Versorgungskonzerne setzen auf Infrastruktur-Management
Energie-Service aus einer Hand

Die Spareffekte im Zuge der Liberalisierung des deutschen Energiemarktes, die bei Großkunden die Preise um rund 22 % sinken ließen, sind durch zusätzliche Steuern fast vollständig aufgehoben. Um dieser Kostenfalle zu entgehen, konzentrieren sich Unternehmen immer stärker auf ihre Kernprozesse und suchen nach Möglichkeiten, um speziell im Energiebereich das Risiko von Investments zu teilen. Das eröffnet große Chancen für Dienstleister.

Auch die Europäische Union will Service-Unternehmen unterstützen, um Einsatz und Erzeugung von Energie zu optimieren. Einen wesentlichen Beitrag will die Kommission mit einer neuen Richtlinie für Energiedienstleister erbringen. Um rund 1 % soll danach der Energieverbrauch pro Jahr sinken. Für Deutschland entspricht das immerhin fünf Terawattstunden.

Vor allem Multi-Utility-Anbieter, die eine umfassende Versorgung ihrer Kunden mit verschiedensten Medien im Fokus haben, könnten hier profitieren. Nach einer Studie der Trend Research Gesellschaft für Markt- und Kommunikationsforschung wird das Contracting-Geschäft im Industriebereich in Deutschland in den nächsten Jahren stark wachsen.

"Wir glauben aber, dass das tatsächliche Potenzial wesentlich größer ist. Derzeit haben nur 20 % der deutschen Industriefirmen bereits über Contracting nachgedacht. Der Rest hat die enormen Vorteile des Infrastruktur-Managements in Bezug auf Kosteneinsparungen und Energie-Effizienz noch nicht erkannt", sagt Michael Stadler, Vorstandsmitglied der RWE Solutions AG. Prognosen gehen davon aus, dass sich allein der deutsche Markt für das Industrie-Contracting bis 2005 verdoppeln oder sogar verdreifachen wird.

Zukunftsmarkt Energie-Contracting

Mittlerweile haben alle großen Versorgungskonzerne den Zukunftsmarkt Energie-Contracting für sich entdeckt. Die Energie Baden-Würtemberg (EnBW) etwa bietet ihren Industriekunden schon seit einiger Zeit umfassende Outsourcing-Modelle nach dem Contracting-Prinzip an. So betreibt EnBW beim Papierhersteller Stora Enso in Wolfsheck eine Dampferzeugeranlage. Rund 40 Tonnen Dampf werden pro Stunde in den Produktionsprozess eingespeist. Der Energieversorger hat nicht nur die Planung, die Finanzierung und die Bauaufsicht bei der Anlage übernommen. Auch für die Wartung, die Instandhaltung und den Betrieb sorgt EnBW.

Die Eon AG hat ihre Contracting-Aktivitäten in der Eon Energy Projects GmbH gebündelt. Momentan arbeitet das Unternehmen unter anderem an einem Projekt für Roche Vitamine in Grenzach. Dort soll im Sommer 2004 eine moderne Gas- und Dampfanlage in Betrieb gehen. Abnehmer werden Roche Vitamine, Hoffmann La Roche und die Ciba Spezialitäten Chemie sein. Eon kümmert sich um die Projektentwicklung, die Ausschreibung und Bauausführung sowie den Betrieb in Zusammenarbeit mit Roche.

RWE Solutions verfolgt mit seinem Infrastruktur-Management ein modulares Konzept, das je nach Vorstellung der Kunden eine unterschiedlich starke Zusammenarbeit aufweist und Energieeinsparpotenziale auf verschiedenen Niveaus freisetzt. Die Kooperation beginnt bei Beratungen durch Energiefachleute, geht über die Errichtung, das Upgrading und die Automatisierung von Anlagen und Contracting-Modellen bis hin zu verschiedenen Outsourcing-Lösungen.

Die RWE-Tochter hat gerade einen Contracting-Vertrag über den Betrieb und die Instandhaltung der Dampferzeugeranlage der Llanwern Steelworks in Newport, Großbritannien, abgeschlossen. Der Kontrakt beinhaltet die Lieferung von Dampf und Prozesswasser für die Stahlherstellung und hat eine Laufzeit von zunächst fünf Jahren. Im Rahmen des Contractings hat RWE Solutions innerhalb von 20 Wochen eine Wasseraufbereitungsanlage sowie einen Dampfkessel errichtet. Darüber hinaus gehören Betrieb und Instandhaltung der Anlagen zu den vereinbarten Aufgaben. Die Investition beläuft sich auf rund fünf Millionen Euro.

Auch die Resonanz der Automobilindustrie auf das Infrastrukturmanagement ist laut RWE Solutions ermutigend. Mit dem Konzept sei es möglich, exakt zu ermitteln, wie viel Energie die Fertigung eines einzelnen Zylinderkopfes benötigt. Das erste Projekt dieser Art führt RWE Solutions mit den Ford-Werken in Köln durch.

Der Wettbewerb im Infrastruktur-Management ist hart, weil Anbieter aus unterschiedlichsten Marktsegmenten ins Geschäft drängen. Dazu gehören technische und interne Dienstleister, Produkthersteller und Anlagenbauer, Versorger, Maintenance-Provider und Facility-Management-Betreiber. Andererseits ist das Marktvolumen für Energie-Contracting groß. Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan geht etwa davon aus, dass sich der Umsatz in Europa in diesem Bereich von 2,9 Milliarden Euro im Jahr 2001 auf 6,7 Milliarden Euro im Jahr 2007 erhöhen wird. Die jährliche Wachstumsrate liegt demnach bei rund 15 Prozent.

Quelle: Handelsblatt online 22.07.2003

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