Verspekuliert mit „Finanzinnovationen“?
Steuern: Fiskus erstattet Verluste

Verspekuliert mit „Finanzinnovationen“? Hier gibts Tipps, wie Sie sich ihr Geld in bestimmten Fällen vom Fiskus zurück holen können.

HANDELSBLATT. Wo es Sieger gibt, da gibt es auch Verlierer. Und Verlierer verdienen ein wenig Mitgefühl. Bei Sport und Spiel gibt es für sie oft einen Trostpreis vom Veranstalter. Bei Aktienanleihen ist das ein wenig anders. Der Gewinner ist seit den drastischen Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten der Veranstalter, in diesem Fall die Bank. Sie hat die Anleihe an die auf steigende Kurse setzenden Spieler, sprich Anleger, ausgegeben.

Das Grundprinzip: Als Gewinn lobt der Veranstalter hohe Zinsen aus. Bei Aktienanleihen auf Basis von Neuer- Markt-Titeln wurden in Einzelfällen über 30 Prozent Zinsen geboten. Wer das Startgeld zahlt, also eine Aktienanleihe kauft, akzeptiert als Startbedingung, dass er am Ende des Rennens womöglich statt der Startgeld-Rückerstattung Aktien bekommt. Es ist leicht auszurechnen, dass dies dann geschieht, wenn die zuvor festgelegt Zahl der Aktien weniger wert ist als das Startgeld.

Allerdings gibt es auch für die Verlierer im Aktienanleihe-Spiel einen Trostpreis. Der kommt vom Fiskus. Der will eigentlich an den Gewinnen verdienen - nur bei der Aktienanleihe gelingt ihm das in Zeiten der Börsenbaisse nicht, wenn man vom Abzug der Zinsabschlagsteuer absieht.

Der Grund: Aktienanleihen sind so genannte "Finanzinnovationen" (Schreiben des Bundesfinanzministeriums ) v. 2.3.01, Az.: IV C 1 - S 2252 - 56/01). Und für Finanzinnovationen gilt, dass Kursgewinne jederzeit unabhängig von der Haltedauer versteuert werden müssen, es also keine einjährige Spekulationsfrist wie etwa für Aktien gibt. Dafür dürfen aber Verluste auch jederzeit verrechnet werden, in gewissen Grenzen sogar mit positiven Einkünften in anderen Einkunftsarten (siehe "Mindestbesteuerung"). So werden Aktienanleihen besteuert:

Zinszahlung: Die Bank behält 30 Prozent Zinsabschlagsteuer (ZaSt) ein, sofern kein Freistellungsauftrag vorliegt.

Verkauf der Anleihe vor Fälligkeit mit Kursgewinn: 30 Prozent ZaSt-Abzug vom Kursgewinn und von den Stückzinsen. Stückzinsen sind die Zinsen, die rechnerisch zwischen den Zinsterminen auflaufen. Kauf der Anleihe vor Fälligkeit: Der Käufer bezahlt die Stückzinsen, wodurch seine Kapitaleinkünfte sinken. Bei Fälligkeit werden Aktien geliefert. Der Verlust verringert die Steuerlast. Für die Aktien beginnt ab dem Tag der Lieferung die Spekulationsfrist für private Veräußerungsgeschäfte.

Verluste lassen sich auch mit anderen Finanzinnovationen jederzeit realisieren, etwa mit Nullkupon- und Disagio-Anleihen. Als Voraussetzung für die Disagioanleihe gilt: Der Abschlag muss bei der Emission die an Laufzeiten festgemachte Disagiostaffel des BMF übersteigen. Das heißt: Für Laufzeiten unter zwei Jahren muss das Disagio größer als ein Prozent sein. Für jeweils zwei weitere Jahre Laufzeit erhöht sich das zu übertreffende Disagio um einen weiteren Prozentpunkt. Ab zehn Jahren liegt die Messlatte bei sechs Prozent (BMF-Schreiben IV B 4 - S 2252 - 180/86 vom 24.11. 1986).

Steuermindernde Verluste lassen sich durch Verkäufe während der Laufzeit realisieren. Im Falle der Disagio-Anleihe müssen dann Stückzinsen versteuert werden. Für Nullkupon-Anleihen sind keine Stückzinsen zu ermitteln, da es zu keinen laufenden Zinszahlungen kommt.

Entscheidend für die Steuerlast ist, ob die Emissionsrendite oder die Marktrendite besteuert wird (siehe "Finanzinnovationen"). Eine Faustregel besagt: Die Berechnung der Steuern nach der Emissionsrendite ist dann günstiger als nach der Marktrendite (Differenz-Methode), wenn im Veräußerungserlös Kursgewinne stecken, und ungünstiger, wenn Kursverluste eingefahren werden. Ein Beispiel: Ein Anleger zeichnet eine Nullkupon-Anleihe. Während der Haltedauer sinken die Marktzinsen, der Kurs der Nullkupon-Anleihe steigt; bei einer Disagio-Anleihe würde das gleiche geschehen. Der Anleger nutzt den gestiegenen Kurs zum Verkauf. Sinnvollerweise versteuert er die Differenz zwischen dem nach einer komplizierten finanzmathematischen Methode ermittelten rechnerischen Wert der Nullkupon-Anleihe zum Veräußerungszeitpunkt und ihrem Ausgabekurs (Emissionsrendite). Denn dieser Betrag ist kleiner als die Differenz zwischen Verkaufskurs und dem Ausgabekurs, weil die sinkenden Zinsen den Kurs über den finanzmathematischen Wert getrieben haben. Bei gestiegenen Zinsen wäre die Marktrendite vorteilhafter. Höhere Kursverluste könnten beispielsweise durch eine Verschlechterung der Bonität über die Laufzeit eintreten.

Doch obwohl die in jüngster Zeit gestiegenen Marktzinsen eher zu höheren Anleihekursen geführt haben, sind steuerliche Verluste denkbar, etwa wenn diese Anleihen auf eine fremde Währung lauten, deren Wert gegenüber dem Euro nachgegeben hat. Diese Situation ergibt sich beispielsweise für manche Disagio-Anleihen südafrikanischer Emittenten. Denn in den vergangenen fünf Jahren verlor der Rand - von Unterbrechungen abgesehen - gegenüber der D-Mark an Wert. Und so werden die Währungskursverluste steuerwirksam: Vom Kauf- bzw. Emissionskurs wird der Verkaufskurs abgezogen. Die beiden Anleihekurse werden zu den an diesen Tagen gültigen Devisenkursen umgerechnet. Dies ergibt die Marktrendite.

Gegenüber dem Finanzamt wird keine Emissionsrendite nachgewiesen, so dass das Finanzamt automatisch die Marktrendite zur Besteuerungsgrundlage macht.

Die gleiche Strategie lässt sich mit Floatern (Gleitzinsanleihen) verfolgen, die auf eine fremde Währung lauten. Für Floater lässt sich ohnehin keine Emissionsrendite ermitteln.

Wer mit Verlusten spielt, sollte bedenken: Wenn bei einer Aktienanleihe Aktien geliefert werden, ist das Spiel zu Ende. Er sollte auf jeden Fall den Trostpreis vom Fiskus nehmen. Bei Floatern, Disagio- und Nullkupon-Anleihen besteht vor Laufzeitende immer noch die Chance, mehr als den Trostpreis zu ergattern, wenn die Kursverluste wieder wettgemacht werden.

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