Verspätete Konjunkturerholung
Banker warnen vor neuen Kursrückschlägen

Die Aktienmärkte erlebten zuletzt eine beeindruckende Kursrally - trotz düsterster Konjunkturprognosen und miserabler Nachrichten. Nach den Tiefständen, die die Terroranschläge in den USA ausgelöst hatten, kletterte der Dax in nur wenigen Tagen nicht nur auf den Stand von vor dem 11. September. Er übersprang danach sogar die Marke von 5 000 Zählern.

DÜSSELDORF. Die Experten der Deutschen Bank und der WestLB warnen jedoch vor übertriebenem Optimismus. Die fundamentalen Daten sprächen für ein Abgleiten der Weltkonjunktur in eine Rezession im Winterhalbjahr, heißt es in einer aktuellen Studie der Deutschen Bank. Zwar gibt es für die Anleger auch positive Signale: Die Zinssenkungen der großen Notenbanken dürften die Konjunktur stützen.

Zudem sollten "Steuersenkungen, sowie Ausgabenprogramme für Wiederaufbau, Verteidigung und Sicherheit einen starken fiskalischen Impuls in den USA auslösen", meinen die Anlage-Strategen der Deutschen Bank. Wie schnell und wie stark die Zinssenkungen der Zentralbanken die lahme Konjunktur beflügeln, lässt sich laut Helmut Kaiser, Rentenexperte der Deutschen Bank, aber nur schwer abschätzen.

Die Deutsche Bank halte es beispielsweise für fraglich, dass das Investitionsklima durch Zinssenkungen entscheidend verbessert werden könne. Die US-Industrie sei durch jahrelange Überinvestitionen geprägt. Positiv wertet Kaiser indes die geringe Inflation und die niedrigen Rohstoffpreise. Auch der Lagerabbau der US-Industrie und die Anpassungsprozesse nach den Übertreibungen im Hightech-Boom seien allmählich beendet, so die Deutschen Bank.

Liquiditätsgetriebene Hausse

Den eigentlichen Grund für die jüngsten Kurszuwächse sieht WestLB-Anlageexperte Martin Gilles aber im Übermaß an Liquidität, die angelegt werden müsse. Wenn die "liquiditätsgetriebene Hausse" jedoch nicht bald durch bessere Konjunkturdaten gestützt werde, "dann platzt die Liquiditätsblase", so Gilles. Auch Kaiser fürchtet kurzfristig einen Rückschlag an den Börsen. "Die Märkte sind zu schnell." Die gestiegenen Kurse spiegelten bereits die Erwartung auf eine konjunkturelle Erholung im nächsten Jahr wider. Diese müsse aber bald spürbar werden, um die aktuellen Kurse zu rechtfertigen.

Mit einem Aufschwung der Weltwirtschaft ist nach Ansicht beider Banken aber erst ab Mitte nächsten Jahres zu rechnen. Die Strategen der Deutschen Bank raten daher in der nächsten Zeit, nur ausgeprägte Schwächephasen an den Aktienmärkten für Käufe zu nutzen. Diese könnten nach Ansicht der WestLB bald bevorstehen, da die anstehenden Nachrichten einmal mehr das negative Konjunkturbild in Euroland betonen dürften. Der jüngste Ifo-Geschäftklima-Index zeigte bereits die Richtung auf: Er fiel auf den tiefsten Stand seit acht Jahren.

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