Versorgungsleistungen werden privatisiert
Afghanistan will Markt für Auslandsinvestoren öffnen

Der afghanische Staatspräsident Hamid Karsai hat die deutsche Wirtschaft zu Investitionen in seinem kriegszerstörten Land aufgerufen.

cr DÜSSELDORF. "Deutsche Erzeugnisse genießen in Afghanistan den besten Ruf", umschmeichelte Karsai Wirtschaftsvertreter bei einem Treffen in Düsseldorf. "Legen sie einem Afghanen mehrere Produkte zur Auswahl vor, so wird er sich für das deutsche entscheiden, selbst wenn der Preis höher ist."

Noch aber haben die Afghanen die Mittel nicht, um teuere Produkte "Made in Germany" einzukaufen, selbst im Staatshaushalt fehlt das Geld für notwendige Investitionen in die Infrastruktur. Die Kabuler Regierung setzt daher konsequent auf privates Engagement und bemüht sich, potenziellen Investoren den Weg nach Afghanistan zu ebnen. Bislang klagen viele Firmen über etliche Probleme bei der Kontaktaufnahme mit afghanischen Behörden. In Kürze soll eine "One-Stop-Agency" unnötige bürokratische Anlauf-Prozeduren ersparen. Karsai versprach, die Sicherheit von Investitionen zu schützen.

Mit Hochdruck vorantreiben will die afghanische Regierung parallel dazu den Aufbau des Bankensystems. "Da haben wir noch Probleme", räumte Karsai ein. "Unsere Banken arbeiten nicht funktionell", kritisierte der Präsident. Binnen zwei Monaten soll zumindest die Umstellung auf eine einheitliche Währung abgeschlossen werden. Die neuen Banknoten werden in Deutschland gedruckt.

Priorität hat in Afghanistan die Sanierung der maroden Infrastruktur. Für den Ausbau von Energie- und Wasserversorgung, Telekommunikation, Regierungsgebäuden und Verkehrswesen wird zur Zeit ein Masterplan mit sechs Kernprojekten ausgearbeitet, erläuterte der afghanische Finanzminister Ashraf Ghani. Die Ausschreibungen für Großprojekte soll mit "maximaler Transparenz" erfolgen. Nicht zuletzt Sorgen über die grassierende Korruption schrecken viele Investoren von einem Engagement am Hindukusch ab. "Wir betrachten Korruption als Krebsgeschwür," versicherte Ghani. Das Ausschreibungsrecht des Landes werde mit Hilfe aus den USA und der EU auf internationalen Stand gebracht.

Wie Karsai den Firmenvertretern erläuterte, werde die Übergangsregierung die leeren Kassen durch Privatisierungen und den Verkauf von staatseigenem Tafelsilber füllen. Der Betrieb von Versorgungsunternehmen soll weitgehend in private Hände gelegt werden. "Wir wollen eine effiziente öffentliche Verwaltung," so Karsai. "Je kleiner, desto besser der Service." Zum Verkauf steht auch die Fluggesellschaft Ariana. "Wir wollen sie so schnell wie möglich loswerden, obwohl sie profitabel arbeitet", sagte der Präsident. Mehrere ausländische Gesellschaften haben bereits Interesse signalisiert. Für den Ausbau des landesweiten Flugnetzes liegt der Regierung ebenfalls ein Angebot vor, Kabul will jedoch noch weitere einholen. Insgesamt sollen 25 kleinere Flughäfen mit Regionalflugzeugen bedient werden. Dafür schreibt die Regierung Tender aus, "sobald genug Geld für Investitionen vorhanden ist".

Dieses Projekt genießt insofern eine Priorität, als sich der Wiederaufbau nicht auf die Hauptstadt konzentrieren soll. "Wir können Projekte aber nur dort realisieren, wo die Voraussetzungen stimmen", schränkt Aufbauminister Amin Farhang ein. Daher bemüht sich Afghanistan, nicht nur das Straßensystem auszubauen, sondern auch Flüchtlinge wieder in ihrer alten Heimat anzusiedeln. "Wir befinden uns aber noch ganz am Anfang eines ausgeglichenen Aufbaus", räumte Farhang ein.

Kopfschmerzen bereiten vielen Unternehmern Berichte über die mangelhafte Sicherheit in Afghanistan. Sowohl Karsai als auch dessen deutscher Wirtschaftsberater Stephan Kinnenmann bemühten sich daher um Entwarnung: "Glauben Sie nicht alles, was geschrieben wird", sagte der GTZ-Experte. "Die Sicherheit in Kabul ist vergleichbar mit Städten auf den Philippinen, in Pakistan oder Indonesien."

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%