschen Versorgungskonzernen nach Ansicht von Analyst Heck noch ein so genannter Konglomeratsabschlag: "Bei RWE macht das etwa 10 % aus, bei Eon 15 %." Dieser Bewertungsrückstand dürfte nach und nach abgebaut werden. Für RWE hat Heck das Kursziel bei 56 Euro veranschlagt, Eon sieht er sogar bei 69 Euro.

Im Vergleich zu den europäischen Mitbewerbern wie Suez, Endesa oder Enel hätten Anleger bei den deutschen Versorgern die höchste Planungssicherheit. "Da der deutsche Markt am stärksten geöffnet ist, entfallen sämtliche Liberalisierungsrisiken im Stromgeschäft", so Heck. Investoren könnten von stabilen Preisen und steigenden Gewinnen ausgehen.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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