Verstoß gegen die Ad-hoc-Pflicht?
Commerzbank im Visier der Börsenaufsicht

Die Aktie der Commerzbank hat sich am Dienstagmittag von ihren herben Kursverlusten vom Vorabend wieder etwas erholt. Das Papier war auf ein Allzeittief gefallen, nachdem Gerüchte über die Zweitquartalszahlen der Bank am Markt kursiert waren. Die Vorgänge haben die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auf den Plan gerufen.

vwd FRANKFURT. Gegen 14.40 Uhr notierten die Titel der Bank aber weiter geschwächt mit einem Plus von 0,3 % bei 10,22 ?. Im späten Handel am Montag war die Aktie zwischenzeitlich auf ein Allzeittief bei 9,75 ? gefallen, nachdem Berichte über die Zweitquartalszahlen der Bank am Markt kursierten. Die Bank wollte sich bislang nicht zu den Zahlen äußern.

Ein Sprecher der Bank sagte am Dienstag morgen außerdem, dass die für Donnerstag vorgesehene Bekanntgabe der Halbjahreszahlen des Instituts nicht vorgezogen werde. Die Zahlen lägen noch nicht endgültig vor und seien noch nicht vom Vorstand abgesegnet worden. "Wir halten und damit an Fug und Recht", unterstrich er. Zu einer möglichen Gewinnwarung der Bank für das Gesamtjahr, wie diese bei einem schwachen zweiten Quartal von Analysten vorhergesehen wird, wollte der Sprecher keine Stellung nehmen. Für 2002 hat die Bank wiederholt ein Vorsteuerergebnis von 700 Mill. bis 800 Mill. ? in Aussicht gestellt.

Ad-hoc-Pflicht verletzt?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) will einen möglichen Ad-hoc-Pflicht-Verstoß der Commerzbank prüfen. "Wir prüfen am Donnerstag, ob die Ad-hoc-Pflicht bei den Vorgängen um die Bekanntgabe der Halbjahreszahlen der Bank verletzt wurde", sagte eine BAFin-Sprecherin am Dienstag auf Anfrage. Seit Montagabend kursieren am Markt unbestätigte Berichte über die Zweitquartalszahlen der Bank. Die Commerzbank hat sich zu den Berichten bislang nicht geäußert und will ihre Zahlen den eigenen Angaben zufolge wie ursprünglich geplant am Donnerstag veröffentlichen.

Für einer weitergehende Einschätzung des Falles oder die Nennung möglicher Konsequenzen sei es noch zu früh, sagte die BAFin-Sprecherin weiter. Die Aufsichtsbehörde werde zunächst die Bekanntgabe der offiziellen Zahlen des Instituts am Donnerstag abwarten. Diese würden dann mit den Medienberichten und den bisherigen Angaben der Bank über den Berichtszeitraum sowie den Vergleichszeitraum des Vorjahres verglichen, um herauszufinden, ob die Ad-hoc-Pflicht verletzt worden sei.

Den unbestätigten Medienberichten zufolge soll die Bank im zweiten Quartal einen Vorsteuergewinn von rund 25 Mill. ? erzielt haben nach 153 Mill. ? im Vorquartal und 186 Mill. ? im Vorjahresquartal. Nach Steuern und Anteilen Dritter soll ein Gewinn von unter 3 Mill. ? erzielt worden sein. Das Handelsergebniss soll sich den Berichten zufolge auf gut 100 Mill. ? belaufen, während die Risikovorsorge auf mehr als 300 Mill. ? aufgestockt worden sein soll. Von vwd befragte Experten rechnen für das zweite Quartal mit einem Vorsteuerergebnis in der Bandbreite zwischen minus 83 und plus 119 Mill. ?.

Analysten beurteilten die vorab berichteten Zahlen zurückhaltend. Für eine Einschätzung der Ertragsentwicklung der Bank müssten die offiziellen Zahlen abgewartet werden, sagten sie. Sollten die Quartalszahlen allerdings so ausfallen, wie vorab berichtet wurde, wären sie Ausdruck einer Ertragsschwäche, meint Martin Peter von WestLB Panmure. Seiner Ansicht nach dürfte diese Ertragsschwäche auch 2003 und 2004 anhalten. Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler, der für das zweite Quartal im Vorfeld bereits schwache schwarze Zahlen erwartet hatte, sieht die Gewinnziele der Bank für 2002 wackeln. Sollte der Vorsteuergewinn im zweiten Quartal bei 25 Mill. ? liegen, rücke das avisierte Vorsteuerergebnis von 700 Mill. bis 800 Mill. ? für 2002 in weite Ferne, meint Hoymann.

Seiner Ansicht nach erhöht sich mit den Kursverlusten auch wieder die Möglichkeit einer Übernahme des Instituts. Je mehr sich die Commerzbank verschlanke und je stärker sie sich auf Deutschland fokussiere, desto interessanter werde sie für Wettbewerber, erläutert er.

Jörn Kissenkötter von M.M. Warburg sieht die Gewinnziele für das Gesamtjahr ebenfalls in weitere Ferne rücken. Sollte sich das zweite Quartal wie erwartet schwach entwickeln, sei das Gesamtjahresziel sehr ambitioniert und schwer erreichbar, sagt der Experte. Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin rechnet damit, dass das wiederholt in Aussicht gestellte Gewinnziel nur durch Einmaleffekte aus der Entkonsolidierung der Rheinhyp in die neue Eurohypo zu erreichen ist.

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